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  • Das, was der junge Wuppertaler Sebastian in den Jahren 2014 bis 2017 erlebt hat, lässt sich nicht in 30 Minuten erzählen. Die Kurzdokumentation »Sebastian wird Salafist« von Ghafoor Zamani versucht es dennoch und ergänzt damit den 180 Minuten langen TV-Film-Zweiteiler »Brüder«. Alle drei Beiträge zeigt das Erste am Mittwochabend als Erstausstrahlung. Vor allem für die Doku am Ende hätte man sich aber wesentlich mehr Zeit gewünscht.

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  • Dass die Musikdokumentation »20 Feet from Stardom« (am Mittwochabend im BR) 2014 den Doku-Oscar erhielt, konnte niemanden wirklich überraschen. Die amerikanische Produktion setzt ganz auf Musik, Interviews mit Stars (u.a. Mick Jagger und Bruce Springsteen) und Emotionen. Die sind gewiss, denn es geht hier um Wiedergutmachung an den Stars im Hintergrund - den Backgroundsängerinnen, ohne die viele Musiker niemals zu Stars geworden wären.

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  • Mitte November fand das 34. Kasseler Dokfest in den Programmkinos Gloria, Filmladen und Bali sowie an zahlreichen weiteren Orten um den KulturBahnhofs statt. 15.100 Zuschauerinnen und Zuschauer sorgten für einen neuen Besucherrekord. Neben Preisen und Filmen ging es auch um Themen, die auf anderen Festivals fehlen.

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  • Der Filmabend des Hauses des Dokumentarfilms während der Jüdischen Kulturwochen in Stuttgart hat bereits Tradition. Es gibt dort immer einen besonderen Dokumentarfilm zu Israel und dann ein anschließendes Filmgespräch. Diesmal wurde »Life in Stills« von Tamar Tal gezeigt: ein Film über eine alte Dame, die das fotografische Gedächtnis Israels verwaltet. Die junge israelische Regisseurin beantwortete anschließend via Skype Fragen zu ihrem Film.

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  • »Den Hunger der Welt werden wir nie bezwingen, wenn wir Soja und Maus in Futtertröge kippen.« Das ist nur einer Erkenntnis aus dem Dokumentarfilm »Das System Milch« von Andreas Pichler (u.a. »Das Venedig-Prinzip«). Der Filmemacher untersucht auf vielfältige Weise, was die intensive (und extensive) Herstellung von Kuhmilch wirklich bedeutet. Ein Film, der ökonomisch und ökologische Prozesse veranschaulicht – und das bei einem Produkt, das zu den wichtigsten weltweit gehört; und das deshalb auch zu einem der umkämpftesten gehört. Arte zeigt ihn bis 19. Februar 2018 in seiner Mediathek.

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  • Der Mann in gelb. Das Auge des Dokumentarfilms. Der Mann mit der Kamera. Willy »Justus« Pankau war eine Art Urgestein der Stuttgarter Film- und Medienszene. Er war unübersehbar – Signalfarbe: gelb – und eigentlich von keinem filmischen Ereignis wegdenkbar. Viele Jahrzehnte war er aktiv - sowohl als Kameramann in der Dokumentarabteilung beim Süddeutschen Rundfunk als auch als Dozent an der Filmakademie Baden-Württemberg und an anderen Filmhochschulen. Zu seinem Tod mit knapp 94 Jahren am 18. November 2017 haben wir einige Erinnerungen an ihn gesammelt, die sein Leben und die Geschichte des Hauses des Dokumentarfilms über Jahrzehnte hinweg verbunden haben.

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  • Den 2014 in den Kinos gelaufenen Dokumentarfilm »The Forecaster« von Marcus Vetter und Karin Steinberger gibt es bis 22. November 2017 in der SWR-Mediathek – aber unter dem ebenso vieldeutigen Titel »Der Pi-Code«. Auch der Untertitel hilft nur bedingt weiter: »Martin Armstrong – Spinner oder Genie?«. Titel hin oder her: Der Film ist ein höchst sehenswerter Beitrag zur Finanzkrise von 2007 – und ihrer Vorhersehbarkeit.

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  • Etwas auszusprechen, hilft, es zu begreifen. So ist es im Privaten, vor Gericht und auch im Film. Marc Bauders grandioser Dokumentarfilm »Der Banker - Master of the Universe« lebt ganz davon, dass es dem Regisseur gelang, einen hochrangigen Investment-Manager zum Sprechen zu bringen. Bis zum 23. November 2017 in der SWR-Mediathek zu sehen.

