»Kevin Roche · Der stille Architekt«

Unsere DOK Premiere im März 2018

Er genießt weltweite Anerkennung. Mit seinem humanistischen Stil hat er die Art verändert, wie heute über Bauwerke gedacht wird. Mark Noonans Portrait des 95-Jährigen zeigt Roche als einen bescheidenen und tief in sich ruhenden Baumeister, der früh die Natur integrierte. Eigentlich sollte es eine ganze besondere DOK Premiere werden, denn der irische Regisseure Mark Noonan hatte zugesagt, für die DOK Premiere nach Ludwigsburg zu kommen und aus Dublin einzufliegen. Dies wäre der erste Regisseur aus Irland als Gast gewesen. Doch kurzfristig musste er wegen neuer Dreharbeiten absagen. So gab es bei der gut besuchten Vorstellung kein Filmgespräch, das ein wichtiges Element der Veranstaltung ist.

Szene aus »Kevin Roche · Der stille Architekt« © Edition Salzgeber
Szene aus »Kevin Roche · Der stille Architekt« © Edition Salzgeber

Noonans Film »Kevin Roche – Der stille Architekt« ist ein visuell starkes Porträt dieses international anerkannten Architekten, der das Bauen in den vergangenen Jahrzehnten stark beeinflusst hat. Denn zum einen steht bei ihm der Mensch im Vordergrund. Für einen neuen Auftrag für eine Konzerthalle besucht er schon existierende und recherchiert Details z.B. wo das Personal seine Sachen unterbringt. Diese Erfahrungen fließen in seine Planungen ein. Ein ebenfalls ziemlich neuer Ansatz in den 1970er Jahren war es, die Architektur mit der Natur zu verknüpfen und sie nicht als Gegensatz zu verstehen. Die Neubauten werden möglichst in die vorhandenen Strukturen integriert.

Zum Teil pflanzt er Bäume in die Foyers oder legt dort kleine Gärten an. Besonders beeindruckend beispielsweise das California Art Museum in Oakland, das er wie einen Park angelegt hat mit niedrigen Pavillons. Die Gebäude sind offen und können von allen Seiten betreten werden. So können Parkbesucher zufällig mit der Kunst konfrontiert werden. Die Hemmschwelle das Museum zu betreten soll niedrig gehängt werden und jedem den Kunstgenuss ermöglichen.

Diese Offenheit der 1970er Jahre wirkt heute skuril in Zeichen von Abschottung und Einigelung. Von daher zeigt der Film offensichtlich, wie eng Architektur und Stadtplanung mit Gesellschaft und ihren Bedingungen zusammenhängt. Kevin Roche mit seinen 95 Jahren beweist mit seinen Statements eine Altersweisheit, die zum Teil überraschend ist. Beispielsweise wenn er sich ein Leben ohne Arbeit nicht vorstellen kann und seine Frau ihm gerade erst das Zugeständnis abgerungen hat, in Zukunft samstags nicht mehr zu arbeiten.

(Kay Hoffmann)

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