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In den Mediatheken: Dokus zum Nachschauen

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MediathekDie Originalsendung verpasst, der Festplattenrekorder hat gestreikt? Macht nix, denn in den Mediatheken der öffentlich-rechtlichen Sender werden manche dokmentarische Sendungen noch einige Tage - mitunter auch länger - zum Abruf per Videostream angeboten. Unser Überblick in dieser Woche zeigt wieder einige sehenswerte Filme, Reportagen und Kurz-Dokus. Zum Beispiel den Kino-Dokumentarfilm »Menachem und Fred« von 2008, den der SWR anbietet; oder Gero von Boehms tolle Doku über »Henry Miller - Prophet der Lüste«, den Arte anbietet; und bei 3sat ist noch bis 31. Januar »Meine Tochter Anne Frank« von Raymond Ley abrufbar.

Foto: Szene aus »Menachem und Fred« © SWR/Egoli Tossell Film

Foto: Szene aus »Menachem und Fred« © SWR/Egoli Tossell Film

Menachem und Fred: Wiedersehen in Hoffenheim

verfügbar bis 1. Februar 2017

» abrufen in der SWR Mediathek

Menachem und Fred wurden unter den Namen Manfred bzw. Heinz Mayer in Hoffenheim bei Heidelberg geboren. 1940 wurden sie mit ihren Eltern und 6500 weiteren Juden nach Südfrankreich in das Konzentrationslager Gurs deportiert. Später kamen die Brüder in einem staatlichen französischen Waisenhaus unter, wurden von ihren Eltern getrennt, die sie nie wiedersehen sollten. Der letzte Auftrag der Mutter an den damals zwölfjährigen Manfred war, sich um den drei Jahre jüngeren Bruder zu kümmern.

Nach dem Krieg entschieden sich die Brüder für völlig entgegengesetzte Lebenswege: Während Heinz als Frederick Raymes in die USA emigrierte und seine jüdisch-deutsche Herkunft verleugnete, begann Manfred unter seinem hebräischen Namen Menachem ein national-religiöses Leben als orthodoxer Jude in Israel. Über Jahrzehnte hatten die beiden keinen Kontakt – bis die Briefe, die ihnen die Eltern aus dem Lager ins Waisenhaus geschrieben hatten und die Fred bei einem Umzug wiederentdeckte, sie wieder zusammenbrachten.

Ihr Jugendfreund aus Hoffenheim, der spätere SAP-Mitbegründer Dietmar Hopp, dessen Vater als SA-Truppenführer mitschuldig war an der Deportation, hat ein Wiedersehen der Brüder samt ihrer Familien in Hoffenheim arrangiert und finanziert. Die Brüder Mayer sind inzwischen mit den Hopps befreundet.

Der Dokumentarfilm von Ofra Tevet und Ronit Kerstner begleitet Menachem und Fred auf ihrer Reise nach Deutschland, zeigt das erste Familientreffen nach fast 60 Jahren in Hoffenheim und begibt sich mit ihnen auf die Suche nach Spuren ihrer Vergangenheit in Frankreich und Polen. Ein bewegender Film über eine außergewöhnliche Familiengeschichte, zwei völlig gegensätzliche Wege jüdischen Überlebens und eine späte Versöhnung.

