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Workshop im HDF: Spektakuläre Bilder, starke Geschichten

Jan und Melanie Haft gehören zu den wichtigsten deutschen Natur- und Tierfilmern. In Zusammenarbeit mit dem NaturVision Filmfestival organisierte das Haus des Dokumentarfilms (HDF) einen eintägigen Workshop mit ihnen, der auf immenses Interesse stieß.

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Natur- und Tierfilme sind Zuschauergaranten im Kino und Fernsehen. Jan und Melanie Haft produzieren für beide Bereiche und auch das Internet. Zusammen realisierten sie große Kinofilme wie „Das grüne Wunder – Unser Wald“ (2012), „Magie der Moore“ (2015), „Die Wiese – Ein Paradies nebenan“ (2019) und „Heimat Natur“ (2020), die erfolgreich im deutschen Kino liefen. Außerdem entstanden rund 70 Natur- und Tierfilme für das öffentlich-rechtliche Fernsehen, die mit über 220 Nominierungen und Preisen auf internationalen Filmfestivals ausgezeichnet wurden.

Im Workshop arbeiteten sie die stilistischen, dramaturgischen, aber auch ökonomischen Unterschiede heraus. Als Gast kam Christian Cools hinzu, der bei Arte für den Sendeplatz „Entdeckung“ zuständig ist. Zuvor hatten Ulrike Becker, Geschäftsführerin des Hauses des Dokumentardfilms, und NaturVision Festivalleiter Ralph Thoms die Gäste begrüßt und dabei durchaus Grundlegendes zum Naturfilm in Deutschland und seiner Entwicklung gesagt. Die Idee zum Workshop, der von der MFG Filmförderung unterstützt wurde, hatte Ulrike Becker schon seit längerem, aber aufgrund der Corona-Pandemie konnte er erstmals in diesem Jahr stattfinden. Eine Vorstellungsrunde zeigte, dass das Publikum aus verschiedenen Bereichen der Film- und Fernsehproduktion stammte. Auch Studierende unterschiedlicher Film- und Medienhochschulen waren unter den Teilnehmenden.

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Begrüßung durch Ulrike Becker (HDF) und Ralph Thoms (NaturVision Filmfestival) © HDF/Salome Hanselmann

Begeisterung für das Thema ist die Grundvoraussetzung

In der gut besetzten Aula der Merzakademie gab Jan Haft einen kurzweiligen Überblick von ihrer Produktionsfirma nautilusfilm GmbH, die seit über 20 Jahren Filme herstellt. Er zeigte auf, wie sich das Genre entwickelt hat und wie durch die Entwicklung von Kamera- und Tontechnik immer neue Bilder und Töne möglich wurden. Um Helikopterflüge zu finanzieren, würden die Aufnahmen für mehrere Produktionen genutzt. Luftschiffe sind auch eine Möglichkeit, allerdings etwas unberechenbar. Ihr wichtigstes Utensil ist eine Aluleiter, um auf Bäume klettern und um Fahraufnahmen machen zu können, ohne Schienen legen zu müssen. „Ich verzichte auf Schwenks und Zoom, da sie nicht natürlich für das menschliche Auge und seine Wahrnehmung sind“, so Jan Haft, der oft auch die Bildgestaltung übernimmt. Mit Minikameras kann man in Absprache mit den Forstbehörden in Nester und Baumhöhlen schauen.

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Jan und Melanie Haft stellten einige ihrer Filme im Workshop genauer vor  © HDF/Salome Hanselmann

Fernsehproduktionen bräuchten große Anker, das heißt große Tiere, an denen man die Geschichte aufhänge. Einige Aufnahmen kann man nur in einer Studiosituation realisieren, wie zum Beispiel aufwändige Zeitraffer oder den Blick in die unterirdischen Gänge von Mäusen. „Jeder Dokumentarfilmer braucht eine Begeisterung für das Thema, um wirklich gut zu sein“, berichtet er beim Workshop über seine Erfahrung. Als erstes Beispiel zeigten sie „Magical Iceland Ambiance Mix“, bei dem Bilder von Island mit Techno Musik von DJ Dominik Eulberg kombiniert wurden, mit dem sie öfters zusammengearbeitet haben. Dies sein ein „Format ohne Aufführungsort“, komme aber in Clubs gut an, erklärten Jan und Melanie Haft.

