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Arbeiten in Zyklen: Christoph Hübner spricht bei Dokville

Als ein bewährter Dokumentarfilmer, der beim Filmen die lange Sicht sieht und nicht jedem neuen Trend aufsitzt, wird Christoph Hübner am 28. Juni 2018 die thematische Einführung in den Branchentreff Dokville geben. »Arbeiten in Zyklen« hat er selbst seine Herangehensweise des Dokumentaristen genannt – und verweist damit eigentlich schon auf das Thema des zweitägigen Fachkongresses: »In Serie – Boom non-fiktionaler Formate«.

»Der Dokumentarfilm sucht das Offene, weiß oft nicht, was am Ende steht. Das macht ihn schwierig und unberechenbar.« Was hier wie eine Warnung klingt, ist in Wirklichkeit eine Liebeserklärung, ein Bekenntnis, eine Arbeitsweise, vielleicht sogar ein Weltverständnis. Christoph Hüb- ner hat diese Worte aufgeschrieben – fast schon nebenbei in einem Glückwunsch vor nunmehr zwei Jahren, als er dem Haus des Dokumen- tarfilms damals zu seinem 25jährigen Bestehen gratulierte. Nebensäch- lichkeiten sind eigentlich nicht die Sache von Christoph Hübner – aber dann sind sie doch auch irgendwie »genau sein Ding«.

001 Keynote HuebnerHübner ist ein Dokumentarfilmer der leisen Sorte. Einer, der das lange Hinschauen und das bewusste Zuhören zum Stilmittel erkoren hat und der in klei- nen Dingen große Zusammenhänge zeigen kann. So wie zum Beispiel in seinen Filmen »Die Champions« und »HalbZeit – Vom Traum zum Leben«, die jeder junge Fußballer und vor allem seine Eltern gesehen haben sollten, bevor sie auch nur anfangen, von einer strahlenden Profikarriere zu träumen. Und in so vielen leisen Filmen seines umfang- reichen Werkes, aus dem in aller Ruhe eben dieses spricht: wer dokumentarisch filmt, muss offen sein, für das, was geschieht. In den Nebensächlichkeiten des Alltags können wir den wahren Fluss des Le- bens beobachten.

Wie passt so eine Beobachtungsliebe in den lauten, gescripteten, fiktionierten, emotionalisierten, event-gehypten Doku-Zirkus dieser Tage? Vielleicht gar nicht. Und das muss man auch mal sagen, wenn man Haltung bewahren will.

Einmal hat Hübner geschrieben: »Immer wieder auch wird der Dokumentarfilm mit Journalismus verwechselt, das schnell dahin gesagte Wort von der »Dokumentation« oder die schlechte Abkürzung »Doku« zeigen, wie sehr die Unterschiede verwischt werden.« Dass Christoph Hübner in diesem Jahr die Keynote bei Dokville 2018 spricht, kann eigentlich passender gar nicht sein. In einem Jahr, in dem wir darüber diskutieren, ob Serienelemente dem dokumentarischen Film neue Kraft verleihen können, ist es auch an der Zeit, daran zu erinnern, dass die geduldige Sicht und die lange Beobachtung in keinem anderen Genre je besser funktionierte als eben im dokumentarischen. Und gerade Hübner ist (gemeinsam mit Gabriele Voss) der geduldige Hinschauer. Ob man erfundene Geschichten oder vom beobachtetem Leben erzählen will, ist dem Verständnis unseres Auftaktredners nach keine Frage des Stils und keine des Mittels, sondern die einer grundsätzlichen Einstellung: »Eine Haltung dem Material gegen- über, mit dem man umgeht,«, sagt Christoph Hübner, »eine Haltung im Dreh und im Schnitt und gleichzeitig eine Haltung der Wirklichkeit gegenüber – diese Haltung ist nicht genregebunden, man findet sie im Spielfilm ganz genauso wie im Dokumentarfilm.«

Dokville 2018
Donnerstag, 28. Juni 2018
Keynote: Arbeiten in Zyklen

(Thomas Schneider)

Tags: Dokville 2018

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