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Buchtipp: Gelungene Geschichte zur Wochenschau

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Logo Doku im BuchVielen kennen die Wochenschau schon nicht mehr oder verwechseln Sie mit der beliebten »Wochen-Show« im ZDF. Doch die Wochenschau war ein immanent wichtiges Medium des 20. Jahrhunderts und bis in 1980er Jahre fester Bestandteil jedes Kinoprogramms. Bernd Kleinhans bietet in seinem Buch »Der schärfste Ersatz für die Wirklichkeit« einen umfassenden Überblick zur Geschichte der Wochenschauen in Deutschland von ihren Anfängen bis zum Ende. Zudem ist der über 400 Seiten starke Band auch noch spannend zu lesen.

Buchcover © St. Ingbert: Röhrig Universitätsverlag

Buchcover © St. Ingbert: Röhrig Universitätsverlag

Das Interesse der Filmforschung an diesem Thema ist gewachsen und so konnte Kleinhans auf eine gute Basis an Spezialstudien aufbauen, die er geschickt in einen Gesamtzusammenhang stellt. Er hat ein sehr gut recherchiertes Buch geschrieben, das auch mal über den Tellerrand schaut. Ein Schwerpunkt liegt mit knapp der Hälfte des Buches eindeutig auf der Frühgeschichte der Wochenschauen vor 1933, wo es Kleinhans gelingt neue Details zu finden. Die Überlieferung für diese Periode ist äußerst rudimentär und selbst die Auswertung von Fachzeitschriften liefert nicht unbedingt Hinweise, was wirklich in den Lichtspieltheatern gezeigt wurde oder wie das Publikum darauf reagierte. Nach Aktualitäten und Lokalaufnahmen kamen ab 1909 die ersten Wochenschauen von französischen Unternehmen wie Pathé, Gaumont und Eclair-Journal auf den deutschen Markt. Ausführlicher stellt Kleinhans »Express Films« aus Freiburg vor, die ab Ende 1911 ihre Wochenschau »Der Tag im Film« starteten. Sehr früh versprach man den Zuschauern eine Aktualität und eine weltumspannende Berichterstattung, was natürlich völlig an den Realitäten vorbeiging. Dieses Versprechen zieht sich aber durch das Selbstverständnis der Wochenschau bis in die 1950er Jahre. Geworben wurde im Logo oft mit einem sich drehenden Globus, um diesen internationalen Anspruch zu verdeutlichen.

Im Ersten Weltkrieg war vielen klar, dass das Medium Film und die Wochenschauen eine wichtige Rolle spielen können. Auf der anderen Seite wollte die politische und militärische Führung das Filmen unter strenge Aufsicht stellen und möglichst keine Aufnahmen vom aktuellen Kriegsgeschehen genehmigen. Viele Aufnahmen entstanden in der Etappe oder wurden speziell für die Kameras inszeniert. Insgesamt versuchten acht Unternehmen Bilder des Krieges in die Kinos zu liefern. »Der Mehrfrontenkrieg mit seinen langgedehnten Kampflinien machten es den wenigen Operateuren schier unmöglich, jeweils genau dort zu sein, wo tatsächlich entscheidende Kämpfe stattfanden« (S. 100). In der Weimarer Republik setzte sich auch in Deutschland das Wochenschau-Format mit einer Länge von rund 10-12 Minuten Länge und 8-10 Sujets durch. Der Versuch der SPD und der Gewerkschaften, 1927 eine linke Wochenschau aufzubauen, scheiterte nach wenigen Ausgaben. Die Umstellung auf den Tonfilm stärkte die Position des Ufa-Verleihs, der verschiedene Wochenschauen vertrieb.


Eine herausragende Leistung des Autors

Sicher am besten erforscht sind die Wochenschauen im Nationalsozialismus und hier liefert der Autor eine gute Zusammenfassung der bisherigen Analysen. 1945 führten die verschiedenen Besatzungsmächte die Wochenschauproduktion fort. Im sowjetischen Teil startete 1946 die DEFA mit »Der Augenzeuge«. In Westdeutschland wurden 1949/50 verschiedene Unternehmen gegründet, die mit Ausnahme der privatwirtschaftlichen »Fox Tönenden Wochenschau« und »Blick in die Welt« mehr oder weniger von der Bundesregierung oder staatlichen Stellen subventioniert wurden. Die Adenauer-Regierung versuchte mehrmals direkten Einfluss zu nehmen. Als Exkurs stellt Kleinhans auch die Versuche von lokalen Wochenschauen wie den »Karlsruher Monatsspiegel« vor, die in der Regel jedoch ebenfalls öffentlich gefördert werden mussten, um längerfristig existieren zu können. Ein analytischer Beitrag zur Konstruktion der Welt in der Wochenschau schließt das Buch ab.

Es ist eine herausragende Leistung von Bernd Kleinhans, die deutsche Geschichte der Kinowochenschau so kompakt und kompetent zusammengefasst zu haben. Insgesamt ist das Buch ein sehr gelungener Überblick und eine Einführung ins Thema, das hoffentlich weitere Detailstudien von jüngeren Filmhistorikern initiiert.

(Kay Hoffmann)

buchcover kinowochenschau_2_900px»Der schärfste Ersatz für die Wirklichkeit«

Die Geschichte der Kinowochenschau
Bernd Kleinhans
St. Ingbert: Röhrig Universitätsverlag 2013. 434 Seiten
ISBN 978-3-86110-503-9, 58.- €


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28. April 2017

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