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DVD-Tipp: Richard Deacon - In Between

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Doku-NewsWas Skulpturen sein sollen, bekommt man im Kunstunterricht oder in der Volkshochschule erklärt: steinerne Jünglinge und marmorene Feen aus vergangenen Zeitaltern, Ming-Vasen und Terrakotta-Krieger oder auch Industriemüll in neuer Verwendung. So weit, so unbefriedigend, denn mit diesem Wissen wird man die Werke des wichtigsten lebenden Bildhauers nicht entschlüsseln können. Statt dessen hilft einem möglicherweise die DVD des Dokumentarfilms »Richard Deacon - In Between«, dein jpngst bei mindjazz erschienen ist. Der 2013 im Kino gezeigte Film und das umfangreiche Dokumaterial helfen, die Sprache der modernen Bildhauerei zu begreifen.

Bildhinweis: Szene aus »Richard Deacon - In Between«  © mindjazz

Von den schönen Künsten ist zweifelsohne die Bildhauerei die undurchschaubarste, obwohl sie uns überall und oft ebenso unvermittelt wie unbemerkt entgegen tritt. Mit der Interpretation, er zeige figürliche Kunst, kommt man bei dem Briten Richard Deacon allerdings nicht weit. Denn er baut keine Figuren. Er baut allenfalls Gebilde um ein Nichts. Und »dazwischen«, wie man den Titel »In Between« dieses Dokumentarfilms übersetzen muss, liegt die Kunst.

Die mit Künstlerbiografien erfahrene Filmemacherin Claudia Schmid hat einen Film gedreht, der diesen schulischen Horizont verlässt und einfach zum Zuschauen einlädt. Ganz ohne Kommentar und auch ohne Erklärung stellt sie weniger das Werk als die Arbeitsweise des Künstlers hervor. Durch Zurückhaltung gelingt es ihr, uns durchs Schauen begreifen zu lassen

Zwei Jahre konnte die Deutsche, die selbst eine künstlerische Ausbildung als Bildhauerin absolviert hat, den Briten begleiten. Schon von Anfang an beschloss sie, keine herkömmliche Künstlerbiografien zu machen. Sie beobachtet ihn in seinem Atelier, bei Ausstellungen und vor allem in Interaktion mit Material und Menschen. Oft scheint der Britenur teilnahmslos dabei zu stehen. Oder er spielt in seinem Atelier, umgeben von einem Meer an Materialien und Skizzen, mit Ideen. Sätze wie »Der angeblich leere Raum ist kein leerer Raum, die Stille ist reichhaltig« werden in diesem Momenten fühlbar.

Der Film zeigt auch, wie sehr Deacon auf Teamwork setzt. Seine riesigen Skulpturen sind keine Einzelarbeiten, an denen er still und heimlich in seinem Atelier schraubt. Er arbeitet seit Jahren mit Freunden und Mitarbeitern zusammen. Claudia Schmid ist da eine Biografie gelungen, die Kunst erlebbar macht. Das umfangreiche Bonusmaterial, das Deacon bei Ausstellungaufbauten und -konzeptionen zeigt - nicht unbearbeitet, aber unkommentiert - ist eine gelungene Zugabe. In einem Film, der nach der Premiere des Filmes entstand, geben die Regisseurin und der Künstler noch weitere interessante Erklärungen ab.

(Thomas Schneider)

 

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27. April 2017

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