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Online-Tipp: Terror von rechts

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MediathekEs seien keine Terroristen, sondern allenfalls »Suffköpfe« und »Waffennarren«, heißt es immer wieder, wenn von den Tätern, von denen rechte Gewalt ausgeht, die Rede ist. Thomas Reutter hat für den SWR-Dokumentarfilm »Terror von rechts« (Erstausstrahlung am 7. März 2016 im Ersten) etliche Fälle rechter Gewalt und ihre teils harmlosen juristischen Folgen aufgearbeitet. Seine These: es sind mehr als nur Einzeltäter, es manifestiert sich ein neues terroristisches Netzwerk unter Ausländerfeinden und Neonazis. Der Film ist als Videostream für ein Jahr in der Mediathek von Das Erste abrufbar.

Foto: Szene aus »Terror von rechts« © SWR

Foto: Szene aus »Terror von rechts« © SWR

»Die ganze Härte des Rechtsstaats«, sagt die Staatssekretärin aus dem Bundesinnenministerium in die Kamera, müssten rechte Waffenbastler, Neonazis und Brandstifter spüren. Auch der Vizekanzler fordert sie - die ganze Härte. Ein politisch motiviertes Wortinstrument, das vor allem beruhigen soll. Gibt es zur Härte des Gesetzes überhaupt eine Abstufung oder Steigerung? Eine halbe Härte, eine ganze Härte?

Die Realität in einem seit Monaten durch menschenfeindliche Demonstrationen und rassistisch motivierten Anschläge verunsicherten Deutschland sieht größtenteils anders aus. Thomas Reutter schildert das in seinem Dokumentarfilm »Terror von rechts - Die neue Bedrohung« mit drastischen Beispielen. Es ist nicht mehr die ganze Härte, die er vorfindet, sondern schon eher eine umfassende Milde, mit denen Polizei und Justiz auf viele rechte Straftaten zu reagieren scheinen. Bewährungsstrafen, Geldstrafen oder gleich vorab die Niederschlagung der Anklage. In vielen Fällen bleiben Brandanschläge und andere schwer kriminelle Taten unbestraft.

Reutters Film geht vor allem der Frage nach, ob da nach dem NSU nicht längst wieder ein zwar oft lokal agierendes, aber überregional organisiertes Netzwerk aus rechten Terroristen entsteht. Dabei kommen erstaunliche Einblicke und Aussagen zustande. Von »Progromstimmung« berichtet ein Leipziger Polizeiverantwortlicher, während anderswo die Polizei beim Fund eines riesigen Waffenlagers bei bestem Willen nicht erkennen kann, dass »der Waffennarr« da eventuell eine Bombe bauen hätte wollen. Das eine Auge soll hinsehen, das andere will wegschauen.

Staatssekretärin Emily Haber, die als Kronzeugin des Staates versucht, im Interview, das sich durch den ganzen Film zieht, die eigene Haltung und die des Staates zu bewahren, muss am Ende vor den Fakten kapitulieren. Das verstehe sie nicht, dass ein Fund von 1,5 Kilogram TNT nicht den Verdacht erweckt habe, dass hier jemand eine Bombe habe bauen will. Zumal der Betreffende ein bekannter Neonazi sei. Dann ist leider ihre Zeit zu Ende.

Die Termine, die Termine! Das ist jetzt aber schon die volle Härte des Kalenders, die da zu spüren ist.

(Thomas Schneider) 

Terror von rechts - Die neue Bedrohung

» Abrufen als Videostream aus der Mediathek Das Erste (bis 7.2.2017)

Dokumentarfilm, D 2015, 45 Minuten, Regie: Thomas Retter, Produktion: SWR

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Foto: Szene aus »Terror von rechts« © SWR

Foto: Szene aus »Terror von rechts« © SWR

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27. April 2017

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