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Meilensteine (2): Gimme Shelter

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Meilensteine (2): Gimme Shelter
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Szene aus Gimme ShelterEs hätte ein netter Konzertfilm mit viel Musik und glücklichen Fans werden können. Doch den Brüdern Albert und David Maysles gelang im Jahre 1970 mit »Gimme Shelter« etwas weit Größeres. Ihre Musikdoku wurde ein besonderes Dokument der Film- und Rockgeschichte - es zeigt, wie sich ein Konzert der Rolling Stones in eine Horrorshow verwandelt. Nach dem Konzert begannen erst die eigentlich wichtigen Aufnahmen. Wir stellen diesen Dokumentarfilm in unserer Reihe »Meilensteine« zu den besten Dokumentarfilmen ausführlich vor.

Ende der sechziger Jahre waren Konzertfilme von Rockbands eine angesagte Sache. Die Dokumentation des Aufeinandertreffens der Stars mit den Massen von Fans war von großem Interesse für die Vertreter der Dokumentarfilm-Bewegung des  Direct cinema. Bei diesen Auftritten konnte beobachtet werden, welche Energien frei wurden, und zu was sie führen konnten. Im besten Falle vielleicht zu einem epochalen Ereignis, denn zugleich befand man sich auf dem Höhepunkt der Hippiebewegung, deren spezielle Form der Selbstdarbietung vor allem über gigantische Freiluft-Festivals funktionierte. Das Monterey International Pop Festival 1967 war bereits legendär und vor allem Woodstock im August 1969 waren die - auch von Dokumentarfilmen aufgezeichneten - Höhepunkte dieser Live-Musik-Ära.

Ein am 6. Dezember 1969 nahe von San Francisco angesetztes Open-Air-Festival, das Altamont Free Concert, sollte zum Westküsten-Woodstock kurz vor Weihnachten werden. Viele namhafte Bands spielten dort, am Abend waren als Höhepunkt die Rolling Stones angekündigt. Zigtausende Fans wurden erwartet, die trotz der bereits frostigen Temperaturen auf den Altamont Speedway pilgerten - einer stillgelegten Teststrecke für Autos, die unterdimensioniert war und vor allem keine Infrastruktur für Konzerte dieser Art aufweisen konnte. Das Konzert der Stones wurde zu der bis dahin dunkelsten Stunden der Open-Air-Ära. Schon am Nachmittag kam es zu Schlägereien zwischen Fans und Mitgliedern der Hells Angels - am Ende wurde nur wenige Meter vor der Bühne, mitten in einem Song der Stones, ein Mann erstochen. Die Maysles-Brüder und ihre Co-Autorin Charlotte Zwerin dokumentierten dies in ihrem Film »Gimme Shelter« - dabei nutzten sie ein einfaches, aber effektives Stilmittel aus der filmischen Trickkiste: den Film im Film.

Zunächst beginnt der Film so, wie man es erwarten darf: er zeigt die Stones bei einem ihrer vielen Live-Auftritte. Doch bereits in den ersten Minuten wird klar, dass das Gezeigte längst Vergangenheit ist und der eigentliche Film einige Wochen später stattfindet. Er spielt im Schneideraum und er zeigt die beiden Musiker Mick Jagger und  Charlie Watts, wie sie sich Aufnahmen des Konzertes anschauen. Sie sind emotional sehr reserviert, nahezu geknickt. Noch weiß der Zuschauer nicht, was hierfür die Ursache sein könnte, denn zugleich folgen die Maysles der Dramaturgie des Konzertes und zeigen die Vorarbeiten. Dann eröffnen sie eine dritte Erzähllinie: Aus dem Radio hören die Stones im Schneideraum eine Radiosendung mit, die sich ebenfalls mit dem Konzert beschäftigt. Mit dem Konzert und seinen Folgen - und ein Anrufer, ein Hells Angel, gibt den Stones die Schuld an dem Geschehenen.


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28. April 2017

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