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»Top of the Docs«: ARD will senden, was »Deutschland bewegt«

Unter dem Motto »Nichts ist spannender als die Wirklichkeit« lud die ARD bei der Berlinale 2018 erneut das »Who is Who« der deutschen Dokumentarfilmszene ins ARD-Hauptstadtstudio. Der ARD-Branchentreff »Top of the Docs« fasste  zusammen, was die ARD-Programme 2018 beim dokumentarischen Film auszeichnen soll. Unter anderem: eine neue Doku-Reihe, die montags um 20:15 Uhr gesendet wird. Weitere Film- und Serienprojekte wurden präsentiert.

»Top of the Docs«-Veranstaltung bei der Berlinal 2018 © HDF / Beyer

»Top of the Docs«-Veranstaltung bei der Berlinale 2018 © HDF / Beyer

Volker Herres, Programmdirektor Erstes Deutsches Fernsehen, hat bei »Top of the Docs« am Mittwoch eine Dokumentarfilmreihe für den Montagabend um 20.15 Uhr im Ersten angekündigt. Unter dem Titel »Was Deutschland bewegt« soll der Montag als Informationstag weiter akzentuiert werden. »Wir wollen uns mit sechs brisanten Dokumentationen relevanten Themen widmen, die fallweise bei „hart aber fair“ von Frank Plasberg mit seinen Gästen weiter diskutiert werden«, so Herres in seiner Ansprache. An diesen sechs Montagen wird auch die junge, innovative Reportage-Reihe »Rabiat« von Radio Bremen laufen. Manuel Möglich, Y-Kollektiv, produziert bereits Reportagen für Funk, dem jungen Angebot von ARD und ZDF. Start der sechsteiligen Sendereihe ist der 30. April.

 

Dokumentarfilm-Pitch: »Doomsday Proof« siegt und wird produziert

Über den diesjährigen Preis des ARD-Doku-Wettbewerbs durfte sich das Filmkollektiv »Das Kind mit der goldenen Jacke« freuen. Die kreative Gruppe besteht aus Julia Neuhaus, Nikolai von Graevenitz, Mathieu Miville, Nathan Nill und Caroline Scheller. Mit ihrem Exposé »Doomsday Proof« gewannen sie den ausgeschriebenen Dokumentarfilm-Pitch – und 250.000 Euro Preisgeld. Betreut wird der nun in Produktion gehende Dokumentarfilm vom NDR mit dem BR. Inhaltlich geht es dabei um Menschen, die im Fall großer Katastrophen auf jeden Fall überleben wollen und die dafür viel Geld, Zeit und Kreativität aufwenden. Mehr wurde nicht verraten. Rainald Becker, ARD-Chefredakteur und Jury-Vorsitzender des ARD Wettbewerbs »Top of the Docs«, gratulierte den Gewinnern, die sich mit ihrem außergewöhnlichen Konzept gegen 21 Mitbewerber durchsetzen konnten.

Eröffnet wurde die bereits zum sechsten Mal stattfindende Veranstaltung von WDR-Intendant Tom Buhrow. Ein Programmrückblick auf das Jahr 2017 verdeutlichte die Vielfalt dokumentarischer Filme, die öffentlich-rechtliche Sender zusammen mit Produzenten und Kreativen jährlich realisieren. Insgesamt wurden letztes Jahr 2165 Stunden Reportagen und Dokumentationen im Ersten und den Dritten Programmen erstausgestrahlt.

