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TV-Tipps 26.1.: Der Holocaust und die Lüge

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TV-TippsHeinrich Himmler hatte in den deutschen KZs ein striktes Filmverbot erlassen. Aus gutem Grund: der Mord an den Juden, Sinti und Roma sollte nicht dokumentiert werden. Bis heute ist diese Desinformation ein übler Nährboden für die »Holocaustlüge«. André Singers Dokumentarfilm »Night will fall«, den das Erste heute im Rahmen eines Themenabends über die Befreiung von Auschwitz zeigt, erzählt von dem Versuch, das Grauen direkt nach der Befreiung filmisch zu dokumentieren und wieso er scheiterte. Weitere Dokutipps für den Montagabend hier im Überblick.

Bildhinweis: Szene aus »Night will fall« © Imperial War Museum

Tagestipp:
Das Erste, 23:30 Uhr: Night will fall

»Hitchcocks Lehrfilm für die Deutschen« heißt der Untertitel dieses Dokumentarfilms, in dem Filmemacher André Singer die Geschichte eines ungewöhnlichen Filmprojektes erzählt. Die amerikanische Army ließ im Jahre 1945 nach der Befreiung der Überlebenden in den Konzentrationslagern Kameraleuten die Gelegenheit, die Szenen des Grauens zu filmen. Geplant war, unter Anleitung des Produzenten Sidney Bernstein und der namhaften Filmregisseure Alfred Hitchcock und Billy Wilder, aus dem Filmmaterial einen Lehrfilm für die deutsche Bevölkerung zu machen. »German Concentration Camps Factual Survey« hieß der Arbeitstitel dieses Projektes. Sein erzierischer Ansatz war, den Deutschen vorzuführen, was in den KZs geschehen war. Es sollte also ein Dokument geschaffen werden, das der heute als »Holocaustlüge« bekannten Leugnung der Gräueltaten für alle Zeiten Fakten und filmische Beweise entgegen halten sollte.

night will_fall_2_450pxDoch das Filmprojekt wurde nie beendet. Schon wenige Monate nach dem Kriegsende hatte sich die politische Lage in Europa geändert. Die Bestrafung der Deutschen trat - abgesehen von den öffentlichkeitswirksamen Nürnberger Prozessen - in den Hintergrund. Vor allem die Briten ein großes Interesse daran, Deutschland wieder aufzubauen und gegen einen erstarkenden Sowjetstaats in Stellung zu bringen. In dieser neue Stimmung passte das Filmprojekt nicht mehr, den es hätte die Depression der überlebenden deutschen Gesellschaft weiter voran getrieben. Und so verschwanden die Aufnahmen in den Archiven - bis auf wenige Sequenzen, die in den Kriegsverbrecherprozessen als Beweismaterial eingesetzt wurden. Und bis auf den amerikanische Film »Death Mills«, den Billy Wilder beendete, der aber nur ein kürzere Version des ursprünglichen Projektes war.

André SingerFast 70 Jahre nach diesen Ereignissen ist es eher einem Zufall zu verdanken, dass der britische Filmemacher André Singer (Foto; er koproduzierte unter anderem »Tod in Texas« von Werner Herzog und »The Act of Killing« von Joshua Oppenheimer) über dieses unbeendete Filmprojekt einen eigenen Film machen konnte. Singer erfuhr im britischen Imperial War Museum von Restaurierungsarbeiten an dem Filmmaterial, das über Jahrzehnte als »missing Hitchcock« gehandelt wurde. Die Berlinale 2014 zeigte im vergangenen Jahr beide Fassungen: Singers Doku und Hitchcocks unvollendetes Projekt. »Night will fall - der Titel ist auch der letzte Satz aus dem Script des geplanten Projektes - beschreibt die Geschichte des Filmes. Und er legt die filmischen Beweise vor, die damals gedreht wurden. Mit seinem Projekt hat Singer, der viele Jahre die Dokumentarfilmabteilung der BBC leitete, die Hoffnung verbunden, dass in unserer Zeit, in der Filmbilder als Belege für Realität stärken zählen als Erinnerungen, eine Lüge über die Konzentrationslager keine Nahrung mehr finden kann.

Dokumentarfilm, GB 2014, 75 Min., Regie: André Singer, Produktion: Imperial War Museum


Weitere Dokutipps für den 26. Januar:

3sat, 20:15 Uhr: Der Spion vom Pariser Platz
3sat, 21 Uhr: KZ-Geschäfte. Buchenwald und die Außenlager
21:55 Einsfestival Geheimnis Zeche Zollverein
WDR, 22 Uhr: die story
3sat, 22:25 Uhr: Saul Friedländer – Das versteckte Kind
Arte, 23:55 Uhr: Numbered
Das Erste, 0:45 Uhr: 7 Tage... Auschwitz – ein musikalisches Experiment

(Thomas Schneider)

 

Bildhinweis:
Szenen aus »Night will fall« © Imperial War Museum
Personenbild zeigt André Singer

 

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28. April 2017

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