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„Die Kunst der Stille“: Kinostart am 5. Mai 2022

Marcel Marceau war der bekannteste Pantomime in der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts. Der Schweizer Filmemacher Maurizius Staerkle Drux enthüllt in seinem Portrait einige Geheimnisse und zeigt, wie Marceau heute weiterwirkt.

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Seine Familie hält Marceaus Erbe lebendig

Das erklärte Ziel von Drux war, kein klassisches Künstlerportrait zu schaffen, sondern gerade auch das Nachwirken dieses Künstlers in den Mittelpunkt zu stellen. Seine dritte Frau Anne Sicco, die seine Schule weiterführt, seine Töchter und auch sein Enkel, der Tänzer werden will, bringen künstlerische Elemente ein und schildern sehr lebendig Details aus dem Leben von Marcel Marceau. In der Inszenierung „Fractales“ von Anne Sicco zeigen drei Generationen der Familie das Erbe Marceaus. Zehn Jahre nach seinem Tod waren sie bereit, das Filmprojekt zu unterstützen und über ihn zu sprechen.

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Daniel und Georges Loinger © W-film / Raphael Beinder (Beauvoir Films) Louis Chevalier & AnneSicco © W-film / Raphael Beinder (Beauvoir Films)

Als Flüchtlingshelfer aktiv

Ein wichtiger Aspekt des Films ist, dass Marcel Marceau – 1923 in Straßburg geboren – als Jude der Verfolgung und Unterdrückung im Nationalsozialismus ausgesetzt war. Sein Vater wurde verhaftet und starb in Auschwitz. Mit seinem Bruder Simon schloss sich Marcel mit 19 Jahren dem französischen Widerstand an. Er fälschte Pässe und half ab 1943, drei große Gruppen von jüdischen Kindern in die Schweiz zu bringen. Die Kinder beruhigte er mit seiner Pantomime und sorgte dafür, dass sie still blieben und nichts verrieten. Diese Situation wird im Film nachinszeniert. Sein Leben, seine Mimik und seine Auftritte wurden ab den 1950er Jahren von diesen biografischen Erlebnissen geprägt.

Einfluss seines Werkes

Marceau machte die Kunst der Pantomime international bekannt, nachdem er zunächst amerikanische Soldaten damit unterhielt. Er war sehr erfolgreich auf Tourneen durch Europa und in den USA. Er hatte Auftritte in Filmen und im Fernsehen. 1978 gründete er seine eigene Schauspielschule in Paris und lehrte neben der Pantomime auch klassisches und experimentelles Schauspiel. Der Amerikaner Rob Mermin war einer seiner Schüler und seit der eigenen Parkinson-Diagnose erforscht er in Workshops, wie man mit Techniken der Pantomime Symptome der Krankheit lindern kann.

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Die Parkinson-Therapiegruppe © W-film / Raphael Beinder (Beauvoir Films) Louis Chevalier in der Tanzgruppe © W-film / Raphael Beinder (Beauvoir Films)

„Die Kunst der Stille“: Reflexion eigener Erfahrungen

Mit „Die Kunst der Stille“ reflektiert der Regisseur Maurizius Staerkle Drux ein Stück weit seine eigene Lebensgeschichte. Sein Vater ist von Geburt an gehörlos und konnte sich vor allem über Mimik und Gestik mit seiner Familie verständigen. Dadurch wurde die visuelle Aufmerksamkeit seines Sohns geschult. Der Vater machte in Paris eine Ausbildung zum Pantomime und tourt damit durch Europa. Er ist Interviewpartner in dem beeindruckenden Dokumentarfilm.

Enge Zusammenarbeit mit dem kleinen Team

Unterstützt wurde Maurizius Staerkle Drux von seinem Kameramann Raphael Beinder, mit dem er schon seinen Dokumentarfilm „Die Böhms – Architektur einer Familie“ realisierte: „Ich schätze seine Erfahrung, die er nicht nur aus dokumentarischen, sondern auch aus fiktionalen Projekten mitbringt. Er hat ein großes Verständnis für die Lichtsetzung, die zentral ist, um beispielsweise die Pantomime cinematografisch zu erfassen“, so der Regisseur. Die Montage des Materials dauerte acht Monate und Editorin Tania Stöcklin gelang es, zusammen mit dem Regisseur, die verschiedenen Erzählstränge perfekt zusammenzuführen. Neben den aktuellen Interviews gibt es zahlreiche historische Filmaufnahmen und Fotos aus den verschiedenen Lebensphasen.

Der Film zeigt, wie man sich im Alltag kulturübergreifend verständigen und so das Werk von Marcel Marceau weiterführen kann. Der Regisseur plant im Moment einen Spielfilm, der gänzlich in der Gehörlosenwelt spielt.


(Kay Hoffmann)

Tags: Kinostarts

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