Neue Dokus – Kinostarts im April

Im April 2025 laufen vom 01.04. – 10.04 sieben Dokumentarfilme im Kino an: LESVIA, SEVENTEEN [RIGHT HERE] WORLD TOUR IN CINEMAS, WALK DON’T WALK, PANDORAS VERMÄCHTNIS, ICH WILL ALLES – HILDEGARD KNEF, ICE AGED und SIAM DIARY – EIN FILM ÜBER DAS REISEN.

Regie: Tzeli Hadjidimitriou

Kinostart: 1.4.25

Die Regisseurin, selbst auf der griechischen Insel Lesbos geboren, porträtiert lesbische Besucher:innen und Bewohner:innen des Ortes Eressos. Sie verknüpft ihre eigene Geschichte mit dem Ort und der dortigen lesbischen Community, greift dabei auf ein eigenes Foto- und Video-Archiv zu. Eressos erscheint in ihrer Perspektive als Sehnsuchtsort: Strandpartys, Relaxen, Sonne und Sex am Strand genießen. Für die Ortsansässigen gestaltet sich der Alltag anders. Sie haben ihre eigene Sicht auf die Dinge und die Veränderungen, die von außen an ihrer Gemeinschaft gestellt werden. So entsteht ein gleichermaßen parteiisch engagiertes wie ambivalentes Bild, in dem immer auch die autobiografische Perspektive aufgehoben ist.

Credits: „Lesvia“. Dokumentarfilm von Tzeli Hadjidimitriou. Drehbuch: Tzeli Hadjidimitriou Kamera: Tzeli Hadjidimitriou. Schnitt: Panagiotis Gakis und Iva Radivojevic.								

Regie: Yoondong Oh

Kinostart: 2.4.25

Am 12. Oktober vergangen Jahres startete die koreanische Boygroup „Seventeen“ zu ihrer vierten Welttournee. Hip-Hop Dynamik, glamouröse Performances, also K-Pop Gesang pur: ein Musikstil, der Elemente verschiedener Genres wie Pop, Hip-Hop, R&B und elektronischer Musik mixt. Das spektakuläre Auftaktkonzert aus dem Goyang Stadium in Südkorea ist mit diesem Film auf der großen Leinwand hautnah mitzuerleben.

Credits: „SEVENTEEN [RIGHT HERE] WORLD TOUR IN CINEMAS“. 

Regie: Thomas Struck

Kinostart: 3.4.25

Manhattan. Immer in Betrieb. Thomas Struck betrachtet die Stadt aus ungewöhnlicher Perspektive, nicht von oben, nicht auf Augenhöhe, sondern gleichsam von unten. Blickt auf Beine und Füße, die kräftig ausschreiten, gemächlich dahingehen, tänzeln, laufen, stolpern. Eine Sinfonie sehr eigener Bewegungen, rhythmisiert vom Klarinettisten Don Byron. Manchmal geht ein Schritt zu weit. Die Sexmagazin-Redakteurin Dian Hanson erklärt, wie und warum. Struck gelingt ein dokumentarisches Experiment. Entstanden vor 9/11, ist der Film eine Wiederbegegnung mit einer leichtfüßigen und manchmal schwergängigen Stadt.

Credits: „Walk Don't Walk“. Dokumentarfilm von Thomas Struck. Drehbuch: Thomas Struck. Kamera: Thomas Struck. Schnitt: Michelle Barbin. Eine Produktion von Peter Stockhaus Filmproduktion GmbH (Hamburg). In Zusammenarbeit mit Norddeutscher Rundfunk (NDR) (Hamburg) und Arte G.E.I.E. (Straßburg). Im Verleih bei Real Fiction Filmverleih (Köln).

Regie: Angela Christlieb

Kinostart: 3.4.25

Daniel Kehlmanns Roman „Lichtspiel“ fiktionalisierte und literarisierte – auf zum Teil verquere und darum umstrittene Weise – Biografie und Werk des Regisseurs Georg Wilhelm Pabst. Akzentuierte – ganz in der Eigenständigkeit eines Romanciers – die persönlichen und politischen Ambivalenzen des Regisseurs, der in der Weimarer Republik als Linker galt und der – persönlichen Umständen geschuldet – den Weg ins amerikanische Exil abbrach und im nationalsozialistischen Deutschland blieb. Ein Schatten auf der Biografie. Angela Christlieb zeichnet mit anderer Intention und mit Zugriff auf persönliche Familiendokumente, besonders das Tagebuch von Pabsts Frau Trude, und in Gesprächen mit Mitgliedern der Familie, die mit dem emotionalen Erbe der Großeltern zu Geschlecht, Macht und Liebe hadern, das Leben von GWP nach. Entstanden ist so ein vielschichtiges, schillerndes, auch widersprüchliches wie eindeutiges Bild einer Künstlerpersönlichkeit, politischen Visionen offen gegenüber und dennoch beharrend in einer patriarchalen Haltung im Privaten.

Credits: „Pandoras Vermächtnis“. Dokumentarfilm von Angela Christlieb. Drehbuch: Angela Christlieb. Kamera: Max Berner, Martin Putz. Schnitt: Angela Christlieb, Sebastian Schreiner. Eine Produktion von Amour Fou Vienna.

