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Die »Ekstase« kommt ins Kino

Gemeinsam mit dem Haus des Dokumentarfilms lädt das Kunstmuseum Stuttgart zu einem besonderen Kinoerlebnis ins Stuttgarter Kino Cinema. Fünf außergewöhnliche Filme spiegeln verschiedene Zugänge zum Phänomen der Ekstase. Das Filmprogramm am 20. Januar 2019 begleitet die Themenausstellung »Ekstase«, die das Kunstmuseum bis 24. Februar 2019 zeigt. Das Programm läuft ab 11 Uhr im Stuttgarter Kino Cinema. Unter anderem mit dabei: der dokumentarische Kultfilm »Koyaanisqatsi« von von Godfrey Reggio.

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Ab Herbst 2018 spürt das Kunstmuseum Stuttgart in einer großen Themenausstellung erstmals dem Phänomen der Ekstase nach. Anhand paradigmatischer Beispiele von der Antike bis in die Gegenwart beleuchtet die Ausstellung die unterschiedlichen spirituellen, politischen, psychologischen, sozialen, sexuellen und ästhetischen Implikationen von Euphorie- und Rauschzuständen zwischen Askese und Exzess. Das Haus des Dokumentarfilms war Partner bei der Organisation eines besonderen Kino-Themenabends: Neben Klassikern des ethnografischen Films von Maya Deren und Peter Adairs wird der Kultfilm »Koyaanisqatsi« (1986) von Godfrey Reggio (Musik Philipp Glass) gezeigt. Außerdem der zwischen Doku und Fiktion changierende »Anita – Tänze des Lasters« (1987) von Rosa von Praunheim. Den Abschluss bildet »Leaning into the Wind« (2017) über den Land-Art-Poeten Andy Goldsworthy. Der Regisseur Thomas Riedelsheimer steht für ein Filmgespräch zur Verfügung.

Sonntag, 20. Januar 2019, 11 – 22 Uhr
Cinema, Königstr. 22, 70173 Stuttgart

Ticket: 8 €
Erhältlich unter www.innenstadtkinos.de (begrenzte Teilnehmerzahl)


Dies ist das geplante Filmprogramm

ekstase 3 holy ghost 1 1200px»Holy Ghost People«
(1967)
Regie: Peter Adair
Ein Klassiker des ethnografischen, beobachtenden Films in schwarz-weiß. Peter Adair begleitet spezielle Gottesdienste in West Virginia, bei denen verschiedene Rituale zum Beispiel mit Schlangen durchgeführt werden. Wenn die Gläubigen von der Schlange gebissen werden, lehnen sie ärztliche Hilfe ab. Zentral sind Interviews mit den Gläubigen über den Heiligen Geist und wie er ihr Leben rettete. Bei den Gottesdiensten entwickelt sich ein Trancezustand durch gemeinsamen Gesang, Musik und Tanz.

 

ekstase 6 divine horsemen 1200px»Divine Horsemen. The Living Gods of Haiti«
(1985)
Regie: Maya Deren
Zwischen 1947 und 1954 drehte die international renommierte Experimentalfilmerin Maya Deren Material zu Voodoo-Zeremonien und Besessenheit in Haiti als Grundlage für ein Buch zu diesem Thema. Ihre Beziehung zu den Akteuren war so eng, dass ihr einmalige Aufnahmen von den Ritualen und der Ergriffenheit der Beteiligten gelungen sind. Erst Jahrzehnte nach ihrem Tod 1961 gestaltete ihr Ehemann das Material zu diesem beeindruckenden Dokumentarfilm in schwarz/weiß. »Divine Horeseman« gilt als einer der wichtigsten Filme über Voodoo und die Kultur auf Haiti.

 

ekstase 4 anita 1200px»Anita – Tänze des Lasters«
(1987)
Regie: Rosa von Praunheim
Die Tänzerin Anita Berber war in den »Wilden Zwanzigern« des 20. Jahrhunderts Sinnbild des puren Exzesses mit ihrem skandalösen Programm »Tänze des Lasters, des Grauens und der Ekstase«. 1925 malte Otto Dix sie nackt. In Praunheims eigenwilligem Film beschwört Lotti Huber als alte Frau noch einmal Berbers bewegtes Leben. Ihre Fantasien entpuppen sich als bis zum Wahnsinn gesteigertem Wunschtraum. Sie landet in der Psychiatrie. Der Film vermischt Gegenwart und Vergangenheit, fiktional und dokumentarisch. Praunheim inszeniert das Leben der Berber als Stummfilm, expressiv und farbenprächtig – die Gegenwart bleibt s/w, grau und trostlos. 

 

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»Koyaanisqatsi«

(1983)
Regie: Godfrey Reggio, Musik: Philipp Glass
»Koyaanisqatsi« ist ein Kultfilm und gilt als herausragender Dokumentarfilm. Der Titel stammt von den Hopi-Indianern und bedeutet so etwas wie »Welt aus dem Gleichgewicht«. In einer packenden Symphonie von spektakulären Bildern und der kongenialen Musik von Philipp Glass erzählt er von der Geschichte der Zivilisation. Er kontrastiert herrliche Aufnahmen der Natur mit dem Raubbau an ihr und der Hektik der Metropolen, die mit Zeitraffer verstärkt wird. In Zeitlupe werden Häuserblocks gesprengt und fallen in sich zusammen. Am Fließband unterwirft sich der Mensch dem Takt der Maschinen. Es gilt, wieder eine Balance herzustellen.

 

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»Leaning into the Wind – Andy Goldsworthy«

(2017)
Regie: Thomas Riedelsheimer, Musik: Fred Frith
Zum zweiten Mal widmet sich Thomas Riedelsheimer dem sympathischen Land-Art-Poeten Andy Goldsworthy. Er präsentiert viele neue Arbeiten mit einer unglaublichen Leichtigkeit und in fantastischen, farbenprächtigen Bildern. Der britische Natur-Künstler ist mittlerweile Teil seiner Kunstwerke geworden. Der Film fließt dahin wie ein großer ruhiger Bach, in den die Zuschauer eintauchen und sich verzaubern lassen können. Sie begeben sich auf eine sinnliche Reise und viele werden nach diesem Erlebnis glücklich das Kino verlassen.
Thomas Riedelsheimer steht nach der Filmvorführung für ein Filmgespräch zur Verfügung.

 

(Kay Hoffmann)