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TV-Tipp 16.2.: Gudrun, Bernward und die Liebe

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TV-TippsMit Filmen wie »Die Spielwütigen«, »Black Box BRD« oder auch der aktuelle »Beuys« hat Andres Veiel Wegmarken des dokumentarischen Films gesetzt. Dass wir auch - obwohl ein Spielfilm - seinen »Wer wenn nicht wir« hinzurechnen, ist kein Genrebruch. Ganz bewusst wählte Veiel für diese bei der 61. Berlinale 2011 erstmals gezeigte Inszenierung das Stilmittel der Fiktion. Über Chancen, Risiken und Wirkung sprach er erst kürzlich für ein Buchprojekt mit unserer Redaktion. Der rbb zeigt Veiels über zwei Stunden langes Drama, eine Art Kammerspiel mit im Vorhinein bekanntem Ende, am heutigen Donnerstagabend.

Foto: Szene aus »Wer wenn nicht wir« © zero one film

Foto: Szene aus »Wer wenn nicht wir« © zero one film

 

rbb, 22:45 Uhr: Wer wenn nicht wir

»Das Mittel der Inszenierung im Dokumentarfilm ist verführerisch, produktiv und – heikel. Verführerisch und produktiv deshalb, weil mit ihrer Hilfe Erzählung sichtbar gemacht werden kann, die die reine Beobachtung oder eine Gesprächssituation so nicht hergeben.« Das Zitat stammt von Andres Veiel aus einem Interview, das er im vergangenen Jahr für ein Buch des Hauses des Dokumentarfilms gab. Er hat bei diesen Passagen mit Sicherheit an seinen eigenen Film gedacht; an »Wer wenn nicht wir«, sein über zwei Stunden langes Spielfilmdebüt, das doch so tief im Dokumentarischen verwurzelt ist, dass manche Kritiker es als den besten Film über die Rote Armee Fraktion bezeichneten.

Wie kaum ein anderer deutscher Filmemacher kann der Dokumentarfilmer Andres Veiel (u.a. »Black Box BRD«) über den Reiz und die Verführung der Inszenierung berichten. Für »Wer wenn nicht wir«, der von der Radikalisierung der späteren ersten Generation der Rote Armee Fraktion handelt, setzte er komplett auf die Inszenierung. In seinem viel beachteten Spielfilm-Debüt, das unter anderem im Wettbewerb der 61. Berlinale lief, verkörperten unter anderem Lena Lauzemis die junge Gudrun Ensslin, August Diehl ihren damaligen Lebensgefährten Bernward Vesper und Alexander Fehling spielt den späteren Terroristen Andreas Baader.

Dass Veiel nun zur Berlinale 2017 mit einem Film zurückkehrt, der sich fast ausschließlich auf Originalquellen (Footage) stützt, diese aber sehr ästhetisch montiert, verfremdet und interpretiert, kann als Ergebnis eines Erfahrungsprozess gewertet werden. Wie sagte er doch gleich: »Heikel wird die Inszenierung dann, wenn diese Glaubwürdigkeit durch mangelnde Transparenz der verwendeten Mittel gefährdet wird.« Und weiter: »Eine Inszenierung mit Schauspielern steht immer in Konkurrenz mit der Kraft und Stärke unmittelbarer dokumentarischer Arbeitsmittel wie der Beobachtung oder einer Gesprächssituation mit dem Protagonisten, der eine Situation aus eigenem Erleben unmittelbar beschreibt. Das zeigt sich vor allem dann, wenn dokumentarische und inszenierte Erzählformen aufeinanderprallen wie beim Dokudrama. Schwächeln die Spielsequenzen, stürzt der Film an diesen Erzählkanten regelmäßig ab.«

Foto: Szene aus »Wer wenn nicht wir« © zero one film

Foto: Szene aus »Wer wenn nicht wir« © zero one film


(Thomas Schneider)

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23. Februar 2017

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