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„Das neue Evangelium“ von Milo Rau: Kinostart online

Bei den Filmfestspielen in Venedig hatte Milo Raus jüngstes Werk „Das neue Evangelium“ Weltpremiere. Für den 17. Dezember 2020 war der deutsche Kinostart geplant. Doch der Lockdown hält an und der Dokumentarfilm startet nun als Video on Demand mit Kinobeteiligung.

Filmstill aus "Das neue Evangelium": Apostel sitzen an einem langen Tisch beim letzten Abendmahl. (c) Fruitmarket Langfilm IIPM Armin Smailovic

Die Kinos sind geschlossen, wann sie wieder öffnen dürfen, ist ungewiss. Nicht nur für Kinobetreiber ist die Covid-19-Pandemie ein quälender GAU, auch viele Filmschaffende hängen mit ihren Produktionen in der Luft. Seit einem dreiviertel Jahr liegen ihre Kinostarts auf Halde, Premieren-Touren wurden storniert.

Filmstill aus "Das neue Evangelium": Apostel auf einem Boot. (c) Fruitmarket Langfilm IIPM Thomas Eirich SchneiderFilmstart von „Das neue Evangelium“ als Kino on Demand

„Der Rückstau an Filmen, die ihre Starttermine verschieben, wird sich weiter verschärfen, auch im nächsten Jahr“, fürchtet Produzent Arne Birkenstock. „Wir müssen davon ausgehen, dass auch nach Aufhebung des Lockdowns aufgrund des dann bestehenden Überangebots größerer und populärerer Filme kaum Kinoslots für Dokumentarfilme verfügbar werden.“ Birkenstock ist mit seiner Firma Fruitmarket deutscher Koproduzent von Milo Rau. „Wir haben uns daher schweren Herzens entschieden, den Filmstart nicht zu verschieben, sondern unseren Film als Kino on Demand beziehungsweise C-VoD an den Start zu bringen.“

Neuinterpretation der Passionsgeschichte mit Geflüchteten

Die Entscheidung schmerzt, denn Milo Raus Filme sind für die große Leinwand geschaffen. Seine cineastische Präsentation des Wirkens und Leidens Christi wurde in Matera in der italienischen Basilikata gedreht, wo schon Pier Paolo Pasolini und Mel Gibson die Kulisse für ihre Jesus-Filme fanden. Rau verknüpft seine Neuinterpretation mit der Situation der afrikanischen Flüchtlinge, die sich in Süditalien für skandalös geringe Tageslöhne als Erntehelfer verdingen. Sein Jesus-Darsteller ist der aus Kamerun stammende Aktivist Yvan Sagnet, der auch im echten Leben gegen die Ausbeutung afrikanischer Arbeiter in der italienischen Agrarindustrie kämpft. Die Apostel werden von authentischen Migranten gespielt, alle Laiendarstellerinnen und -darsteller kommen aus Matera und Umgebung.

Interview mit dem deutschen Koproduzenten Arne Birkenstock

Ein Film, der Missstände aufdeckt und Zuschauer:innen bewegt

Milo Rau gelingt in einer Parallelmontage von Passionsspiel und dokumentarischer Kamera auf Missstände hinzuweisen, deren Nutznießer wir selbst sind und die wir weiter zementieren, solange wir uns nicht für faire Lebensmittelpreise engagieren. Wie sein Dokumentarfilm „Das Kongo Tribunal“ ist auch „Das neue Evangelium“ aufrüttelnd, kraftvoll und von eindringlicher Aktualität. Gleichzeitig verwebt der Regisseur, der derzeit Intendant am Theater von Gent ist, zahlreiche filmgeschichtliche Bezüge in seinen Evangelien-Stoff. So finden sich unter den professionellen Schauspielern seines Films etwa Namen wie Enrique Irazoqui, der bereits bei Pasolini den Jesus spielte, oder Maia Morgenstern, die bei Mel Gibson die Maria Magdalena verkörperte.

Infos zu Kino on Demand:

Kino on Demand – wie geht’s? „Zuschauerinnen und Zuschauer können auf der Filmwebsite ein Kino ihrer Wahl anklicken und dort ein oder mehrere Tickets erwerben“, erklärt Arne Birkenstock. „Sie bekommen einen Zahlencode, der bis Mitte April 2021 gültig ist. Sobald sie den Film starten, haben sie ihn 24 Stunden zur Verfügung. Ein Teil der Einnahmen aus dem online-Screening geht an das Kino, über das man sein Ticket erworben hat.“

 

DAS NEUE EVANGELIUM
Buch & Regie: Milo Rau, Produzenten: Arne Birkenstock, Oliver Zobrist, Sebastian Lemke.
Koproduktion von Fruitmarket, Langfilm & IIPM – International Institute of Political Murder mit SRF Schweizer Radio und Fernsehen / SRG SSR, ZDF in Kooperation mit ARTE.
Unterstützt durch Film- und Medienstiftung NRW, Bundesamt für Kultur (BAK), Zürcher Filmstiftung, DFFF – Deutscher Filmförderfonds, Kanton St. Gallen Kulturförderung / Swisslos, BKM – Die Beauftragte der Bundesregierung für Kultur und Medien, Volkart Stiftung, Suissimage Kulturfond


(Ulrike Becker) 

Tags: Doku Tipps

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