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Die Macht der Bilder, die Macht der Worte

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Doku-News

 

Das Stuttgarter Haus des Dokumentarfilms feierte im vergangenen Herbst sein 25-jähriges Bestehen mit einem Film- und Diskussionsabend und einer Buchpräsentation. Zu seinem Geburtstag war das in Europa einmalige Haus, das unter anderem seit mehr als 12 Jahren den Branchentreff Dokville ausrichtet und einzigartige Filmarchive beheimatet, zu Gast bei einer anderen Stuttgarter Kulturinstitution: dem Haus der Geschichte. Dort fand eine Diskussion über die »Die Macht der Bilder, die Macht der Worte« statt. Teilnehmer waren Tagesschau-Chef Dr. Kai Gniffke und Martin Durm, ehemaliger SWR-Nahostkorrespondent, die Kriegsfotografin Ursula Meissner und der Dokumentarfilmer Marcel Mettelsiefen; geleitet wurde die Runde von ARD-Chefredakteur Rainald Becker. Wir haben nun den Mitschnitt der kompletten Diskussionsrunde online gestellt. Die interessante Diskussion gibt es hier zum nachschauen.

Foto: Marcel Mettelsiefen bei »25 Jahre Haus des Dokumentarfilms« @ HDF/Hackenberg

Foto: Marcel Mettelsiefen bei »25 Jahre Haus des Dokumentarfilms« @ HDF/Hackenberg

 

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Rainald Becker, Chefredakteur ARD, leitete gut vorbereitet diese Diskussionsrunde, die sich mit den Fragen beschäftigte, welche Bilder, Informationen und Tonmitschnitte aus Kriegs- und Krisengebieten gesendet werden sollen - und welche Intentionen jeweils damit verknüpft sind. Die Kriegs- und Krisenfotografin Ursula Meissner, einer sehr erfolgreiche Bildjournalistin, die nach eigenen Angaben »bereits 25 Mal allein in Afghanistan« war, stellte sich dabei eindeutig auf die Seite der Aufklärung. Ihre Bilder hätten, wenn sie gut sind, die beabsichtigte Wirkung, über Kriegshandlungen aufzuklären. Allerdings, gestand die Fotografin auf Nachfragen von Rainald Becker zu, müsse die Würde des Menschen stets gewahrt werden. Dies sei in extremen Situationen manchmal schwer auszuhalten. Sie berichtete, dass sie oft Menschen im Anblick des Todes fotografiert habe, aber auch in solchen Momenten auf eine Zustimmung warte, ob sie auf den Auslöser drücken könne. Dass die Kamera auch ein Schutzschild sei gegen die Grausamkeiten, die sie sehe, sagte sie auf die die Frage, wie sie sich vor den Bildern schütze, die man nicht mehr aus dem Kopf bekomme.

Diese Frage bewegte auch die anderen Panelteilnehmer. Marcel Mettelsiefen, ein Filmemacher, berichtete, dass es zum Beispiel in Syrien extrem schwierig gewesen sei, eine objektive Haltung bewahren zu können. Man sei sofort dabei, sich auf eine Seite zu schlagen, obwohl gleichzeitig die Situation undurchschaubar und komplex sei. Radiojournalist Martin Durm berichtete von Momenten, die er bei einem Feature für den SWR in Syrien erlebte, die ihn bis heute verfolgten. Zum Beispiel das Schreien eines Kindes, das von Granatsplittern getroffen worden sei. »Am schlimmsten«, so Durm, »war es, als das Schreien aufhörte und die Skala meines Aufnahmegerätes auf Null ging.« Solche Mitschnitte könne man nicht senden, sagte er.

Was überhaupt kann man senden - auch unter dem Licht von Bild- und Videomanipulationen. Darüber berichtete Dr. Kai Gniffke, Erster Chefredakteur der ARD, und damit auch zuständig für die Nachrichtensendungen im Ersten. Er zeigte zwei Beispiele, bei denen der Faktencheck versuchte und teilweise gelungene Manipulationen aufgedeckt habe. Eine solche Prüfung der zur Sendung anstehenden Inhalte sei aber personal- und damit kostenintensiv.

Im Anschluss an diese Diskussionsrunde wurde Marcel Mettelsiefens Dokumentarfilm »Syrien: Von Aleppo nach Goslar« gezeigt. Darin schildert der international bekannte Filmemacher, wie eine syrische Mutter mit ihren vier Kindern zunächst lange im umkämpften Syrien ausharrt; nach dem Tod des Mannes verlassen alle das Land und schaffen es nach monatelanger Reise, in Goslar zurück ins Leben zu finden. Die Sehnsucht nach der Heimat und nach dem vermutlich ermordeten Vater bleibt.

Für die Dokumentationen »Die Kinder von Aleppo« und »Das Schicksal der Kinder von Aleppo – Neue Heimat Deutschland« hat Marcel Mettelsiefen bereits viele Preise erhalten. Ende 2016 wurde er bei den Rory Peck Awards in London mit dem Preis in der Kategorie »Current Affairs« (»Sony Impact Award«) ausgezeichnet.

(Thomas Schneider)

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28. April 2017

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