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  • Der Krieg im Kongo hat Millionen Tote gefordert. Diese Verbrechen wurden nie juristisch verfolgt. Für »Das Kongo Tribunal« gelingt es dem anerkannten Theaterregisseur Milo Rau, die Opfer, Täter, Zeugen und Analytiker des Kongokriegs zu einem einzigartigen zivilen Volkstribunal im Ostkongo zu versammeln. Er lässt erstmals drei Fälle exemplarisch verhandeln und entwirft ein unverschleiertes Porträt des größten und blutigsten Wirtschaftskriegs der Menschheitsgeschichte.

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»Democracy«, »Raving Iran« und »Mali Blues« gewinnen

Der »Deutsche Dokumentarfilmpreis 2017« ist vergeben. Die Gewinner der vom Südwestrundfunk (SWR) und der MFG Filmförderung Baden-Württemberg vergebenen Auszeichnung stehen fest: Der Hauptpreis und damit das Preisgeld von 20.000 Euro sowie der Preis der »STZ Leserjury« mit einem Preisgeld von 4000 Euro gehen an den Autor David Bernet für seinen Dokumentarfilm »Democracy – Im Rausch der Daten«. Der Förderpreis Haus des Dokumentarfilms geht an »Raving Iran« von Susanne Regina Meures, der Preis der Norbert Daldrop Förderung für Kunst und Kultur an »Mali Blues« von Lutz Gregor. Wie der SWR betonte, war »Auch die Verzahnung des Branchentreffs Dokville mit dem Publikumsfestival  erfolgreich; es gab einen lebhaften Austausch bei den Filmvorstellungen oder in persönlichen Gesprächen.«

Filmemacher David Bernet (3.v.l.) nimmt den Deutschen Dokumentarfilmpreis 2017 entgegen © SWR / Tom Oettle

Filmemacher David Bernet (3.v.l.) nimmt den Deutschen Dokumentarfilmpreis 2017 entgegen © SWR / Tom Oettle

 

Am Freitagabend wurde in Stuttgart der »Deutsche Dokumentarfilmpreis« vergeben. SWR-Intendant Peter Boudgoust freute sich in seiner Begrüßung, dass der SWR als bedeutender Dokumentarfilmsender eine weitere Plattform geschaffen hat: »Das neue SWR Doku Festival öffnet das Genre für ein breites Publikum und bietet gleichzeitig im Rahmen des Branchentreffs Dokville Gelegenheit für einen Austausch zwischen Machern und Experten – ich freue mich schon heute auf die zweite Ausgabe im kommenden Jahr.« Oberbürgermeister Fritz Kuhn dankte dem SWR: »Beides passt gut in unsere Stadt, die sich mit seinen Festivals und Branchenmeetings zu einem der führenden Film- und Medienstandorte weiterentwickelt. Dem Dokumentarfilm kommt in Zeiten von 'fake news' und 'alternativen Fakten' eine besondere Rolle zu.«

Auszeichnungen für »Democracy – Im Rausch der Daten«

Mit dem gemeinsamen Preis von SWR und MFG Filmförderung Baden-Württemberg wurde »Democracy – Im Rausch der Daten« von David Bernet ausgezeichnet. Die Jury begründete ihre Entscheidung folgendermaßen: »Das Europäische Parlament gilt vielen mittlerweile als undurchdringliches Bürokratiemonster mit undurchschaubaren Strukturen und Entscheidungswegen. David Bernet und seinem Team gelingt mit akribischer Sorgfalt, kritischer Distanz und Unnachgiebigkeit ein vibrierender und lebendiger Einblick, der noch lange nachhallt. Mit stark komponierten schwarz-weiß Bildern und einer klugen Protagonistenauswahl schaffen die Filmemacher das Kunststück, dem scheinbar unlenkbaren 'Tanker‘ Europäisches Parlament ein Gesicht zu geben und ihn ins Fahrwasser der Empathie zu steuern.«

Auch die »STZ Leserjury« kürte »Democracy – Im Rausch der Daten«. Der zum ersten Mal verliehene Preis, der von der Stuttgarter Zeitung beigesteuert wurde, ist mit einem Preisgeld von 4000 Euro dotiert. Die »STZ Leserjury« kommentierte: »Was für eine Überraschung: Ein Thema, das sich in der Ankündigung liest wie ein Schlafmittel, ‚Gesetzgebungsprozess auf EU-Ebene zu einem neuen europaweiten Datenschutzrecht‘, entpuppt sich in ‚Democracy‘ als interessante, spannende und mitreißende Geschichte, für die der Autor und Regisseur eine faszinierende Bildersprache entwickelt.« Der Film wurde produziert von der INDI FILM GmbH mit Seppia, Cedric Bonin, SWR/ARTE sowie NDR und gefördert mit Mitteln von FFA, CNC, MFG Filmförderung Baden-Württemberg, Deutscher Filmförderfonds, Film und Medien Stiftung NRW, Creative Europe MEDIA, Region Alsace, Eurometropole Strasbourg.

