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Sewol - Die gelbe Zeit

Nominiert für den Deutschen Dokumentarfilmpreis 2018: Es vergeht keine Sekunde in Minsu Parks Dokumentarfilm, die nicht schmerzt. 77 lange, qualvolle Minuten über den Tod von 304 Menschen – die meisten von ihnen Schulkinder auf einer lange ersehnten Schulreise – die beim Untergang der Fähre Sewol vor Südkorea im April 2014 ums Leben kamen. Ein Dokument des Unbegreiflichen, für das es dennoch Ursachen und Schuldige gibt.

 

Szene aus »Sewol – Die gelbe Zeit« © BR, HFF München

Szene aus »Sewol – Die gelbe Zeit« © BR, HFF München

Was für ein Unglück! Am Morgen des 16. April 2014 geht ein Notruf ein. Auf dem Weg zur koreanischen Ferieninsel Jejudo kentert die 20 Jahre alte Fähre Sewol. Imkompetenz und bis heute unbegreifliches Verharren in Anordnungen und falschen Anweisungen führen dazu, dass nur 174 der 476 Menschen an Bord gerettet werden können.

Was die Katastrophe noch unerträglicher macht, ist, dass viele der Schülerinnen und Schüler an Bord noch per Telefon mit ihren Eltern kommunizieren können und lange nicht ahnen, dass sie, anstatt sich zu retten, auf den Tod warten. An Land glauben auch viele Eltern, dass Rettung längst unterwegs ist. Als dann auch noch eine SMS verschickt wird, dass alle Kinder gerettet seien, ist die Freude groß. Die Eltern reisen zur Küste, um ihre Kinder nach Hause zu holen. Doch dort warten sie stundenlang völlig umsonst. Ihre Kinder sind bereits ertrunken.

Drei Jahre später hat sich die Sewol-Katastrpohe im Gelben Meer tief als Trauma in der koreanischen Gesellschaft festgesetzt. Was es für die Hinterbliebenen noch schlimmer macht ist die Reaktion der Presse und der staatlichen Stellen. Viele von Ihnen versuchen mit ihrem Leid Gehör zu finden und stoßen auf harsche Reaktionen eines Staates, in dem die Wahrung des Gesichtes vor Aufdeckung von Missständen zu stehen scheint.
Über diese Situation hat Minsu Park seinen Abschlussfilm an der HFF München gemacht, für den er nicht nur die Kamera übernahm, sondern auch die Regie.

Er begleitet eine Reihe von Hinterbliebenen und dokumentiert die schwere Trauerarbeit. Dabei fängt er Momente ein, die man sich intensiver kaum vorstellen kann. Wieso warteten die Ertrunkenen in ihren roten Schwimmwesten bis es wortwörtlich zu spät war? Wieso scherzten und feixten sie noch, als das sinkende Schiff bereits gefährliche Schräglage hatte? Wieso gab es diese tödliche Anordnung, unter Deck zu bleiben, während sich die Besatzung rettete?

Er »wolle den Opfern eine Stimme geben« lässt der in München lebende Filmemacher wissen. Es ist auch die Darstellung eines nationalen Traumas. Die »gelbe Zeit« wird wohl noch lange dauern.

Sewol – Die gelbe Zeit
Dokumentarfilm, D 2017, 77 Minuten
Regie: Minsu Park
Produktion: Dreamland Pictures, Nominal Film, mit Bayerischer Rundfunk und HFF München

(Thomas Schneider)

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