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Of Fathers and Sons

Nominiert für den Deutschen Dokumentarfilmpreis 2018: Talal Derki begleitet den Al-Nusra-Kämpfer Abu Osama und seine acht Söhne im Alter von zwei bis 14 Jahren. Frauen kommen in diesem Film marginal vor. Als Hände, die den Männern Essen servieren oder Mädchen, die von den Söhnen mit Steinen beworfen werden, sobald sie aus dem Haus treten.

Szene aus »Of Fathers And Sons« © Talal Derki / Basis Filmproduktion

Szene aus »Of Fathers And Sons« © Talal Derki / Basis Filmproduktion

Der syrische Regisseur Talal Derki, dessen »Return to Homs« das Internationale Dokumentarfilmfestival im Jahr 2013 eröffnete, ist zurück mit seinem neuen Film »Of Fathers And Sons«, der beim Amsterdamer Festival idfa 2017 im Wettbewerb für den Langfilm seine Weltpremiere feierte. Mittlerweile lebt Derki in Berlin, aber seine Herkunft und die Zerstörung seiner Heimat Syrien lassen ihn nicht los und so zog er 2014 erneut los. Undercover, getarnt als jüngst konvertierter Filmemacher und Fotograf mit Bewunderung für islamistisches Gedankengut, verbrachte er zwei Jahre in einer radikal-islamistischen Familie.

Talal Derki begleitet den Al-Nusra-Kämpfer Abu Osama und seine acht Söhne im Alter von zwei bis 14 Jahren. Frauen kommen in diesem Film marginal vor. Als Hände, die den Männern Essen servieren oder Mädchen, die von den Söhnen mit Steinen beworfen werden, sobald sie aus dem Haus treten. Derki beobachtet, er kommentiert nicht. Was er filmt wird zunehmend bedrückend, unerträglich. Einerseits geht Abu Osama liebevoll mit seinen Söhnen um. Doch so herzlich er auch sein kann, so unerbittlich ist er in seinen Erwartungen, dass auch sie Al-Nusra-Kämpfer werden und in seiner Bestrafung, wenn sie seinem Willen nicht gehorchen. Und seine Söhne beten ihn an.

So wird der Zuschauer Zeuge, wie Kinderseelen mit Hasspredigten zerbrochen werden, im Kampf für das Kalifat. Schule und Bildung spielen in dieser Gesellschaft keine Rolle. Osamas Gutenachtgeschichten bestehen aus der Glorifizierung des Martyriums, aus der Verherrlichung von Gewalt, das Allahu Akbar als Antwort auf Alles. Was kann aus Kindern werden, die in zerstörten Orten spielen, deren Leben aus Hass und Gewalt besteht, für die der Tod alltäglich ist? Wie kann hier ein neues Syrien entstehen? Ein Film, der einen sprachlos zurücklässt.

Of Fathers and Sons
Dokumentarfilm, Deutschland 2017, 98 Minuten
Buch und Regie: Talal Derki
Produktion: Basis Filmproduktion
Koproduktion: Hans Robert Eisenhauer für Ventana Film, Talal Derki für Cinema Group Production, SWR, RBB, Arte, Impact Partners
Kamera: Kahtan Hassoun
Ton: Sound-Design: Sebastian Tesch, Mischtonmeister: Ansgar Frerich, Florian Beck
Schnitt: Anne Fabini

(Astrid Beyer)