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DVD-Start „Vom Sinn des Ganzen“ über Hans-Peter Dürr

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Der Dokumentarfilm von Claus Biegert über Astrophysiker Hans-Peter Dürr wurde bei absolut Medien online und als DVD veröffentlicht. Dürr kämpfte in den 1970er und 80er Jahren engagiert gegen die Nutzung der Atomenergie und war aktiv in der Friedensbewegung.

„Vom Sinn des Ganzen – Das Netz des Physikers Hans-Peter Dürr" verwebt das Porträt Hans-Peter Dürrs mit der Geschichte der Physik im 20. Jahrhunderts, bis sie ihre Unschuld durch den Bau der Atombombe verlor. Dafür hat er ein Brettspiel gebastelt, auf dem er die wichtigsten Physiker und ihre Verbindungen aufzeigt, wodurch er ein komplexes Thema anschaulich macht.

Kontroversen in der Physik

Hans-Peter Dürr (1929–2014) hat mit vielen von ihnen zusammengearbeitet. Sein Doktorvater in Berkeley war Edward Teller, der Erfinder der Wasserstoffbombe. Sie stritten ein Leben lang. Im Film gibt es ihre Auseinandersetzung im NDR zu Ronald Reagans SDI-Programm (Strategische Verteidigungsinitiative), das in den 1980er Jahren die Militarisierung des Weltraums bedeutete; Teller war daran maßgeblich beteiligt. Werner Heisenberg ernannte Dürr zu seinem Nachfolger als Leiter des Max-Planck-Instituts für Physik.

Beziehung zu anderen Wissenschaftlern

Hannah Arendt ermunterte ihn, als Grenzgänger zu wirken. Josef Rotblat holte ihn an den Tisch seiner legendären Pugwash Konferenzen in Kanada, die mit dem Friedensnobelpreis geehrt wurden. Das wichtige dabei war, eine Plattform zu schaffen, auf der sich die Expert:innen aus verschiedenen Ländern und Lagern austauschen konnten. Einig waren sich beide, dass die Wissenschaft über den eigenen Tellerrand hinausschauen sollte und eine zunehmende Spezialisierung zum Problem wird.

Erkenntnisse eines beweglichen Geists

Hans-Peter Dürr war ein beweglicher Denker und ein Mutmacher. Sehr anschaulich verglich er den Erkenntnisprozess der Wissenschaft mit einem Fischer, der ein Netz mit fünf Zentimeter Abstand verwendet und dann zum Schluss kommt, dass alle Fische in dem Fluss größer als fünf Zentimeter sind. Je engmaschiger das Netz, umso komplexer wird der Erkenntnisprozess. Nach 50 Jahren Forschung zweifelte Dürr die Existenz von Materie überhaupt an und konzentrierte sich auf Beziehungen und das Dazwischen: zwischen den Teilchen, aber auch zwischen Bäumen, Menschen und Weltmächten – was ihm auch Kritik einbrachte.

Zum Umgang mit der Natur

Dürr war davon überzeugt, dass die Welt veränderbar ist und mischte sich ein. Dafür erhielt er den Alternativen Nobelpreis. Wie sein Testament erscheint das Potsdamer Manifest, das den Frieden mit der Erde fordert: „Wir müssen die Natur nicht als unseren Feind betrachten, den es zu beherrschen und überwinden gilt, sondern wieder lernen, mit der Natur zu kooperieren. Sie hat viereinhalb Milliarden lange Erfahrung. Unsere ist wesentlich kürzer.“

Wissen anschaulich vermittelt

Claus Biegert spricht für seinen Dokumentarfilm mit Dürrs Frau, vielen Freund:innen und Kolleg:innen. Einige kennt man, aber will man erfahren, wer alle diese Gesprächspartner:innen sind, muss man im Online Booklet nachlesen; im Film werden sie nicht benannt. Auf der Seite gibt es auch weitergehende Text von Hans-Peter Dürr.

„Vom Sinn des Ganzen – Das Netz des Physikers Hans-Peter Dürr" ist ein Film, der viel Wissen vermitteln will und dabei etwas konventionell wirkt. Aber er wird Hans-Peter Dürr und seinem umfangreichen Wirken gerecht. Es gelingt ihm, sich der für viele trockenen Materie der Physik anschaulich zu nähern. Als Bonusfilm gibt es Biegerts Film „Los Alamos. Die Erben der Bombe“ von 2001, der eine wichtige Ergänzung ist.

(Kay Hoffmann)


VOM SINN DES GANZEN - DAS NETZ DES PHYSIKERS HANS-PETER DÜRR. Ein Film von Claus Biegert
DVD, 103 Min. Zuschaltbare englische, portugiesische und japanische Untertitel
Mit dem Bonusfilm: LOS ALAMOS - DIE ERBEN DER BOMBE (56 Min.)

 

 
 
 
 

Tags: doknews

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