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Online-Tipp: Kriegsfotografinnen

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MediathekDieser Dokumentarfilm der Freiburger Filmemacherin Sigrid Faltin handelt von fünf Frauen, die von den schlimmsten Kriegen der letzten 100 Jahre berichtete haben. In »Kriegsfotografinnen« - produziert vom SWR für den Arte-Themenabend »Frauenpower - Die stille Revolution« - geht die Autorin der Frage nach, ob des den weiblichen Blick auf den Krieg wirklich gibt. Sie entdeckt dabei bewegende Geschichten. Er st bis 15. MÄrz 2016 in der Arte-Mediathek als Videostream abrufbar.

Foto: Szene aus »Kriegsfotografinnen« © SWR/Camille Lepage

Foto: Szene aus »Kriegsfotografinnen« © SWR/Camille Lepage

Auch wenn Sigrid Faltins Reise für den Film »Kriegsfotografinnen« real bis nach New York und in den Bildern ihrer Protagonistinnen rund um die Welt zu den globalen Brennpunkten der letzten hundert Jahre führt, so muss sie doch zunächst gar nicht weit reisen, um eine große Geschichte zu entdecken. Mitten in Stuttgart steht eine Skulptur, die wie der sie umgebende Platz den Namen Gerda Taro trägt. Der Name ist nicht allen so bekannt wie der berühmte amerikanische Kriegsfotograf Robert Capa - doch Faltin zeigt auf, dass die in Stuttgart geboren Fotografin (ihr bürgerlicher Name war Gerda Pohoryllo) nicht nur bis zu ihrem Tod mit 26 Jahren im Spanischen Bürgerkrieg die Lebensgefährtin von Capa war, sondern auch dessen mindestens ebenbürtige künstlerische Partnerin. Nach Capas Tod, der nach 1945 die berühmte Agentur Magnum gegründet hatte, verschwand Taros Name aus der Geschichtsschreibung. Ihre Arbeiten wurden als die von Capa bezeichnet. Erst in den letzten Jahren hat die Kulturwissenschaft das Vermächtnis von Gerda Taro freigelegt.

Faltin erinnert in ihrem Film an insgesamt fünf Fotografinnen, die ihre Leben riskiert und manche von ihnen auch verloren haben für den Drang, das Grauen des Krieges in Bildern festzuhalten. Von den fünf vorgestellten Frauen kann sie nur die in Paris lebende Christine Spengler aufsuchen, denn selbst die jüngste - die Französin Camille Lepage - ist in Afrika getötet worden. Spengler hat überlebt, aber das, was sie durch den Sucher ihrer Kameras gesehen hat, versucht sie heute mit einem täglichen Strauß Blumen und künstlerischer Nachbearbeitung ihrer Fotos zu verarbeiten. Sie, die nur schwarzweiß fotografiert, nutzt für Übermalungen immer wieder die gleiche Farbe: rot. Die Farbe des Blutes.

Faltin und Spengler betrachten gemeinsam die Arbeiten von Gerda Taro, der Amerikanerin Lee Miller (die Frau, die in Hitlers Badewanne badete), von Alice Schalek, die im ersten Weltkrieg arbeitete, und von Camille Lepage, die anders als die vorigen bereits digital arbeitete. Während die ausgewählten Bilder im Entwicklerbad entstehen, wird Geschichte lebendig, die weniger die Geschichte von Kriegen und Kämpfen ist, als die der Selbstbestimmung der Frauen. Gibt es das weibliche Auge, den weiblichen Blick? Christine Spengler sagt an einer Stelle: »Ich habe den androgynen Blick. Ich sehe weiblich und männchlich gleichzeitig.« Dies ist neben all dem Grauen, was diese Frauen dokumentiert haben, tatsächlich eine starke Botschaft zur »Frauenpower«. Sie haben sich ihren Platz an der Front der Männer - ja, und es war nicht leicht - wortwörtlich erkämpft.

Kriegsfotografinnen

» Videostream in der Arte-Mediathek (bis 15. März 2016)

Dokumentarfilm, D 2016, 52 Minuten, Regie: Sigrid Faltin, Produktion: SWR

(Thomas Schneider)

Foto: Szene aus »Kriegsfotografinnen« © SWR/Gerda Taro

Foto: Szene aus »Kriegsfotografinnen« © SWR/Gerda Taro

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27. April 2017

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