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Filmreihe „HFM x Arthaus“: Architektur und Film im Dialog

Das Haus für Film und Medien Stuttgart befindet sich noch in der Planungsphase. Veranstaltungsformate wie die Filmreihe „HFM x Arthaus – Architektur I Film I Dialog“ bieten ab dem 14. September 2022 einen Vorgeschmack auf kommende Angebote.

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Neue Stuttgarter Kulturinstitution

Das Haus für Film und Medien Stuttgart eröffnet der Welt der bewegten Bilder einen offenen Raum und versteht sich nach eigener Aussage als zentralen Ort für die Präsentation, Produktion, Vermittlung und den kritischen Umgang mit der digitalen Medienwelt. Seit Februar 2022 steht fest, welche architektonische Form das Haus nach seiner Fertigstellung im Jahr 2027 haben wird. Bis es so weit ist, haucht der hinter der Institution stehende Verein der Einrichtung mit Pop-up-Veranstaltungen Leben ein. Zu den Vorstandsmitgliedern zählen unter anderem Jens Gutfleisch, Leiter der Film Comission Region Stuttgart sowie Iris Loss, vhs Stuttgart und DOKVILLE-Kuratorin Astrid Beyer vom Haus des Dokumentarfilms.

 

Architektur als Leitmotiv

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Außenperspektive aus dem Leonhardsquartier auf das zukünftige Gebäude
© Delugan Meissl Associated Architects, Wien

Eine davon ist die Filmreihe „HFM x Arthaus – Architektur I Film I Dialog“, die ab dem 14.9.22 an jedem zweiten Mittwoch des Monats stattfindet. Sie bietet verschiedenen Genres eine Plattform: Spiel-, Animations- und nicht zuletzt Dokumentarfilme sind zu sehen. „Wir haben den Begriff ‚Architektur‘ sehr großzügig interpretiert. ‚Architektur‘ ist ja nicht nur Baukunst im strengen Sinn“, erklärt Goggo Gensch . „Sie strukturiert unser Leben in vielen Bereichen. Das sollte sich auch in der Filmauswahl spiegeln.“ Gensch kuratiert mit den Vereinsmitgliedern Barbara Bader, Ulrich Wegenast und Kathrin M. Haag sowie den Leitern des Arthaus Filmtheaters, Peter und Simon Erasmus, das Programm.

 

Eröffnung der Reihe mit „Metropolis“ am 14.9.22

1927 veröffentlichte der deutsch-jüdische Regisseur Fritz Lang sein monumentales Werk „Metropolis“. Darin entwirft er neben einer zukünftigen Gesellschaft auch futuristische Städte, Baustile und Fortbewegungsarten. Bis heute gilt die Produktion als wegweisend für das Science-Fiction-Genre. Der Regisseur war seiner Zeit jedoch weit voraus: Bei seiner Premiere war „Metropolis“ ein Flop. Fast alle Originalkopien wurden zerstört. Bis heute ist der Stummfilmklassiker nicht komplett rekonstruiert.

Mittlerweile gehört er zu den am meisten rezipierten und zitierten Werken der Filmgeschichte. So geschehen im japanischen Remake „Metropolis“, einem Animationsfilm von Rintaro aus dem Jahr 2001. Auch Denis Villeneuves 2017 erschienener „Blade Runner 2049“ spart nicht an Verweisen. Er wird die Reihe am 12. Juli 2023 beschließen.

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Filmstill aus "Metropolis" von Fritz Lang (1927) © HFM Verein

 

Außergewöhnlichen Orte im Fokus

„Wenn Gebäude sprechen könnten, was würden sie erzählen?“, fragt der zweite Titel der Reihe. In dem meditativen Dokumentarfilm „Kathedralen der Kultur“ (2014) sprechen sechs herausragende Bauwerke für sich selbst. Portraitiert werden sie dabei von international renommierten Regisseuren wie Wim Wenders und Michael Glawogger.

Der gleichen Leitfrage folgt auch der essayistische Dokumentarfilm „Zustand und Gelände“ von Ute Adamczewski (2019). Er zeigt unscheinbare Orte, Plätze und Landschaften in Sachsen, die während des Dritten Reichs Räume der Unterdrückung waren und denen man ihre Geschichte heute nicht mehr ansieht. Dazu werden aus dem Off offizielle Dokumente von damals sowie Erinnerungsberichte von Opfern vorgelesen. Für seinen Einsatz im Kampf gegen das Vergessen gewann dieser besondere Geschichtsfilm die Goldene Taube auf der DOK Leipzig 2019. Mit „Die Stadt ohne Juden“ von Hans Karl Breslauer (1924) thematisiert ein weiterer Titel den nicht auszurottenden Antisemitismus.

Architektur ist immer politisch

Der aus den Reihen von Schweizer Aktivist:innen heraus entstandene Dokumentarfilm „Züri brännt“ von 1984 spiegelt den politischen Anspruch von „HFM x Arthaus“ wider. Das mittlerweile ikonisch gewordene Werk dokumentiert mit Häuserkämpfen, Protesten und Demonstrationen die beginnende Autonomiebewegung, nicht nur in Zürich.

