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    TV-Tipps

TV-Tipp 25.10.: Ideen für mehr Nahrung

Wie bekommen wir die nur alle satt? Eine Frage, der Filmemacher Valentin Thurn (»Taste the waste«) in seinem 2015 veröffentlichten Dokumentarfilm »10 Milliarden« ausführlich nachging. Der Südwestrundfunk zeigt den Film zum Thema Welternährung in der Nacht zum Donnerstag. Bei seinem Auftritt beim Branchentreff Dokville berichtete Thurn 2015, wie er mit den sozialen Netzwerken den Boden für sein aufwendiges Filmprojekt bereitete.

SWR, 0:45 Uhr: 10 Milliarden – Wie werden wir alle satt?

In den letzten Jahren haben sich zahlreiche Kino-Dokumentarfilme mit den Themen »Ernährung« und »Landwirtschaft« auseinandergesetzt. So sorgten im Jahr 2005 die beiden Filme »Unser täglich Brot« und »We feed the world« für kontroversen Gesprächsstoff. Zu den größten Erfolgen gehörte »Taste the waste« von Valentin Thurn aus dem Jahr 2011. Seine Dokumentation über die verheerende globale Lebensmittelverschwendung traf einen Nerv, war mit über 130.000 Kinobesuchern ein spektakulärer Erfolg an der Kinokasse und bekam politisches Gewicht.

In „10 Milliarden – wie werden wir alle satt?“ beschäftigt sich der Filmemacher vier Jahre später mit dem entwicklungspolitischen, für die Zukunft der Menschheit entscheidenden Thema Welternährung. Er fragt, wie eine zukünftige Weltbevölkerung von zehn Milliarden Menschen ernährt werden kann. Thurn kontrastiert hochindustrielle Konzepte wie genmanipulierter Fisch, damit er schneller wächst, hybrides Saatgut der Konzerne, Fleisch aus dem Labor oder industriellen Gemüseanbau ohne Erde mit weltweiten Initiativen, die sich um eine regionale Versorgung und Artenvielfalt kümmern. Es ist bewundernswert, wie viele Menschen sich weltweit Gedanken darüber machen und wie schnell sich gute Ideen und tragfähige Konzepte wie die solidarische Landwirtschaft verbreiten – über Ländergrenzen hinweg.

Am meisten überrascht hat Thurn bei seinen Dreharbeiten die Afrikanerin Fanny Nanjiwa, die nach dem Verlust ihres Landes durch internationale Konzerne mit dem Anbau vielfältigen Gemüses begann und sich dadurch unabhängig gemacht hat von den Konzernen und dem oft schon genmanipulierten Saatgut. Die Information des ehemaligen Baskeballstars Will Allen, dass 99 Prozent unserer Lebensmittel aus einer Entfernung von über 2000 Kilometer angeliefert werden, sind Zahlen aus den USA. Bei uns liegen keine entsprechenden Zahlen vor, aber viele Lebensmittel haben auch bei uns einen langen Transportweg hinter sich, was durch die Agrarpolitik der EU noch gefördert wird.

Soziale Medien spielen in der Auseinandersetzung eine zentrale Rolle. Bereits mit »Taste the waste« beschritt Thurn neue Wege. Er beließ es nicht bei dem Film, sondern vernetzte gleichgesinnte Interessengruppen miteinander. Aus einem »kleinen« Dokumentarfilm erwuchs eine große Bewegung. Ein Modell, das Schule macht und das Thurn in veränderter Form auch für seinen Film »Zehn Milliarden« nutzt. Darüber berichtet er 2015 auch ausführlich bei Dokville, dem Branchentreff aus dem Haus des Dokumentarfilms.

(Thomas Schneider)