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Doppelte DOK Premiere mit »Die Sonneninsel« von Thomas Elsaesser

Der international anerkannte Filmhistoriker Thomas Elsaesser, der lange in Amsterdam und New York unterrichtete, verwebt in seinem essayistischen Dokumentarfilm »Die Sonneninsel« sehr geschickt die Familiengeschichte mit der Geschichte der modernen Architektur. Diesen Film präsentiert das Haus des Dokumentarfilms an zwei DOK Premieren im November 2018: zunächst am 14. November in Stuttgart im Haus der Geschichte BW und am Tag darauf im Kino Caligari in Ludwigsburg. Im Anschluss an die Vorführungen gibt es jeweils ein Filmgespräch mit dem Regisseur Thomas Elsaesser und Kay Hoffmann (Haus des Dokumentarfilms).

Szenen aus »Die Sonneninsel« © Elsaesser-Stiftung

Thomas Elsaessers Großvater Martin Elsaesser war Anfang des 20. Jahrhunderts ein sehr renommierter Architekt, der z.B. die Markthallen in Stuttgart und Frankfurt gebaut hat. Er wurde 1925 Stadtbaudirektor und Leiter des Hochbauamtes in Frankfurt am Main und war direkt beteiligt an der modernen Stadtplanung, die man als das Projekt Neues Frankfurt bezeichnete. 1932 wechselte er als Architekt nach München, erhielt als Jude aber keine Aufträge mehr.

Elsaesser zog sich auf eine Insel bei Berlin zurück, die ein befreundeter Gartenarchitekt Leberecht Migge gepachtet hatte und übernahm große Aufträge z.B. in der Türkei. Auf der sogenannten Sonneninsel wurden Ideen des alternativen Wohnens und der autarken Versorgung aus dem eigenen Anbau erprobt. Eine wichtige Rolle spielte dabei die Großmutter des Regisseurs Liesel Elsaesser, die das Inselleben organisierte und sich in Migge verliebte. Plötzlich steht sie zwischen den beiden Männern, die ihr beide viel bedeuten und die eng zusammengearbeitet haben bei verschiedenen Projekten.

Martin Elsaesser prägte als Leiter des Hochbauamtes das Stadtbild der Finanzmetropole Frankfurt am Main (1925 bis 1932). Leberecht Migges' Interesse hingegen galt hauptsächlich der Garten- und Landschaftsarchitektur. Auf der Sonneninsel in der Nähe von Berlin versuchte der "Urahn" der grünen Bewegung mit Liesels Unterstützung seine Idee von sozialem Ausstieg und Selbstversorgung umzusetzen. Er steht für eine Stadtplanung, die dem Gemeinwohl verpflichtet ist und auf Ideen zurückgeht, die bis heute in der grünen Bewegung und „Urban Gardening“-Projekten weiterleben.

In dieser Phase des Rückzugs auf die Insel drehte der Sohn von Martin Elsaesser viele Familienfilme, die das Leben auf der Insel dokumentierten und jetzt eine gute Basis für filmische Aufarbeitung bieten. Auch die ersten Lebensjahre des Regisseurs Thomas Elsaesser sind so überliefert. Die Markthalle in Frankfurt ist inzwischen der Sockel der Europäischen Zentralbank geworden. Gegen den Teilabriss des historischen Gebäudes wehrte sich die Familie erfolglos, doch zumindest soll die Erinnerung an Martin Elsaesser wach gehalten werden. Auch dazu dient der Film »Die Sonneninsel«.

Im Anschluss an die Vorführungen gibt es jeweils ein Filmgespräch mit dem Regisseur Thomas Elsaesser und Kay Hoffmann (Haus des Dokumentarfilms). Die Vorführungen in Stuttgart und Ludwigsburg finden in Zusammenarbeit mit Raumwelten, dem Haus der Geschichte Baden-Württemberg, Kinokult e.V. sowie der Architektenkammer Baden- Württemberg (Kammergruppe Ludwigsburg) und dem NaturVision Filmfestival statt.

(Kay Hoffmann)

Tags: DOK Premiere

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