»Raving Iran« gewinnt den HDF-Förderpreis

Der mit 3000 Euro dotierte Förderpreis des HDF geht an »Raving Iran« von Susanne Regina Meures. Er wurde zu großen Teilen mit einem Smartphone gefilmt, das in einer Hemd-Brusttasche eingenäht war. In der Begründung der Jury heißt es: »Raving Iran ist ein mutiger Film über das Leben und den Alltag in einem totalitären Regime, in dem die Menschen gelernt haben, sich mit der Zensur zu arrangieren oder sie zu umgehen. […] So fragmentarisch und unperfekt seine Bilder oft sind, so dramaturgisch geschlossen erzählt und kühn montiert ist »Raving Iran«.« Der Film ist eine Produktion von Christian Frei Filmproductions GmbH in Koproduktion mit ZHdK, Zürcher Hochschule der Künste und wurde gefördert von SRF 3Sat,  BAK, Bundesamt für Kultur Zürcher, Filmstiftung Katholischer Mediendienst, Alexis Victor Thalberg Siftung, George Foundation, Filme für eine Welt.

Norbert Daldrop Förderung kürt »Mali Blues«

In diesem Jahr zum ersten Mal vergeben wurde der Preis der Norbert Daldrop Förderung für Kunst und Kultur: Lutz Gregor bekommt die mit 5000 Euro dotierte Auszeichnung für seinen Film »Mali Blues«. Die Jury hält den Film für auszeichnungswürdig, »weil er deutlich macht, wie gute Musik in die Alltagskämpfe und Leiden der Menschen einwirkt, wie eng Gesellschaft und Musik miteinander verwoben sind. Er zeigt, wie sehr gute Musik uns helfen kann, Schlimmes zu ertragen, Not zu formulieren, einen Klang für den Schmerz zu finden oder sogar endlich dagegen aufzustehen.« Der Film ist eine Produktion der gebrüder beetz filmproduktion Christian Beetz in Koproduktion mit ZDF/ARTE und wurde gefördert mit Mitteln der Film und Medien Stiftung NRW, Creative Media, Medienboard Berlin Brandenburg, FFA, Deutscher Filmförderfonds

Die Entscheidungen traf eine unabhängige Jury: Bettina Böhler (Filmeditorin), Katrin Bühlig (Drehbuch- und Dokumentarfilmautorin), Uli Gaulke (Dokumentarfilmautor), Oliver Mahn (Filmbüro Baden-Württemberg), Regina Schilling (Dokumentarfilmautorin), Wolfgang Schorlau (Schriftsteller) und Paul Zischler (Produzent), Festivalleitung Goggo Gensch (SWR).

Der Deutsche Dokumentarfilmpreis wird ab 2017 jährlich (vorher zweijährig) vom Südwestrundfunk (SWR) und der MFG Filmförderung Baden-Württemberg gestiftet. Aus 113 Einsendungen kamen in diesem Jahr zwölf Produktionen in die engere Auswahl. Die Hauptjury ermittelte daraus dann die vier prämierten Filme. Die Preisverleihung fand dabei zum ersten Mal im Rahmen des neu geschaffenen SWR Doku Festivals statt. Hier wurde drei Tage lang in der Stuttgarter Königstraße der rote Teppich für das Publikum ausgerollt; an drei Spielstätten wurden 47 Filme gezeigt. Überdies lockten zahlreiche, frei zugängliche Hintergrundgespräche Interessierte in die SWR Doku Lounge im Haus der Katholischen Kirche.

Auch die Verzahnung des Branchentreffs Dokville mit dem Publikumsfestival war erfolgreich, es gab einen lebhaften Austausch bei den Filmvorstellungen oder in persönlichen Gesprächen. 

 

Tags: dokville, deutscher dokumentarfilmpreis

Foto: Szene aus »Democracy« © INDI FILM

Foto: Szene aus »Democracy« © INDI FILM