In der heutigen Arbeitswelt wünscht man sich häufig ein wenig mehr von dieser Protestkultur: „Work Hard – Play Hard“ von Carmen Losmann (2011) ist ein zutiefst beunruhigender Dokumentarfilm über einen ausufernden Kapitalismus. Angestellte sollen in ihrer Arbeit ihren Lebensinhalt sehen und gleichzeitig hoch mobil sein. Dementsprechend ist in moderne Büroarchitektur förmlich das Ziel eingeschrieben, die Mitarbeiter:innen und ihre Leistung zu optimieren.

 

 

Wie werden wir in Zukunft leben?

Darauf versucht die Kunst- und Architekturschule Bauhaus seit nunmehr einem Jahrhundert handfeste Antworten zu finden. Wie sich die Architekturschule an immer neue Bedingungen und Technologien anpasst, zeigt „Vom Bauen der Zukunft - 100 Jahre Bauhaus“ von Niels-Christian Bolbrinker und Thomas Tielsch (2018). „Infinite Space – Der Architekt John Lautner“ von Murray Grigor (2009) und „Parabeton – Pier Luigi Nervi und Römischer Beton“ von Heinz Emigholz (2012) gehen weiteren Visionären und ihren Gestaltungsentwürfen auf den Grund. „Letztendlich geht es immer darum, wie wir Menschen gedeihlich miteinander leben können“, fasst Gensch das Anliegen der Reihe zusammen.

 

 

Diskussionen erwünscht

Im Anschluss an die Vorführungen sind Gäste aus verschiedenen Sparten geladen, die mit dem Publikum über die Produktionen und die ihnen zugrunde liegenden Themen sprechen. Moderatoren sind Ulrich Wegenast, der ehemalige Programmkoordinator des Internationalen Trickfilm-Festivals Stuttgart, sowie Goggo Gensch, der in Zusammenarbeit mit Kay Hoffmann vom Haus des Dokumentarfilms die Reihe DOK Premiere konzipiert und durchführt.

Die Auftaktveranstaltung mit Fritz Langs „Metropolis“ findet am 14. September 2022 umsonst und draußen statt. Das Open-Air-Kino startet um 20 Uhr an der Ecke Tübinger Straße und Christophstraße (bei Regen im Delphi Kino) in Stuttgart, Einlass ist um 19:30 Uhr. Gezeigt wird die ungekürzte Fassung mit Live-Begleitung durch den Pianisten Uwe Oberg. Alle weiteren Projektionen finden an jedem zweiten Mittwoch im Monat im Atelier am Bollwerk (Hohe Str. 26 in Stuttgart Mitte) statt. Beginn ist jeweils um 20 Uhr.

 

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Filmstill aus "Kathedralen der Kultur von Wim Wenders, Robert Redford, Michael Madsen, Michael Glawogger, Margreth Olin und Karim Aïnouz (2014)  © HFM Verein

 

Termine und Tickets

„Metropolis“ von Fritz Lang (1927)
14.9.22, 19:30 Uhr Einlass, Beginn 20 Uhr, Atelier am Bollwerk (Hohe Str. 26, Stuttgart), Eintritt frei

„Kathedralen der Kultur“ von Wim Wenders, Robert Redford, Michael Madsen, Michael Glawogger, Margreth Olin und Karim Aïnouz (2014)
12.10.22, 20 Uhr, Atelier am Bollwerk (Hohe Str. 26, Stuttgart)

„Die Stadt ohne Juden“ von Hans Karl Breslauer (1924)
9.11.22, 20 Uhr, Atelier am Bollwerk (Hohe Str. 26, Stuttgart)

„Züri brännt“ von diversen Filmschaffenden (1980)
14.12.22, 20 Uhr, Atelier am Bollwerk (Hohe Str. 26, Stuttgart)

„Parabeton – Pier Luigi Nervi und Römischer Beton“ von Heinz Emigholz (2012)
11.1.23, 20 Uhr, Atelier am Bollwerk (Hohe Str. 26, Stuttgart)

„Metropolis“ von Rintaro (2001)
8.2.23, 20 Uhr, Atelier am Bollwerk (Hohe Str. 26, Stuttgart)

„Work Hard – Play Hard“ von Carmen Losmann (2011)
8.3.23, 20 Uhr, Atelier am Bollwerk (Hohe Str. 26, Stuttgart)

„Vom Bauen der Zukunft – 100 Jahre Bauhaus“ von Niels-Christian Bolbrinker, Thomas Tielsch (2018)
12.4.23, 20 Uhr, Atelier am Bollwerk (Hohe Str. 26, Stuttgart)

„Zustand und Gelände“ von Ute Adamczewski (2019)
10.5.23, 20 Uhr, Atelier am Bollwerk (Hohe Str. 26, Stuttgart)

„Infinite Space – Der Architekt John Lautner“ von Murray Grigor (2009)
16.6.23, 20 Uhr, Atelier am Bollwerk (Hohe Str. 26, Stuttgart)

„Blade Runner“ von Denis Villeneuve (2017)
12.7.23, 20 Uhr, Atelier am Bollwerk (Hohe Str. 26, Stuttgart)

Tickets und Reservierung unter www. https://arthaus-kino.de


 (Maggie Schnaudt)

Hinweis: Dieser Artikel wurde am 14.9.2022 aktualisiert hinsichtlich der Location der Eröffnungsveranstaltung. 

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