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Dokville - Branchentreff Dokumentarfilm

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Streaming-Dienste: Retter eines Genres - oder eine Bedrohung?

»Wir erleben tektonische Verschiebungen im Gerne und wenn wir nicht aufpassen, wird es investigative Dokumentarfilme bald nicht mehr geben«, sagt Filmproduzent Christian Beetz im abschließenden Panel von Dokville 2018. Diese Runde, bei der neben Beetz und Kuratorin Astrid Beyer auch Imke Meier (ZDFinfo) und Filmemacher Marcus Vetter teilnehmen, steht unter dem durchaus provokanten Titel »Streaming: Taktgeber für TV-Trends?« Was das Panel benennt, ist eine durchaus bedenkliche Zustandsbeschreibung einer Branche im Umbruch. Am Beispiel von »The Cleaners« wird deutlich, wie verlockend, aber auch gefährlich die neuen Streaming-Kanäle wie Netflix und Amazon auch sein können.

Eindrucksvoll berichtet Christian Beetz, wie er auf das Interesse von Netflix hin Ende des letzten Jahres für seinen Dokumentarfilm »The Cleaners« voll ins Risiko ging. Der Film war, obwohl noch gar nicht fertig, zum wichtigen Sundance-Festival eingeladen gewesen. Dort lockte ein lukrativer Vertrag mit Netflix. Für das investigative Thema des Filmes - es geht um Säuberungs-Content-Manager im Dienste von Social Media Plattformen - der genau richtige Partner. Und einer, der im Jahr zuvor noch groß eingekauft hatte. Doch anstatt Sekt, so Beetz, gab es am Ende nur Hausmannskost. Denn der Vetrag wurde kurzfristig gecancelt. Netflix kaufte bei Sundance keine einzige Produktion und Amazon war aufgrund interner Probleme nicht handlungsfähig. Am Ende - und das wahre Ende ist noch nicht absehbar - saß Beetz auf rund 200.000 Euro von 1,1 Millionen Produktionskosten, die noch nicht finanziert sind.

Sowohl Beetz wie auch der Filmemacher Marcus Vetter berichten speziell im Umgang mit amerikanischen Anbietern von Wild-West-Methoden bei der Finanzierung von Projekten, die mit den deutschen und europäischen Methoden nicht immer gut zusammen passen. Übrigens: Netflix eröffnet in Kürze seine europäische Niederlassung in London. Das ist Chance, aber auch Kampfansage zugleich.

Welche Rolle also spielen die Streaming-Dienste in Zukunft. Oder besser: Welche wollen sie spielen? Denn das sie bereits jetzt die Kontrolleure einer sich rasch verändernden Filmbranche sind, gibt ihnen Macht. Das deutsche Fördersystem erscheint da hoffnungslos veraltet und schlicht zu langsam. Christian Beetz warnt, denn der investigative Dokumentarfilm sei bedroht.

Wir werden dieses Panel nach dem Ende von Dokville auf www.dokville.de publizieren.

(Thomas Schneider)

 

Tags: Dokville 2018

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