Regie: Luzia Schmid

Kinostart: 3.4.25

Ein Leben wie eine Achterbahnfahrt. Hildegard Knef: Weltstar, Stilikone, Grande Dame des Chansons, Diva. Spiegel und Gegenfigur ihrer Zeit. Verehrt als Inkarnation eines emanzipierten Frauentyps und verschrien als „nationale Schande“. Auf internationale Triumphe folgten Abstürze ins Nirgendwo. Doch stand sie immer wieder auf. Erfand sich neu. Ein Leben im Spot der Öffentlichkeit, denn die Öffentlichkeit, so sagte sie einmal, sei ihr Beruf. Christoph Schlingensief nannte sie „Deutschlandmutter“. Luzia Schmid entwirft ein scharfes Porträt der Schauspielerin, Sängerin, Schriftstellerin, der Lebenskranken und Heimatlosen. Alles in allem, noch einmal Schlingensief: „Deutschlands glücklichste Tragödie“.

Credits: „Ich will alles. Hildegard Knef“. Dokumentarfilm von Luzia Schmid. Drehbuch: Luzia Schmid. Kamera: Hajo Schomerus. Schnitt: Yana Höhnerbach. Eine Produktion von zero one film GmbH (Berlin). Redaktion: Rolf Bergmann (RBB). In Zusammenarbeit mit: Rundfunk Berlin-Brandenburg (RBB) (Berlin + Potsdam). Im Verleih bei Piffl Medien GmbH (Berlin).

Regie: Alexandra Sell

Kinostart: 10.4.25

„Träume, die nicht vergehen in der Kälte – und schweben übers Eis.“ Es war einmal und es sind in der Gegenwart ihrer Träume: Linda, dreifache britische Paarlaufmeisterin im Eiskunstlauf, deren Karriere platzte und die mit der Gefängniswärterin Nadia und David, einem Schaffner der London Underground, noch einmal übers Eis tanzen will; und die Holländerin Toos, die aufs Eis wollte, aber nicht durfte; und Elena, das unentdeckte Eislaufwunderkind aus dem hintersten Winkel der Sowjetunion; und Roland, der seine kindliche Schlittschuhsehnsucht für den Ernst des Lebens aufgeben musste. Sie alle, mittlerweile über sechzig Jahre alt, wollen mit Pirouetten und Axel, Salchow und Cherry-Flip auf der ersten Weltmeisterschaft der Eiskunstlauf-Amateure endlich auf dem Eis tanzen und möglichst aufs Siegertreppchen springen. Alexandra Sell verfolgt mit der Kamera, die wie auf Kufen ihren Protagonist:innen folgt, die Lebensgeschichten der Sechs. Lässt ihnen Raum fürs Erzählen, fürs Schmelzen vom Glück und dem Füllen unerfüllter Fantasien. Sanft mischt sie sich mit märchenhaftem Tonfall in die plaudernden Erinnerungen. Denn „manchmal sind Träume größer als das Leben erlaubt“.

Credits: „Iced Aged“. Dokumentarfilm von Alexandra Sell. Drehbuch: Alexandra Sell. Kamera: Martin Farkas. Schnitt: Sven Kulik. Eine Produktion von It Works! Medien GmbH (Berlin). Redaktionen: Petra Felber (BR), Fatima Abdollahyan (BR), Monika Lobkowicz (BR / Arte), Jens Stubenrauch (RBB). In Zusammenarbeit mit: Bayerischer Rundfunk (BR) (München) und Rundfunk Berlin-Brandenburg (RBB) (Berlin + Potsdam). Im Verleih bei Majestic Filmverleih GmbH (Berlin).

Regie: Walter Größbauer

Kinostart: 10.4.25

Ein persönliches Reisetagebuch. Fernes und Unbekanntes, Staunen, Begegnungen, Reflexionen. Was heißt es ‚unterwegs zu sein‘? Welche Freiheiten ermöglicht das Reisen, welche Begrenzungen sind einzuhalten? Grössbauer rückt das Ferne nah, ohne dass die Nähe das Ferne zerstört.

Credits: „Siam Diary - Ein Film über das Reisen“. Dokumentarfilm von Walter Größbauer. Drehbuch: Walter Größbauer. Kamera: Walter Größbauer. Schnitt: Walter Größbauer. Eine Produktion von Fortuna Media. Im Verleih bei Fortuna Media.

Beiträge zu den Dokus, die im März im Kino angelaufen sind, finden Sie hier: 

→ zu den Kinostarts vom 6. und 13. März

→ zu den Kinostarts vom 18., 19., 20. und 27. März

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Picture of Wolfgang Jacobsen
Wolfgang Jacobsen, geboren 1953 in Lübeck, bis 2019 Leiter Forschung und Publikationen an der Deutschen Kinemathek. Autor und Herausgeber zahlreicher Bücher zur deutschen und internationalen Filmgeschichte. Arbeiten für Hörfunk und Fernsehen, schreibt über Film und Literatur. Lebt als freier Autor in Berlin.
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