 

Szene aus »The Cleaners« © gebrueder beetz filmproduktion

Szene aus »The Cleaners« © gebrueder beetz filmproduktion

Dokumentarisches Highlight (1): »The Cleaners«

Eine Vorschau auf 2018 gaben an dem Abend »The Cleaners« und »18 – Krieg der Träume«. Der investigative Dokumentarfilm »The Cleaners« (Produktion: gebrueder beetz filmproduktion) feierte seine vielbeachtete Weltpremiere auf dem Sundance Film Festival 2018. Es geht in dem Film um die Schattenindustrie des Internets, um die, die das Internet nach Gewaltdarstellungen, Pornografie oder verstörenden Bildern im Auftrag von Facebook, Google, YouTube, Twitter und Co. durchforsten und säubern. Manila ist einer dieser Orte, an dem die »Säuberer« sitzen. Die Kosten dort sind niedrig und junge Arbeitskräfte gibt es genug. In ihren Verträgen steht eine Verschwiegenheitsklausel, viele dürfen den wahren Auftraggeber nicht öffentlich nennen. Sie arbeiten für Firmen mit Fantasienamen. Es sind meist junge Leute, die diese Arbeit verrichten. Eine Ausbildung dafür haben sie nicht. Sie entscheiden aus dem Bauch heraus, was gelöscht wird und was bleibt. Einer der »Cleaners« sagt dazu: »Ich sehe bis zu 300 Hinrichtungen am Tag«. Was das mit denen macht, die diesen Job ausüben, was das mit unserer Wahrnehmung der Wirklichkeit anstellt und wer kontrolliert, was wir sehen und denken? Das sind einige der Fragen, die der Film stellt. Bei einem anschließenden Kurzgespräch stellten der geschäftsführende Bundesjustizminister Heiko Maas, Produzent Christian Beetz sowie die beiden Filmemacher Hans Block und Moritz Riesewieck ihre Sicht auf den Film und das Thema dar.

 

Dokumentarisches Highlight (2): »18 – Krieg der Träume«

Die achtteilige, europäische Fernsehserie unter dem Titel »18 – Krieg der Träume« stellt die Zeit zwischen dem Ende des Ersten Weltkriegs 1918 und dem deutschen Überfall auf Polen im September 1939 dar. Produziert wird die Serie von LOOKSfilm mit internationalen Partnern und Förderern, darunter Arte, SWR, NDR, WDR und RBB. Bei dem anschließenden Gespräch mit Produzent Gunnar Dedio, Regisseur und Autor Jan Peter, und Joel Basmann (er spielt in der Serie Rudolf Höß) ging es um die Auseinandersetzung mit historischen Quellen. Also in diesem Fall um Tagebücher oder Briefe. Sie sind die Grundlage für die Geschichten der einzelnen ProtagonistInnen. Joel Basmann sprach auch darüber, wie er sich als Jude der Figur Rudolf Höß anhand dokumentarischer Quellen angenähert hat, um dessen Denken und Handeln nachvollziehen zu können. Höß war dreieinhalb Jahre Kommandant von Auschwitz.

»18 – Krieg der Träume« wird, so Astrid Beyer, Kuratorin des Branchentreffs Dokville (28. und 29. Juni 2018 in Stuttgart, www.dokville.de) auch bei Dokville Thema sein. Der in diesem Jahr vom Haus des Dokumentarfilms zum 14. Mal ausgerichtete Branchentreff dreht sich um den Boom dokumentarischer Serienformate.

 

Karole Wille betont Bedeutung der ARD-Programmwerkstatt

Welche Bedeutung der partnerschaftliche Dialog mit den Produzentinnen und Produzenten für die ARD hat, betonte die stellvertretende ARD-Vorsitzende und MDR-Intendantin Karola Wille in ihrer Rede. »In unserer ARD-Programmwerkstatt zur Zukunft dokumentarischer Produktionen haben wir in Leipzig schon zweimal intensiv über Inhalte, Sendeplätze und Budgetfragen diskutiert. Redakteurinnen und Redakteure aus allen ARD-Landesrundfunkanstalten und von Arte kommen hier mit den Produzenten/innen und Autoren/innen zusammen, um konstruktiv miteinander zu sprechen und gemeinsame Lösungsansätze zu finden.« Der Termin für die dritte Programmwerkstatt in Leipzig steht mit dem 1. November 2018 übrigens schon fest.

(Astrid Beyer)

 

Tags: DOK News

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