A A A
www.dokumentarfilm.info

Theresienstadt: Eine perfekte Täuschung

Achtung, öffnet in einem neuen Fenster. PDFDruckenE-Mail

Beitragsseiten
Theresienstadt: Eine perfekte Täuschung
Seite 2
Alle Seiten

Doku-NewsEine internationale Konferenz in Terezin (Tschechische Republik), an der auch deutsche Filmwissenschaftler teilnahmen, hat die Filmfragmente über Theresienstadt ins Zentrum der Betrachtung gestellt. Das Konzentrationslager wurde in Filmen der NS-Propaganda geschönt dargestellt mit idealen Lebensbedingungen und optimaler Versorgung. Dies war ein Trugbild und entsprach keineswegs der Wirklichkeit.  Mit diesen Filmen und anderen filmischen Dokumenten aus Theresienstadt hat sich die Tagung beschäftigt - und sie zeigte, dass das Thema seine Aktualität nicht verloren hat.

Bildhinweis: Tagung im heutigen Terezin © Kay Hoffmann / Haus des Dokumentarfims

Im tschechischen Terezin fand vom 4. bis 7. September 2014 die Tagung »Filme aus den Ghettos und Lagern: Propaganda – Kassiber – historische Quelle« statt. Sie wurde von der Slavistin Natascha Drubek organisiert (www.tererzin2014.com). Im Mittelpunkt standen die verschiedenen Propagandafilme, die in Theresienstadt gefilmt wurden. Sie in einen Kontext zu stellen mit anderen Propagandafilmen, beispielsweise aus dem Warschauer Ghetto oder anti-semitischen Hetzfilmen wie »Der ewige Jude« oder den Aufnahmen der Alliierten nach der Befreiung der Lager, war das Ziel dieser sehr hochkarätig besetzten Tagung.

Eva Struskova vom Nationalen Filmarchiv hatte zusammen mit Jana Splichalová vom Jüdischen Museum 2013 in Prag eine Ausstellung organisiert zu diesen Filmfragmenten. Dafür hatten sie noch einmal intensiv recherchiert und eine kommentierte DVD-Edition mit weiteren Dokumenten veröffentlicht. Diese Ausstellung ist jetzt in Terezin zu sehen, wo die Aufnahmen im damaligen Konzentrationslager Theresienstadt entstanden waren. Das Lager sollte im besten Licht erscheinen und der Alltag wurde sehr geschönt. Die Hintergründe der bisher bekannten Dreharbeiten 1942 und 1944 hat der niederländische Historiker Karel Magry seit den 1990er Jahren intensiv erforscht und damit ein internationales Interesse an diesen Produktionen geweckt, wie auf der Tagung sehr deutlich wurde.

In Terezin präsentierte er den überzeugenden Nachweis, dass im Herbst 1944 nicht nur der bisher bekannte Film gedreht wurde, für den die Nationalsozialisten als Regisseur den berühmten Schauspieler, Varieteekünstler und Regisseur Kurt Gerron verpflichteten. Sondern es gab schon Anfang 1944 ein Filmprojekt, für das Heinrich Weil Drehbuchentwürfe entwickelt hatte. Im Mittelpunkt stand eine Begrüßungsrede des Judenältesten, der den Neuankömmlingen die Vorteile des Lagers unter jüdischer Selbstverwaltung darstellt. Der Film sollte dies mit Bildern aus dem Lager illustrieren. Es sind mehrere Fassungen des Drehbuchs erhalten geblieben, der insgesamt kürzer sein sollte als der Gerron-Film. Aber es gibt viele Ähnlichkeiten zwischen den Filmprojekten, die beide im Auftrag vom SS-Sturmbannführer Hans Günther, dem Leiter der Zentralstelle zur Regelung der Judenfrage der Gestapo in Prag war. Die Kameraleute und Technik kamen jeweils von der tschechischen Wochenschau. Erste Dreharbeiten erfolgten am 20. Januar 1944, als eine Gruppe von Juden aus Holland in Theresienstadt ankam. Von diesen Aufnahmen ist bisher noch kein Material gefunden worden; allerdings rettete der Kameramann Ivan Fric einige Fotos der Dreharbeiten von der Ankunft der Juden und der Rede des Judenältesten Epstein.

 

Filme aus den Ghettos und Lagern: Propaganda – Kassiber – historische Quelle



FVAVANTGRD0708 1.5 RGSTRD
© 2017 www.dokumentarfilm.info | Haus des Dokumentarfilms, Teckstr. 62, 70190 Stuttgart | redaktion@dokumentarfilm.info

Logo Haus des Dokumentarfilms



28. April 2017

Doksite.de - das neue Webportal für den Dokumentarfilm