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Buchtipp: Große Bilder mit kleinen Kameras

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Flip-Kamera im EinsatzSie sind klein, leicht, praktisch und bei immer mehr Dokumentarfilmern sehr beliebt: Die Rede ist von kleinen Kameras (im Bild: die Ultra Flip HD). Die DV-Technik ermöglicht heute kosten- und materialsparende Recherche- und Dreharbeiten. Doch wie wirken sich die Consumermodelle auf Form und Inhalte der Filme aus? Ist die Technik vielleicht sogar weniger bestimmend, als es immer wieder beschworen wird? Dieser Frage ist Buchautor Jürgen K. Müller nachgegangen: "Große Bilder mit kleinen Kameras" ist ein Versuch, die Sichtweisen zu klären.

Sönke Wortmanns „Deutschland – Ein Sommermärchen“: einer von vielen erfolgreichen Dokumentarfilmen, die mit DV-Equipment gedreht wurden. Das günstige Consumer-Format „Mini DV“ kam Mitte der 1990er Jahre auf den Markt und wurde bald von Profis aus der TV- und Filmbranche genutzt. Viele Dokumentarfilmer schätzen die handliche, unaufdringliche Technik. Oft setzten sie die günstigen DV-Kameras, die sie oft selbst anschaffen, spontan für Dreharbeiten ein, ohne langwierige Entscheidungsprozesse der Filmförderungen abzuwarten. Die digitale Postproduktion ermöglicht es, Filme schnell und billig zu produzieren.

Jürgen K. Müller analysiert in GROSSE BILDER MIT KLEINEN KAMERAS, wie die DV-Technik die Dokumentarfilmszene bereichert hat – sowohl inhaltlich als auch ästhetisch. Die scheinbar unprofessionellen Handkameras ermöglichten viele herausragende Filme, die mit grosser Profi-Ausrüstung nicht realisierbar gewesen wären: das private Videotagebuch über den Schlaganfall des Lebenspartners („Am seidenen Faden“); die Langzeitdoku über eine iranische Familie im Exil („Exile Family Movie“); das schockierende Filmdokument über Kindersoldaten in Uganda, das mit einer vermeintlichen Touristenkamera gedreht wurde („Lost Children“). Dabei wählt er gezielt Filme als Beispiele aus, die auf wichtigen deutschen Dokumentarfilmfestivals (Leipzig, Duisburg, München) gezeigt wurden und dort zum Teil auch mit Preisen ausgezeichnet wurden. Er erläutert Aspekte der Renaissance des Dokumentarfilms im Kino, die seit zehn Jahren zu beobachten ist.

Cover zu Grosse Bilder mit kleinen KamerasDie besondere Qualität des Buches ist, dass Jürgen K. Müller zugleich eine Geschichte der kleinen mobilen Handkamera nachzeichnet von den Anfängen in den 1920er Jahren bis zur digitalen Gegenwart. Die mit DV-Kameras produzierten Filme vergleicht er gezielt mit anderen Produktionen, die mit Digi-Beta („Die Spielwütigen“) oder 16 mm („Castells“) gedreht wurden. Ein Ergebnis ist, dass Nähe zu den Protagonisten nicht unbedingt etwas mit der Technik zu tun haben muss. Das Buch ist wichtig für alle Film- und Medienwissenschaftler und wird auch für Kameraleute oder RegisseurInnen wichtige Anregungen liefern zum Einsatz von Kameras im dokumentarischen Film und dessen visueller Gestaltung.

(Kay Hoffmann / Foto: Schneider)


Große Bilder mit kleinen Kameras
DV-Camcorder im Dokumentarfilm
Jürgen K. Müller
Band 24 der Reihe Close Up
UVK Verlag, Konstanz 2011
312 Seiten, zahlreiche Abbildungen
ISBN 978-3-86764-298-9
Preis: 26,00 Euro
Mehr Infos unter www.uvk.de


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28. April 2017

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