Dokumentarfilm, D 2008, 90 Min., Regie: Ronit Kertsner, Ofra Tevet



Henry Miller – Prophet der Lüste

verfügbar bis 1. Februar 2017

» abrufen in der Arte Mediathek

Foto: Szene aus »Henry Miller - Prophet der Lüste« @ SWR / Tom SchillerEr liebte die Frauen, er hasste Amerika. Henry Miller wuchs als Kind deutscher Einwanderer im einstigen deutschen Viertel Yorkville in New York auf. Die Enge seiner Herkunft und die Strenge seiner Mutter weckten den Rebellen in ihm. Nicht in seiner Heimat Amerika konnte er Künstler werden, sondern im Paris der 30er Jahre. Hier lebt er das freie Leben eines mittellosen Bohemiens, beginnt zu schreiben. Die Schriftstellerin Anaïs Nin lernt Miller 1932 kennen, sie unterstützt ihn finanziell, zelebriert mit ihm eine tabufreie erotische Beziehung, befördert seine Schriftstellerkarriere. In den 40er Jahren in die von ihm verhassten USA zurückgekehrt, fand Miller an der kalifornischen Küste in Big Sur eine Bleibe. Seine Bücher konnte er zunächst nur in Frankreich veröffentlichen. Bis eines seiner Hauptwerke, »Wendekreis des Krebses«, in den USA erschien, vergingen knapp 30 Jahre.

In seinem dichte, stimmungsvollen Dokumentarfilm kann Gero von Boehm auf reichhaltige Archivmaterial aus Millers späten Jahren zurückgreifen. Zudem hat er unter anderem mit Dokumentarfilmer Georg Stefan Troller einen Weggefährten interviewt, der Anekdotisches und Erhellendes zum Leben Millers beisteuert. Kein einziges Mal zitiert der Filme aus Millers Texten - wer literarische Deutung sucht, wird nicht bedient.

Dokumentarfilm, D 2016, Regie: Gero von Boehm, Produktion: Interscience Film / SWR

Foto: Szene aus »Henry Miller - Prophet der Lüste« @ SWR / Tom Schiller 

 


Die Story im Ersten: Organspende

verfügbar bis 23. Januar 2018

In seinem Film für die Dokumentarreihe »Die Story im Ersten« zeigt Patrick Hünerfeld, was genau vor einer Organspende abläuft, an welchen Stellen in jüngster Zeit getrickst wurde – und begleitet schwerkranke Patienten, die auf ein neues Organ hoffen. Der Film wird in zwei Versionen in der Erste-Mediathek angeboten: in einer »jugendfreien« Fassung und in einer nur von 22 bis 6 Uhr zugänglichen »nicht jugendfreien«.

» abrufen in der Erste Mediathek (jugendfrei)

» abrufen in der Erste Mediathek (nicht jugendfrei)


Hannah Arendt - Ich will verstehen

verfügbar bis 24. Januar 2018

» abrufen in der 3sat Mediathek

Die fünfteilige Serie über Hannah Arendt zeigt ihr Leben, angelehnt an ihre Werke, ihre bedeutenden Beziehungen und Freundschaften, die gleichzeitig auch immer Reflektoren ihrer Arbeiten waren.

Die Folge »Ich will verstehen« beginnt Ende der zwanziger Jahre.
1929 siedelt Hannah Arendt nach Berlin über, wo sie den Philosophen Günther Anders (vormals Stern) heiratet. Die Ehe wird 1937 geschieden. Nach einer kurzen Inhaftierung durch die Geheime Staatspolizei (Gestapo) flieht sie über Karlsbad und Genf nach Paris, wo sie als Sozialarbeiterin bei verschiedenen jüdischen Organisationen arbeitet.


Meine Tochter Anne Frank

verfügbar bis 31. Januar 2017

» abrufen in der 3sat Mediathek

Foto: Szene aus »Meine Tochter Anne Frank« @ HRSie ist lebenshungrig und wissbegierig - auf das Leben, auf eine Welt, die ihr alles bieten kann. Doch die Welt wird ihr alles nehmen und sich doch auch 70 Jahre später noch an ihren Namen erinnern. »Meine Tochter Anne Frank« ist ein Dokudrama, das vor allem eines zeigt: die (zu Beginn der Handlung) 14 Jahre alte Jüdin Anne, die zu einem Synonym für das Verbrechen der Nazis an den Juden wurde und doch vor allem eines war: ein kraftvoller Mensch an der Schwelle zum Erwachsenwerden.

Doku-Drama, D 2014, 90 Min., Regie: Raymond Ley, Produktion: HR, rbb, WDR

Foto: Szene aus »Meine Tochter Anne Frank« @ HR

 


(Thomas Schneider)

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27. April 2017

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