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Schummeleien in Dokumentarfilmen

Dokville 2017: Vom Trick zum Fake

Dr. Kay Hoffmann referierte bei Dokville 2017 in seinem Vortrag über Schummeleien, Tricks und unlautere Methoden in Dokumentarfilmen. Im Fokus hatte er dabei Filme, die größtenteils oder ausschließlich aus Fremdmaterial bestehen. Angefangen mit den Ursprüngen der Filmtechnik, haben Trickserein mit Bildern nämlich eine lange Tradition - und das gerade im Dokumentarfilm. Kay Hoffmann zeigte bei Dokville 2017 viele einschlägige Beispiele aus der Filmgeschichte.

Bereits zu Anfang des 20. Jahrhundert im Kontext der russischen Revolution wurden Tatsachen der Ereignisse im Nachhinein oftmals schlichtweg falsch wiedergegeben. Nicht nur dass versucht wurde, szenische Produktionen als authentische Abbildungen der Oktoberrevolution auszugeben, zudem schlichen sich auch viele offensichtliche Fehler in der technischen und inhaltlichen Umsetzung ein.

Heutzutage gibt es ganze Fachbereiche, die sich nur mit der Aufdeckung dieser fälschlich inszenierten Bilder beschäftigt: Stalin trug seine Haare anders, Plätze in der russischen Hauptstadt unterschieden sich deutlich von den schlampig recherchierten Filmkulissen und Tageszeiten wurden falsch erzählt.

Kaum authentische Aufzeichnungen sind ebenfalls aus der Riefenstahlschen Zeit aufzufinden: Es gibt zwar in den Bundesarchiven Unmengen an Material aus dem Dritten Reich, jedoch ist vieles so stark inszeniert, dass eine wirklich objektive Verwendung in heutigen Produktionen selten möglich ist.

Eine weitere Hürde der korrekten Wiedergabe historischer Tatsachen stellt die moderne Technik und ihre Verfälschung von Primärquellen dar. Das Kolorieren von jahrzehntealten Schwarz-Weiß Material führt oft zu einer Wahrnehmung, die nicht der ursprünglichen Ästhetik entspricht und den inhaltliche Gegenstände verzerren kann. »Wir überziehen sie mit einer Lasur heutiger Erwartungsvorstellungen.« sagte dazu ein projektverantwortliche von Spiegel TV.

Anhand des Beispiels von André Schäfer versucht Kay Hoffmann die Schwierigkeiten bei dem Einsatz von unehrlichen Bildern in Dokumentarfilmen zu veranschaulichen. In »Lenin kam nur bis Lüdenscheid« setzt Schäfer nämlich nicht immer auf die Wahrheit und benutzt teilweise Fremdmaterial, das nicht der erzählten Geschichte entspricht. Der damals kleine Sohn von David Precht, dem Protagonisten der Biografiedoku, mimte in nachgedrehtem Super-8-Material seinen Vater, als der in diesem Alter war.

Noch einen Schritt weiter geht es in »This Ain't California zu: Beim reinen Zuschauen des Films nicht nachzuvollziehen, sind viele vermeintlich originale Aufnahmen der frühen Berliner Skateboarding-Szene eigentlich nachgedrehte Bilder. Die Regisseure ruderten später zurück und erklärten: »Der Film war nie für den Kopf gedacht, sondern für den Bauch!«. Dass die Produktion später als dokumentarische Erzählung deklariert wurde, sagt vieles über die in diesem Kontext geführten Diskussionen.

Weitere Beispiele zeigte Kay Hoffmann aus den Filmen »Apokalypse« und »Der Spezialist«. Fazit: Man darf auch in Kompilationsfilmen nicht immer seinen Augen trauen - oder eben ganz genau hinschauen, um Schummeleien zu entlarven.

Tags: Dokville 2017

Kay Hoffmann bei  Dokville 2017 @ HDF / Thomas Schneider