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Neu im Kino: Eat that Question – Frank Zappa

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Dokumentarfilme im KinoVon Anfang an wollte Thorsten Schütte keine konventionelle Musikdokumentation über Frank Zappa machen mit Konzertmitschnitten, Interviews mit Bandmitgliedern, Musikhistorikern und der Familie. Der erklärte Zappa-Fan wollte schon in den 1990er Jahren einen Film über sein Idol machen, scheiterte damals jedoch an den Musikrechten. Von daher arbeitete er schon sehr früh mit Zappas Familie und mit (der zwischenzeitlich verstorbenen) Witwe Gail Zappa zusammen, die seit dem Tod des Musikers seinen Nachlass verwaltete. Die Kontaktaufnahme war nicht ganz einfach und ein Jahr lang wurden Anfragen ignoriert. Doch schließlich überzeugte Schüttes Konzept, der in seinem nun in den Kinos angelaufenen Film vor allem Frank Zappa selbst zu Wort kommen lässt.

Foto: Szene aus »Eat that Question – Frank Zappa« © Arsenal Filmverleih

Foto: Szene aus »Eat that Question – Frank Zappa« © Arsenal Filmverleih

Kinostart: 8. Dezember 2016

In akribischer Recherche suchte Schütte in Film- und Fernseharchiven nach Interviews und Fernsehauftritten auf der ganzen Welt. Dabei wurde er fündig und hat sie in eindrucksvoller Montage kompiliert. Von der ersten Idee bis zum Kinostart vergingen acht Jahre. Zu den Archiv-Raritäten gehört ein frühes Interview des jungen Horst Königstein – einem der Väter des Dokudramas im deutschen Fernsehen – mit Zappa für den NDR.

Mit diesem historischen Archivmaterial kommt man Frank Zappa sehr nahe und zugleich wird ein Stück Zeit- und Musikgeschichte erzählt. Als Symbol des Aufbruchs galt sein Poster, dass ihn auf dem Klo zeigte und das in vielen Wohngemeinschaften hing. Zappa war Teil der Popkultur und wurde von vielen vergöttert. Er veröffentlichte insgesamt 62 Alben, wobei er dabei offen für Experimente war. Der Musiker und seine Band Mother of Inventions wussten in ihren Stücken zu provozieren. Seine expliziten Texte – vor allem was Sexualität angeht – wurden in den USA von konservativen Kräften sehr kritisch gesehen und regelrechte Hasskampagnen gegen Zappa gestartet. Er war ihnen ein Dorn im Auge und sie meinten die Jugend vor ihm beschützen zu müssen. In den Interviews antwortet er zum Teil sehr ironisch und macht aus seiner Abneigung gegenüber der Vermarktung durch Unterhaltungskonzerne keinen Hehl. Zappa ließ nicht locker. In immer neuen Interviews lieferte er ätzende Kommentare zu Staat und Religion, zur Kommerzialisierung der Musik durch Konzerne oder die Jugendkultur. Sein radikaler Wille zur freien Entfaltung kollidierte massiv mit den Werte und Moralvorstellungen im Amerika der Nachkriegszeit. Er wurde zu einem brillanten Chronisten und Gesellschaftskritiker seiner Zeit, dem Thorsten Schütte mit „Eat that Question“ ein filmisches Denkmal setzt.

Jenseits der Klischees und Abziehbilder vom zugekifften Hippie und Provokateur erleben wir in diesem Dokumentarfilm einen klarsichtigen und scharfzüngigen Künstler, der lustvoll und provokant immer wieder musikalische und gesellschaftliche Konventionen sprengt. Eine nachträgliche Bearbeitung durch eine Plattenfirma schon bei seinem dritten Album 1968 führte dazu, dass die künstlerische und geschäftliche Kontrolle über seine Produktionen das höchste Gebot für ihn wurde. Zugleich können wir ganz neue Seiten an ihm entdecken. So wurde er klassisch ausgebildet und komponierte ebenso experimentelle Opern, die von angesehenen Dirigenten eingespielt wurden. 20 Jahre nach seinem viel zu frühen Tod 1992 zählen seine Kompositionen zum Repertoire hochkarätiger Ensembles.

Die französisch-deutsche Koproduktion wurde von Estelle Fialon (Les Films du Poisson) und Jochen Laube (UFA Fiction) in Zusammenarbeit mit Arte Frankreich und dem SWR produziert. Seine Premiere hatte er beim renommierten Sundance Film Festival, wo Sony die weltweiten Rechte (außer Deutschland und Frankreich) erwarb und den Film auch schon in den USA startete. „Eat that Question“ gewann den Hauptpreis des Asbury Park Music in Film Festivals.

Und auch die Zappa Familie ist letztlich sehr angetan von dem Film. Seine Tochter schreibt: „Ich bin sehr glücklich darüber, dass es jetzt für die Leute eine Möglichkeit gibt, meinen Vater Frank Zappa nicht nur als Musiker, sondern als Menschen zu erleben. Seine Worte und seine Herzlichkeit sind gerade heute so wichtig und nötig!“.

(Kay Hoffmann)

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27. April 2017

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