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Dokfilme beim 19. Indischen Filmfestival Stuttgart

Vom 20. bis 24. Juli 2022 findet das 19. Indische Filmfestival in den Innenstadtkinos Stuttgart statt. Es gehört zu den größten Festivals des indischen Films außerhalb des Subkontinents. Zum Programm gehören auch einige aktuelle Dokumentarfilme, darunter der OSCAR-Anwärter „Writing With Fire“.

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Buntes Festivalprogramm

Insgesamt werden rund 30 Filme gezeigt, die die ganze Bandbreite des indischen Kinos widerspiegeln. „Nach zwei pandemiebedingten Online-Ausgaben freuen wir uns auf die Rückkehr ins Kino. Aber das geschlossene Metropol Kino vermissen wir sehr“, so Festivalleiter Oliver Mahn. Es geht um die Befreiung und das neue Selbstbewusstsein von Frauen, um Konflikte mit Traditionen und ein indisches Remake von Tom Tykwers Klassiker „Lola rennt“. Ein Rap-Musical fehlt ebenso wenig wie gefühlvolle Dramen. Die Kuratorin Uma da Cunha aus Mumbai, die seit Anfang an dabei ist, wird für ihre Verdienste um das Festival und den Aufbau indisch-deutscher Filmbeziehungen mit der Staufermedaille des Landes Baden-Württemberg ausgezeichnet.

„Writing with Fire“: Mediale Aufklärung

„Writing with Fire“ von Rintu Thomas und Sushmit Ghosh war der erste indische Dokumentarfilm, der für einen Oscar in der Kategorie Bester Dokumentarfilm nominiert war. Im Mittelpunkt steht Khabar Lahariya (KL), Indiens einzige digitale Nachrichtenagentur, die von Dalit-Frauen, also Angehörigen der niedrigsten Kaste, geleitet wird. Mit einem Team von 28 professionell ausgebildeten Reporter:innen und der 32-jährigen Meera als Chefreporterin von KL sowie der 20-jährigen Suneeta als einziger Kriminalitätsreporterin in der Region, kämpft die Nachrichtenagentur für unabhängige Stimmen. Ihre Videoreportagen über Korruption, Gewalt gegen Frauen, kaputte Straßen und eine unzureichende öffentliche Gesundheitsversorgung sowie korrupte Verflechtungen zwischen der Bergbaumafia und Politikern wurden immer beliebter und erreichen inzwischen mehr als 150 Millionen Klicks auf YouTube.

 

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Filmstill aus „Writing with Fire“ © Indisches Filmfestival Stuttgart/Writing with Fire

 

Industrielle Bedrohung ist Thema in „Healing Hills“

Um gesellschaftlichen Wandel geht es ebenfalls in „Healing Hills“ von Arvind Gajanan Joshi. Die Hügel um Pune haben nicht nur die Entwicklung des prähistorischen Menschen in dieser Gegend miterlebt, sondern auch das Wachstum der heutigen Metropole. Diese Hügel beherbergen kulturelle Relikte, eine große Artenvielfalt und dichte Wälder, die als Lunge der wachsenden Stadt fungieren. Doch die Hügel sind durch die zunehmende Industrialisierung gefährdet. Der Film erzählt von den Bürgern Punes, die den Wert der Hügel erkannt haben und dafür kämpfen, diese zu erhalten.

Dokumentarfilme widmen sich kulturellen Traditionen

Regisseur Nawab Khan dokumentiert kulturelle Aktivitäten, die unter der Pandemie gelitten haben. In „Barnava Jageer Rajasthan: Eine Reise zum bevölkerungsreichsten Musikerdorf in der Thar-Wüste“ wurden die Musiker im ersten Lockdown arbeitslos. Der Regisseur organisierte speziell für das Stuttgarter Theater am Faden ein Festival mit traditioneller Musik und traditionellen Tänzen in diesem Dorf. Der Film ersetzte die Auftritte und begeisterte die ganze Dorfgemeinschaft. Sein „Raaga Festival im Mehrangarh Fort in Jodhpur“ begleitet das dreitägige Raaga-Festival mit der Kamera. Einige Musiker werden in Stuttgart live auftreten.

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Filmstill aus „Barnava Jageer Rajasthan“ © Indisches Filmfestival Stuttgart/Barnava Jageer Rajasthan

„Tanishka“ von Sudeep Sohni ist den prägenden Jahren im Leben eines Künstlers gewidmet – der Kindheit. Er erforscht die Seele einer Achtjährigen, die Bharatanatyam lernt, einer der acht klassischen Tanzstile in Indien, dessen Wurzeln in der südindischen Tempelkultur liegen. Die Erzählung des Films, die in nicht-linearer Form aufgebaut ist, zeigt ihr tägliches Leben, ihre Umgebung, ihre Reisen und ihre Auftritte.

Corona traf kleine Unternehmen auf der ganzen Welt, so auch Kunsthandwerker in Indien, die sich auf die Herstellung von Idol-Puppen spezialisiert haben. „Mother will arrive“ von Runa Mukherjee Parikh begleitet die Herstellung vom Idol der Muttergöttin, die Hoffnung geben soll.

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Stills aus „Tanishka“ (links) und „Mother will arrive“ (rechts) © Indisches Filmfestival Stuttgart

Überlebenskampf

„Mumbai 40008“ von Santoshee Gulabkali Mishra erzählt eine Geschichte von Verrat, Schmerz und Verzweiflung. Es ist ein aufschlussreicher Dokumentarfilm, der den Überlebenskampf der Sexarbeiter:innen in Asiens ältestem und größtem Bezirk Kamathipura beleuchtet und ihre Tabuisierung in der Gesellschaft.

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Filmstill aus „Mubai 40008“ © Indisches Filmfestival Stuttgart/Mumbai 40008

Zum Indischen Filmfestival Stuttgart

Zur Dokumentarfilmjury gehören die Filmemacherinnen Sabine Willmann und Jannika Quaas sowie der SWR-Redakteur Stephan Zierhut. Tickets, Infos zum Programm und zu den einzelnen Filmen gibt es auf der Webseite des Indischen Filmfestivals.


(Kay Hoffmann)

Tags: doknews

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