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Jan und Melanie Haft beim Workshop. Moderiert wurde die Veranstaltung von Kay Hoffmann  © HDF/Salome Hanselmann

Mischfinanzierung sichert Existenz

Melanie Haft erläuterte die ökonomischen Bedingungen ihrer Filme, die zum Teil auch mit der Unterstützung von Filmförderungen und Stiftungen entstanden sind. Sie stellte ernüchternd fest, dass es lange dauere, bis Kinoeinnahmen sie als Produzenten erreicht hätten. Allerdings habe das Kino noch immer eine Lokomotivfunktion für die weitere Vermarktung. Jan Haft ergänzte, dass es die Bedingungen der Filmförderungen mit der exakten Vorplanung schwierig mache, ihre Projekte dort einzureichen. Ihre Bilder wurden dann auch für Stiftungen, Imagefilme und medienpädagogische Projekte im Netz eingesetzt.

Das Konzept für „Die Wiese“ wurde völlig verändert und fast alles neu gedreht, die Postproduktion dauerte 12 Monate. Bei „Das geheime Leben der Bäume“ arbeitete nautilusfilm mit Constantin Film zusammen und lieferte die Naturaufnahmen für den Dokumentarfilm von Jörg Adolph. Der Film über den Förster Peter Wohlleben hatte über 350.000 Besucher:innen im deutschen Kino. Die Vertriebswege haben sich vervielfacht und es ist für nautilusfilm der richtige Weg, sich möglichst breit aufzustellen. „Im Moment herrscht eine gewisse Goldgräberstimmung, die aber mit einem Fragezeichen gesehen werden muss“, stellt Melanie Haft fest. Nur so ist es möglich, das Team von ungefähr einem Dutzend Mitarbeiter:innen das Jahr über fest zu beschäftigen. Dies ermöglicht auch, ohne Zeitdruck Aufnahmen zu machen, die über Wochen gehen.

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 Das Publikum erfuhr viel über die Finanzierung von Dokus und über aktuelle Projekte von nautilusfilm © HDF/Salome Hanselmann

Produktionen mit eigener Handschrift

Am Nachmittag erläuterte „Entdeckung“-Redakteur Christian Cools von Arte sein Konzept für die neue Reihe „Natura Europa“. „Dafür war mir wichtig, wichtige Naturfilmer zu gewinnen, die das Publikum nicht einfach mit schönen Bildern unterhalten wollen, sondern deren filmische Handschrift einen einzigartigen Stil aufweisen“, so Christian Cools beim Workshop. Der Ire John Murray, die Schotten Nigel Pope und Jackie Savery, der Österreicher Michael Schlamberger, der Franzose Thierry Ragobert und Jan Haft trugen alle zu dieser Reihe bei.

„Natura Europa“: Filmschaffende haben freie Themenwahl

Im Workshop zu sehen waren exklusive Ausschnitte aus dem französischen Beitrag „Ein Himmel voller Vögel“ über Zugvögel und aus Jan Hafts „Was ist Wildnis?“. Die Ausstrahlung ist Ende dieses Jahres geplant. Als roter Faden wird es in allen Folgen um die Beziehung des Menschen zur Natur gehen. „Die Autoren hatten dabei völlige Freiheit beim Thema und der stilistischen Umsetzung“, betonte Christian Cools. Allerdings ergeben sich inhaltliche Verbindungen zwischen den Folgen. Arte strahlt pro Jahr etwa 260 Dokumentationen zu den Themen Natur, Tier und Expedition aus. 60 Filme davon sind Erstausstrahlungen, sowohl Ankäufe als auch etwa 25 Dokumentationen, die Christian Cools für Arte G.E.I.E. mit unabhängigen Filmemachern koproduziert. Sein Chef Alexander von Harling von der Hauptabteilung Wissen ergänzte beim Workshop: „Üblicherweise haben wir kaum Presse für die Reihe ‚Entdeckung‘. Aber für ‚Natura Europa‘ erhoffen wir uns eine größere publizistische Aufmerksamkeit“.

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Jan Haft und Christian Cools sprechen über die Reihe „Natura Europa“ © HDF/Salome Hanselmann

Natur im Lebensraum Deutschland

Zum Abschluss des Workshops präsentierten Jan und Melanie Haft ihre Kinoproduktion „Heimat Natur“, der 2021 im deutschen Kino startete. Sie reflektiert die verschiedenen Lebensräume und Landschaften zwischen den Alpen und der Nord- und Ostsee. Zum Film gab es auch ein lesenswertes Buch, in dem Jan Haft ausführlich über seine Motivation spricht, sich intensiv mit Fauna und Flora in Deutschland zu beschäftigen und sie in historische und kulturgeschichtliche Perspektive zu stellen.


(Kay Hoffmann)

Tags: doknews, Veranstaltung

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