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Atemlos, aber lustig im Reich der Bergfilme

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Doku-NewsEs gibt Filmprojekte, die macht man. Und manche, die macht man gerne. »Drama am Gipfel« gehört für Harald Krassnitzer ganz offensichtlich zur zweiten Kategorie. Bei der erstmaligen Vorstellung des Doku-Zweiteilers (Ausstrahlung zur Jahreswende im Ersten) zeigte der Österreicher Schauspieler glaubhaft seine Begeisterung für Berge und Filme über die Berge. Gemeinsam mit den beiden Regiekollegen Tilman Achtnich und Claus Hanischdörfer (beide Südwestrundfunk) stellte der sonst eher in der Rolle des Tatort-Kommissars Moritz Eisner brillierende Darsteller die beiden Dokumentarfilme vor. Eingeladen hatte des HAUS DES DOKUMENTARFILMS im Rahmen seiner Reihe »DOK NIGHT«. Dabei wurden interessante Einblicke in ein spannendes Projekt gewährt - und in die Tricks der Filmer mit Skirutschen, Explosionen und Popo-Stützen für Bergfilmmoderatoren.

Harald Krassnitzer in 'Drama am Gipfel'


Es beginnt alles mit dem Piz Palü. Dieser Schweizer Berg stand 1929 im Zentrum eines Filmes, der Geschichte schrieb: »Die weiße Hölle vom Piz Palü«. Der Film war authentisch, mitreissend und dramatisch. Fanck gelang damit die Geburt eines ganz neuen Genres: des Bergfilmes, der später Stars wie Luis Trenker oder Heidi machte, der Sinnbild für Heimatgefühle war, aber der auch Genre für waghalsige Filmabenteuer wurde.

Auch beim »Drama am Gipfel« eröffnet das Meisterwerk von Regisseur Arnolf Fanck eine 85 Minuten lange Rückschau, die sechs der erfolgreichsten Bergfilme der letzten rund 90 Jahre noch einmal ausführlich vorstellt. Es ist ein ehrgeiziges Doku-Projekt gewesen, das sich Tilman Achtnich und Claus Hanischdörfer für den SWR ausgedacht haben. Ihre vielleicht beste Idee: Anstatt nur in alten Filmklassikern zu raubschatzen, gingen sie selbst in die Berge. Sie suchten Spuren, Zeugen und Drehorte der Klassiker. Als Presenter gewannen sie Harald Krassnitzer.

DOK NIGHT 3: Drama am Gipfel

Eine hervorragende Entscheidung. Krassnitzers Charme und seine stattliche Selbstironie - immerhin kann er mit keinem der Bergführer, die ihn in die Berge begleiten, auch nur annähernd körperlich mithalten -, erheben das »Drama am Gipfel« weit über Rückschau-Dokus der üblichen Machart hinaus.

Mal schnauft Krassnitzer wie ein Marathonmann ins Mikro, mal spitzbübelt er mit Girls, die Bond-Girls mimen, ein anderes Mal feixt er vor dem Matterhorn und stiehlt dem prachtvollen Steinhaufen locker die Schau. Dass er so ganz alleine auf die Berge kraxelt, glaubt ihm eh keiner. Dass er aber dann die ihm am Hintern stützende Bergführerin so charmant entlarvt, ist nicht nur elegant, sondern bestes Entertainment. Am besten ist der »Ösi« aber dann, wenn er Zeitzeugen aufsucht. Es sind richtige Zwiegespräche, die sich da entspinnen, immer einfühlsam, oft richtig witzig. Aus diesen Befragungen habe man den Humor in den ganzen Film übertragen können, verrät einer der Regisseure. Hier hat offensichtlich das wahre Leben das beste Script geschrieben.

Das Stuttgarter Publikum, das im dortigen Haus der Geschichte als erstes der Filmpremiere beiwohnen konnte, war hellauf begeisert von Film und Protagonisten. Ausgestrahlt werden beide Teile übrigens zur Jahreswende im Ersten: am 29. Dezember und 1. Januar (jeweils 19.15 Uhr).

Am Ende will Irene Klünder vom HAUS DES DOKUMENTARFILMS und damit Gastgeberin der »DOK NIGHT« wissen, ob denn wirklich alles so lustig war an den intensiven 16 Drehtagen, in denen der Zweiteiler entstand. Da blitzt dann für Minuten ein anderer Krassnitzer durch, der berichtet, wie man sich immer wieder über die Rolle der Leni Riefenstahl uneins gewesen sei. Riefenstahl spielte in »Die weiße Hölle vom Piz Palü« ihre erste Rolle und wurde später zur Lieblingsregisseurin des Führers.

Den Disput über Riefenstahl kann der Zuschauer im Film nur erahnen. Das war eine redaktionelle Entscheidung und auch die richtige. Dennoch ist es in diesem Moment eine wichtige Information, denn sie zeigt, dass man auch in der Rückblende nicht verklären darf. Spaß kann nur entstehen, wenn seine Macher geerdet bleiben. Mit beiden Beinen auf dem Boden, aber mit dem Kopf über den Wolken - das passt zum Bergfilm.


Weitere Infos zu »Drama am Gipfel«

Der Film ist eine zweiteilige Dokumentation über die Drehorte und Anekdoten zu den Klassikern des Bergfilms - unter anderem zu »Die weiße Hölle vom Piz Palü«, »Heidi«, »James Bond 007 - Im Geheimdienst Ihrer Majestät« und »Der Berg ruft«.

Erstausstrahlung: 29.12.13 und 1.1.14, jeweils 19.15 Uhr, im Ersten.
Website: www.swr.de/drama-am-gipfel

 

(Thomas Schneider)

 

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27. April 2017

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