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Dokville - Branchentreff Dokumentarfilm

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Eldorado

Nominiert für den Deutschen Dokumentarfilmpreis 2018: Im Mittelpunkt von Markus Imhoofs Dokumentarfilm steht die Mannschaft eines Bootes der italienischen Marine, die während der Aktion »Mare Nostrum« in Seenot geratene Flüchtlinge aufnehmen und ihre Erstversorgung übernehmen. Bei der Aktion werden über 100.000 Flüchtlinge gerettet. Das Thema Flüchtlinge verknüpft der Regisseur dabei mit einer Erinnerung an die eigene Kindheit.

Szene aus »Eldorado« © zero one film

Szene aus »Eldorado« © zero one film

In »Eldorado« geht es um Flüchtlinge. Im Mittelpunkt von Imhoofs dokumentarischer Kamera steht die Mannschaft eines Bootes der italienischen Marine, die während der Aktion »Mare Nostrum« in Seenot geratene Flüchtlinge aufnehmen und ihre Erstversorgung übernehmen. Bei der Aktion werden über 100.000 Flüchtlinge gerettet. Sie bekommen Gold glänzende Folien, um sich vor dem Wetter und der Kälte zu schützen. Nicht ohne Grund sind die Folien auch das Plakatmotiv.

Aber »Eldorado« ist nicht ein weiterer Film über Flüchtlinge, von denen es jetzt schon einige beeindruckende gibt. Markus Imhoof geht das Thema weiter an. Wie schon in seinem auch an den Kinokassen erfolgreichen »More than Honey« verknüpft er ein globales Thema mit persönlichen Erlebnissen seiner Familie. Damals war es der Großvater, der sich um Bienen kümmerte, jetzt ist es ein italienisches, kränkelndes Flüchtlingskind, das im Zweiten Weltkrieg 1943 von seiner Familie aufgenommen wurde, weil die Wohnung ihrer Eltern zerstört worden war. In der sicheren Schweiz wurde Giovanna hochgepäppelt und erholte sich. Sie veränderte den Blick, wie der kleine Markus die Welt sah.

Der zweite Aspekt ist möglichweise noch elementarer. Imhoof und sein Team folgen den Flüchtlingen in die Aufnahmelager, wo die Geretteten unter schwierigen Bedingungen ihr Dasein fristen. Wird ihr Asylantrag dann nach langem Warten abgelehnt, versuchen sie sich durchzuschlagen. In der Landwirtschaft mit mafiösen Strukturen, arbeiten sie für einen Hungerlohn. Damit beginnt ein unglaublicher Kreislauf. Das wenige Geld, das sie sparen, schicken sie in die Heimat. Die Tomaten, die sie auf Feldern und Gewächshäusern ernten, werden von der EU subventioniert verarbeitet und die Tomatendosen dann nach Afrika exportiert. Dort kaufen sie die zurückgelassenen Familien mit dem Geld der Flüchtlinge. Dieser Kreislauf ist perfide und zeigt, wie Europa dann letztlich doch an den Flüchtlinge verdient.

Eldorado
Dokumentarfilm, D/CH 2018, 92 Minuten
Regie: Markus Imhoof
Produktion: Thelma Films AG, zero one film GmbH

 

(Kay Hoffmann)