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Dokpreis der Berlinale geht an "Ghost Hunting"

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Doku-NewsDen erstmals vergebenen Glashütte Dokumentarfilmpreis der Berlinale geht an »Ghost Hunting« (Istiyad Ashbah, Panorama) des palästinensischen Filmemachers Raed Andoni. Der Preis ist mit 50.000 Euro dotiert. Insgesamt waren 16 Filme aus allen Sektionen der Berlinale für diesen Preis nominiert. Am Ende gewann ein Film, der den Gruppenprozess bei der Verarbeitung von erlebter Gewalt thematisiert und nicht die Gewalt selbst. Eine Stärke des Filmes ist seine psychologische Sicht auf die Veränderungen, die politische Gewalt in privaten Leben anrichtet.

Foto: Szene aus »Ghost Hunting« © Les Films de Zayna, Arte France, Dar Films , Akka Films

Foto: Szene aus »Ghost Hunting« © Les Films de Zayna, Arte France, Dar Films , Akka Films

In »Ghost Hunting« geht um die Erfahrung von Gefängnis und Folter von Palästinensern in israelischen Gefängnissen. Per Zeitungsanzeige sucht er, der selbst im Gefängnis saß, ein Dutzend Betroffene und bringt wie zu einem Theaterworkshop zusammen. Oft haben sie sie die Örtlichkeiten nicht sehen können, da sie einen Sack über den Kopf bekamen, sobald sie aus der Zelle geführt wurden. Aus ihrer Erinnerung bauen sie zusammen das Gefängnis, ihre Zellen und die Folterkammern nach.

Im Mittelpunkt des Films stehen nicht die Folterungen, sondern der Gruppenprozess, was diese Demütigungen für sie bedeutet haben. In Rollenspielen werden einzelne Vorfälle nachgespielt, kommen Erinnerungen hoch. Einige gehen in ihrer Rolle völlig auf. Dies löst bei einigen die Aufarbeitung der Geschehnisse aus, über die sie jahrlang geschwiegen haben. Die Stärke des Films, der von seinem Ansatz an »The Act of Killing« von Joshua Oppenheimer erinnert, ist zum einen der psychologische Prozess, den die Beteiligten durchlaufen. Sie sind keine Opfer, sondern Überlebende, wie der Regisseur betont. Ihr Überleben hing auch davon ab, dass sie sich im Gefängnis als Gruppe unterstützen, ihre Scherze machten und sich durch ihre Solidarität gegenseitig stärkten. Dies wird deutlich, wenn eine Gruppe in der Folterkammer anfängt zu singen und die beiden Wächter sie nicht stoppen können.

Stilistisch ist »Ghost Hunting« eine interessante Mischung aus dokumentarischen und inszenierten Situationen sowie Animationen, die zum Teil mit Realaufnahmen verknüpft werden. Der Film dient fast schon als Therapie und die Dreharbeiten wurden psychlogisch begleitet

(Kay Hoffmann)

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<p><img src="images/stories/filmbilder/ghost_hunting_1_900px.jpg" width="450" height="270" alt="Foto: Szene aus »Ghost Hunting« © Les Films de Zayna, Arte France, Dar Films , Akka Films" style="margin-right: 230px; margin-bottom: 10px; margin-left: 0px; float: left;" /></p> <p><span style="font-size: 8pt;">Foto: Szene aus »Ghost Hunting« © Les Films de Zayna, Arte France, Dar Films , Akka Films</span></p>

Foto: Szene aus »Ghost Hunting« © Les Films de Zayna, Arte France, Dar Films , Akka Films

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27. April 2017

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