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Neu im Kino: Die Prüfung

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Dokumentarfilme im KinoEine solch ausgelassene Stimmung gab es selten bei einer DOK Premiere – bei der Filmreihe des Haus des Dokumentarfilms und Kinokult im Ludwigsburger Caligari. Rund die Hälfte des Publikums für „Die Prüfung“ von Till Harms waren Studierende der Akademie für Darstellende Kunst Baden-Württemberg von gleich nebenan. Viele von ihnen hatten sich wohl auch an der Schauspielschule in Hannover beworben, die in dem Dokumentarfilm von Till Harms im Mittelpunkt steht.

Foto: Szene aus »Die Prüfung« © Börres Weiffenbach

Foto: Szene aus »Die Prüfung« © Börres Weiffenbach

Kinostart: 19. Mai 2016

Das Publikum der DOK Premiere erkannte eine ganze Reihe von Mitbewerbern wieder – oder auch sich gleich selbst. Auch bei den Prüfern, die in Till Harms Dokumentarfilm »Die Prüfung« auftauchen, ging ein hörbares Raunen durch die Reihen. Der Dokumentarfilm zeigt die Aufnahmeprüfung an der Schauspielschule Hannover. Es sind 687 Bewerber, zehn Plätze sind zu vergeben und neun Prüfer entscheiden, wer angenommen wird. Innerhalb von zehn Tagen wird die Klasse zusammengestellt. Und es ist längst nicht gesagt, dass alle Angenommenen dann auch kommen. Denn viele haben sich an verschiedenen Hochschulen beworben. Die Herausragenden haben meist mehrere Angebote.

Der neue Ansatz von Till Harms war, die Aufnahmeprüfung aus der Perspektive der Prüfungskommission zu erzählen. Dies unterscheidet den Film z.B. von der Langzeitdokumentation »Die Spielwütigen«, den Andres Veiel 2004 drehte. Der Filmemacher (u.a. »Black Box BRD«) begleitet damals eine Gruppe von Schauspielschülern über die gesamte Ausbildung hinweg.

»Die Prüfung« wurde über drei Jahre entwickelt. Zunächst musste die Hochschule überzeugt werden, solche Dreharbeiten überhaupt zuzulassen. Deshalb wurde zunächst einmal der Aufnahmeprozess recherchiert. Im zweiten Jahr gab es Probeaufnahmen, die die Prüfungskommission davon überzeugten, bei dem Projekt mitzumachen. Im dritten Jahr 2013 gab es dann die eigentlichen Aufnahmen für den Film. Gedreht wurde mit drei Kameras, die verschiedene Aufgaben übernahmen. Der Stil war die teilnehmende Beobachtung in der Tradition des Direct Cinema.

Dazu Regisseur Till Harms: »Die Entscheidung, wer einen Studienplatz bekommt und wer nicht, ist letztlich eine Gruppenentscheidung. Und es ist ja auch ein Ensemblefilm. Dabei macht es ja die Qualität der Schule aus, dass es sich bei den Dozenten um so unterschiedliche Charaktere handelt.« Es wurden rund 220 Stunden Material gedreht, was eine große Herausforderung für den Schnitt bedeutete. Es musste ein dramaturgisches Konzept entwickelt und interessante Geschichten gefunden werden. Denn eigentlich ist die Prüfungssituation immer sehr ähnlich. Hinzu kamen Schwierigkeiten mit der Produktionsfirma, die während des Projekts in die Insolvenz ging. Von daher musste an dieser Front eine Lösung gefunden werden, den Film fertig zu stellen.

Geschnittem wurde zunächst entlang der zehn Prüfungstage. Es bleiben die Szenen, in denen etwas Exemplarisches passiert, die aber auch mehrschichtig sind und wo der Funke zwischen Prüfer und Bewerber überspringt. Dies ergab eine Rohfassung von fünf Stunden, die noch einmal auf die endgültigen 96 Minuten kondensiert werden mussten. Der Film lebt von seiner Lebendigkeit und seinem Witz. Die meisten der 30 Bewerberinnen und Bewerber aus der Endrunde haben übrigens einen Platz an einer Schauspielschule zwischen Rostock und Graz bekommen – oder eben in Ludwigsburg.

(Kay Hoffmann)

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26. April 2017

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