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DOK Premiere „Space Dogs“ in Ludwigsburg und Stuttgart

Der Auftakt der DOK Premiere im Delphi Arthaus Kino Stuttgart war ein voller Erfolg! Unter Corona-Bedingungen wurde „Space Dogs“ hier am 21.10.2020 vor ausverkauftem Haus gezeigt. Tags zuvor gab es bereits zwei gut besuchte Vorstellungen in Ludwigsburg.

DOK Premiere ab sofort auch in Stuttgart zu Hause

Kinobetreiber Peter Erasmus und Ulrike Becker, Geschäftsführerin vom Haus des Dokumentarfilms, begrüßten das Publikum und die Tatsache, dass nach zehn sehr erfolgreichen Jahren im Caligari Kino in Ludwigsburg die DOK Premieren nun in beiden Städten stattfinden werden. Kurator Goggo Gensch betonte, wie wichtig solche Veranstaltungen gerade jetzt seien und dass die Kinos jede Unterstützung benötigen würden. 

Am Tag zuvor lief „Space Dogs“ in Ludwigsburg mit zwei fast ausverkauften Vorführungen. Wegen einer Verlegung ihres Fluges konnte Elsa Kremser bei der ersten Vorführung nicht wie geplant zum Filmgespräch vor Ort sein. Dafür wurde ein aufgezeichnetes Gespräch vom dokKa Festival in Karlsruhe mit Elsa Kremser und Levin Peter eingespielt.

„Space Dogs“: Helden der Straßen und der sowjetischen Raumfahrt

„Space Dogs“ besticht durch seine starken Bilder und seine poetische Kraft. Er lief auf vielen internationalen Festivals und wurde von der Presse als außergewöhnlich, magisch und aufregend bezeichnet. In spektakulären Aufnahmen begleitet der Schweizer Kameramann Yunus Roy ein Rudel von Straßenhunden auf Augenhöhe, das durch Moskau streift.

Kontrastiert werden diese Aufnahmen mit Dokumenten von wissenschaftlichen Experimenten der sowjetischen Raumfahrt. Bis 1966 wurden mindestens 48 Straßenhunde in den Weltraum geschossen, um die sogenannte „Space Race“ gegen die Amerikaner zu gewinnen. Sie galten als zäher und stressresistenter als andere Tiere. Laika war 1957 die erste Hündin im All – und verglühte. Andere überlebten das Experiment und wurden zu Helden der Raumfahrt. Genau von dieser Reibung zwischen der totalen Freiheit der Straßenhunde und der totalen Kontrolle durch die Wissenschaft lebt „Space Dogs“. Der Dokumentarfilm wird vom russischen Schauspieler Alexey Serebryakov wie ein Märchen erzählt.

Erfolgreiches Regie-Team: Levin Peter und Elsa Kremser

Levin Peter und Elsa Kremser haben an der Filmakademie Baden-Württemberg in Ludwigsburg studiert und gründeten 2016 zusammen die Produktionsfirma Raumzeitfilm in Wien. Im Moment arbeiten sie an ihrem ersten Spielfilmprojekt „Der grüne Wellensittich“. Das Thema Straßenhunde ist als Trilogie angelegt. Der zweite Teil ist bereits abgedreht und soll im nächsten Jahr geschnitten werden. Es wird dann um Menschen und Hunde auf den Straßen Moskaus gehen.

Details der Dreharbeiten zu „Space Dogs“

In den beiden Filmgesprächen mit Kay Hoffmann im Caligari Kino Ludwigsburg und Goggo Gensch im Arthaus Kino Delphi erläuterte Elsa Kremser die Hintergründe des Films. „Wir wollten einen Film machen über ein Rudel Straßenhunde und hatten Bilder im Kopf von Hunde-Silhouetten in Dunkelheit von Geräuschen umgeben. Die Tiere sollten diesen Film bestimmen. Wir wollten die Perspektive auf Tiere im Kino verändern“, fasste Elsa Kremser den Anfang zusammen. Als sie herausfanden, dass Laika eine Straßenhündin aus Moskau war und es die Legende gibt, dass ihr Geist in den heutigen Hunden weiterlebt, war der Drehort Moskau klar.

Im Einsatz: die kompakte ARRI ALEXA Mini Kamera

Eine große Herausforderung war es, eine Kamera zu finden, die mobil ist und selbst in der Nacht große Kinobilder liefern konnte. Kamera Rigs schieden aus, da die Vorbereitung für einen Einsatz zu lange gedauert hätte. Schließlich fiel die Wahl auf die Alexa Mini von Arri. Die Münchner unterstützte sie auch hinsichtlich der Dreharbeiten. Der Kameramann nutzte die kompakte digitale 35-mm-Filmkamera als Handkamera mit Stabilisator und verfolgte die Hunde zum Teil mehrere Stunden am Stück aus der Hand. Dafür hatte er Monate lang trainiert. „Körperlich war das eine wahnsinnige Herausforderung, die Kamera zu kontrollieren, trotz der Spontanität, und die langen Gänge bis zu vier Stunden Dauer“, lobt Elsa Kremser seine Bildgestaltung. Insgesamt wurde in unterschiedlichen Abschnitten dreizehn Wochen lang gedreht, wobei im Film nur Material aus den letzten fünf Wochen genutzt wurde.

Team wurde Teil des Rudels

Die Hunde mussten das fünfköpfige Team erst einmal als ständigen Begleiter akzeptieren. Da die Dreharbeiten nicht am Stück stattfanden, war die größte Sorge, dass die Hunde beim nächsten Mal verschwunden sein könnten. Deswegen gab es einen Plan B mit einer Gruppe von Obdachlosen, die mit den Straßenhunden zusammenleben. Aus dem Material entsteht der zweite Teil der Film-Trilogie. Gedreht wurde ohne offizielle Drehgenehmigung, da sich das Team nicht Wochen vorher festlegen konnte, wo genau gedreht werden würde. Bei der Moskauer Premiere des Films waren die Zuschauer richtig begeistert, da sie solche Straßenhunde aus ihrem Alltag kennen. Das größte Lob war, das sie vermutet hatten, der Film sei von Russen gedreht worden.

Vertrauen musste erst aufgebaut werden

Das Rudel wurde regelrecht gecastet. Das Team fütterte die Hunde nicht, um eine andere Funktion für die Hunde zu haben. Da Hunde ein bestimmtes Verhalten wie das Beißen in Autokarosserien oft wiederholen, konnte sich der Kameramann gut darauf einstellen und auf die richtigen Momente warten. Der Schockmoment in „Space Dogs“ ist die erfolgreiche Jagd auf eine Katze. Dies veränderte für einen Moment das Verhältnis des Teams zu ihren Helden der Straße und löste immer wieder Diskussionen mit dem Publikum aus.

Sensationelles Archivmaterial und beeindruckende Musik

Eine richtige Herausforderung war es, das historische Archivmaterial über das Training und die Tests mit den Hunden aus den 1950er und 1960er Jahren zu bekommen. Jahrelange Verhandlungen waren dafür nötig. Der beeindruckende Musikscore, der auch auf Vinyl veröffentlicht wurde (u. a. mit dem Herzschlag von Laika als Bonusmaterial), wurde schon in einer frühen Projektphase entworfen und kontinuierlich weiterentwickelt. Vorbild war zum Teil Musik aus SF-Filmen der 1970er und 1980er Jahre.

Kurzum: „Space Dogs“ ist ein beeindruckendes Kinoerlebnis, bei dem die verschiedenen Elemente perfekt zusammenkommen.

(Kay Hoffmann)

Tags: doknews

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