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Neue DVD-Edition: Fritz Bauer – das Original

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Doku-NewsFritz Bauer als Spielfilm der den Deutschen Filmpreis dominiert; Fritz Bauer im Dokumentarfilm und Fritz Bauer im Fernsehspiel. Der ehemalige Frankfurter Generalstaatsanwalt ist derzeit medial stark präsent. Nun gibt es Fritz Bauer auch (wieder) in Originalfassung. Bei absolut Medien ist mit »Fritz Bauer – Gespräche, Interviews und Reden« eine DVD-Edition erschienen, die Bettina Schulte Strathaus kuratierte. Die beiden DVDs bieten Stellungnahmen zum Alltag in der Ära Adenauer und der deutschen Geschichte.

Foto: Szene aus »Fritz Bauer« © absolut Medien GmbH

Foto: Szene aus »Fritz Bauer« © absolut Medien GmbH

Fritz Bauer (1903‒1968) und seine engagierte Arbeit als Frankfurter Generalstaatsanwalt drohte in der Tat in Vergessenheit zu geraten. Dies ist heute vielleicht kaum vorstellbar, wo er auf dem besten Weg ist, ein Medienstar zu werden. „Der Staat gegen Fritz Bauer“ (2015) von Lars Kraume räumte gerade sechs Lolas beim Deutschen Filmpreis ab, zur Freude seines Produzenten Thomas Kufus. In „Im Labyrinth des Schweigens“ (2014) von Giulio Ricciarelli spielte Bauer eher eine Nebenrolle und beriet einen jungen Staatsanwalt. Im ARD-Fernsehfilm „Die Akte General“ (2016) von Stephan Wagner stand er wieder ganz im Mittelpunkt. Inzwischen gibt es mehrere Biografien über ihn und einen Freundeskreis, der regelmäßig einen Newsletter verschickt (Kontakt: Diese E-Mail-Adresse ist gegen Spambots geschützt! JavaScript muss aktiviert werden, damit sie angezeigt werden kann. ), wer sich alles wie mit Fritz Bauer beschäftigt. Es werden Straßen nach ihm benannt, Denkmäler errichtet und Konferenzen abgehalten. In Frankfurt arbeitet das Fritz Bauer Institut seit Jahrzehnten das Thema Holocaust und Judenverfolgung auf. Als eine der Ersten nahm sich die Dokumentarfilm-Regisseurin Ilona Ziok des Themas an und veröffentlichte 2010 ihren Film „Fritz Bauer – Tod auf Raten“, in dem sie sein Leben und seinen ungeklärten Tod unter die Lupe nimmt.

Foto: Szene aus »Fritz Bauer« © absolut Medien GmbHFritz Bauer ist bekannt als Initiator der Frankfurter Auschwitz-Prozesse, betrachtete den Gerichtssaal als einen öffentlichen Ort der historischen und demokratischen Bewusstwerdung. Weniger bekannt ist, dass er als Interviewpartner, Diskutant oder Redner auch vor Fernsehkameras Stellung bezog. Er äußerte sich zu den NS-Prozessen, zur politischen Verantwortung der Justiz, zu Geschichtsleugnung und Rechtsradikalismus, aber auch zu Fragen der Wirtschaftskriminalität, dem Sexualstrafrecht oder der Humanisierung des Strafvollzugs. Nicht zuletzt sprach er über seine Biografie als politisch und antisemitisch Verfolgter und als jüdischer Remigrant. Er war ein gefragter Zeitzeuge. Auch fünfzig Jahre später haben diese politischen Debatten nichts von ihrer Brisanz verloren.

Bei absolut Medien ist nun eine DVD-Edition erschienen, die Fritz Bauer im Original zeigt. In Filmausschnitten, Gesprächen, Fernseh-Interviews und Reden aus den Jahren 1961 bis 1968 kann man ihn näher kennenlernen. Sie wurden zum Teil auch in den oben angeführten Spiel- und Dokumentarfilmen verwendet oder inspirierten die eine oder andere Szene. Man spürt seine Leidenschaft und sein Engagement bei verschiedenen Themen. Unruhig pendelt sein Kopf. Mit prägnanter Stimme und Gestik nimmt er Stellung. Alexander Kluge würdigte den originär aufklärerischen Gestus von Bauer: »Ich würde es nicht pathetisch nennen, wie er spricht, sondern mit Elan spricht er. Und das gehört eigentlich zum Plädoyer eines jeden französischen Rechtsanwaltes, die große französische Revolution ist von Juristen und Journalisten gemacht worden, also Öffentlichkeitsmachern. Und das Recht hat diesen Ton, es sucht tatsächlich nach Wahrheit.«

Bauers Ziel war es immer, ein neues Deutschland aufzubauen, das sich von seiner NS-Tradition befreit. Dies war in den 1960er Jahren keineswegs eine Selbstverständlichkeit. Bauer verstand die NS-Verfahren als Selbstaufklärung der deutschen Gesellschaft. Er wurde von vielen als Nestbeschmutzer gesehen, die Wand seines Hauses beschmiert und letztlich ist sein Tod 1968 nie aufgeklärt worden. Von daher ist die DVD-Box mit zwei DVDs und einem lesenswerten Booklet eine wichtige Quelle für alle, die sich noch intensiver mit Fritz Bauer und seinem Schaffen beschäftigen und sich nicht auf sein Medien-Image verlassen wollen. Die Edition wurde von Bettina Schulte Strathaus kuratiert. Sie merkt an, dass Bauer in den 1960er Jahren noch wesentlich präsenter in den Medien war, aber einige der Aufzeichnungen verloren gingen bzw. noch nicht erschlossen sind. Von daher könnte es in Zukunft noch weitere Entdeckungen geben.

(Kay Hoffmann)

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27. April 2017

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