fbpx

Dokumentarfilm.info aus dem Haus des Dokumentarfilms
DOKUMENTARFILM.INFO - TÄGLICH DAS BESTE VOM DOKUMENTARFILM
facebook logo   twitter logo    instagram logo

Drei außergewöhnliche Dokumentarfilme bei 3sat

In den nächsten Wochen zeigt die 3sat-Redaktion „Dokumentarfilmzeit“ jeweils Montagabend drei aktuelle Produktionen, die mehrfach ausgezeichnet wurden.

Am 2. Dezember um 21.55 Uhr läuft „Weit. Die Geschichte von einem Weg um die Welt“ von Gwendolin Weisser und Patrick Allgaier aus Freiburg. 2017 war er der absolute Überraschungserfolg und hat inzwischen über 500.000 Besucher. So erfolgreich war in den letzten Jahren nur Wim Wenders mit seinem Dokumentarfilm über den Papst. Aber der hatte ganz andere Bedingungen. Denn Gwendolin Weisser und Patrick Allgaier wollten eine Weltreise machen ohne Flugzeug. Um sie zu finanzieren starteten sie eine Crowdfunding Kampagne. Dies ermöglichte ihnen die Reise ohne großes Budget, die sie mit einer Handykamera dokumentierten. "Uns zieht es hinaus. Mit Rucksack, Zelt und nur dem, was wir wirklich brauchen. Und das alles über Land. Nie den Kontakt zur Erde verlieren. Immer Strecke spüren. Über die Meere mit dem Schiff, denn jeden Meter wollen wir mit all unseren Sinnen wahrnehmen, mit Zeit reisen. Wir lernen Grenzen kennen. Wollen lernen, was Verzicht heißt und was Genuss bedeutet." Mit diesen Vorsätzen machten sich die Beiden auf den Weg und versuchten, das in der Montage ihres Films zu vermitteln.

Nach der Reise entstand die Idee, aus dem Material einen Film zu machen. Sie fanden keinen Verleih und brachten den Film „Weit“ dann im Eigenverleih heraus. Nach großen Erfolgen in Freiburg begann die Erfolgsgeschichte in der ganzen Republik. Das Publikum wird in ein anderes Zeitgefühl hineingezogen und erlebt die besondere Aufmerksamkeit für die Details in Natur und Alltag. Weisser und Allgaier ist es gelungen, kulturelle Grenzen und ganz praktische Hindernisse zu überwinden, indem sie den Menschen vertrauten, die ihnen begegneten. Ihr Dokumentarfilm demonstriert Weltoffenheit im besten Sinn. Auch wenn es ein eher kleiner Film ist, traf er den Nerv der Zeit, auszusteigen, sich zu befreien. Die beiden hatten sich einen Traum erfüllt, den viele haben. Nach dem ökonomischen Erfolg im Kino gab es zahlreiche Nachfolger, die Ihre Reisen durch die Welt filmisch dokumentierten, doch keiner konnte solche Besucherzahlen erzielen.


 

Beim SWR Dokufestival 2019 gewannen Jasmine Herold und Michael David Beamish den mit 3.000 Euro dotierten Förderpreis vom Haus des Dokumentarfilms für „Dark Eden – Der Albtraum vom Erdöl“. Auch die beiden sind Nachwuchsfilmer, die ihre ganz persönliche Geschichte erzählen. Der Film wird in 3sat am 9.12.2019 in der „Dokumentarfilmzeit“ ausgestrahlt. Es geht um den kanadischen Ort Fort McMurray, dem weltweit größten Gebiet von Ölsanden, die mit umstrittenen Methoden von der Ölindustrie ausgewertet werden. Dort lebte Jasmine Herold drei Jahre und porträtiert die Menschen, die hauptsächlich durch die gute Bezahlung angelockt werden. Doch der Preis ist hoch: Die aufwändige Gewinnung des Öls aus dem Teersand setzt lebensgefährliche Stoffe frei, die Natur, Tiere und Menschen vergiften.

Robbie Picard kämpft gegen das schlechte Image mit seiner Bewegung „I love Oilsands“. Für ihn sind Klimawandel und der desaströse Abbau alles Falschmeldungen, gegen die er massiv vorgeht. Im Laufe des Films wird allerdings deutlich, welchen gesundheitlichen Schäden die Bevölkerung ausgesetzt ist. Selbst die kanadischen Indianer, die entfernt wohnen, sind davon betroffen, denn die gejagten Tiere haben fast alle Krebs. Auch ihr kanadischer Freund Michael David Beamish, der dort in einem Theater arbeitet, bekommt eine vernichtende Krebsdiagnose, die nach Ansicht der kanadischen Ärzte nicht mehr behandelt werden kann. McMurry ist regelrecht abhängig vom Öl und seinem Preis. Wenn er fällt sind viel Jobs gefährdet. Selbst ein Feuer, das viele Eigenheime zerstört, lässt nur einige an ihrem Leben zweifeln. Es ist eine spannende und bildgewaltige Filmerzählung über unseren Umgang mit der Natur.


 

Der brasilianische Fotograf Sebastião Salgado erhielt in diesem Herbst als erster Fotograf den Friedenspreis des Deutschen Buchhandels. Damit wird sein künstlerisches Werk geehrt, denn seine monumentalen schwarz-weiß Aufnahmen dokumentierten zunächst die Menschen in Kriegen, Katastrophen und dem Elend der Welt. Irgendwann wurde es ihm zu viel und er startete ein Aufforstungsprojekt in Brasilien, dass er dann auch fotografisch dokumentierte. Er ist kein Reporter, sondern ein Fotograf im besten Sinne. Wim Wenders hat ihn und seinen Arbeiten in „Das Salz der Erde“ porträtiert, der am 16.12.2019 auf 3sat laufen wird. Der Dokumentarfilm gewann 2015 den ‚César‘ als bester Dokumentarfilm und im Jahr davor in Cannes den Spezialpreis in der Sektion ‚Un Certain Regard‘; 2015 war er für den Oscar nominiert. Im deutschen Kino sahen ihn über 220.000 Besucherinnen und Besucher. 

Zwei Fotografien, berichtet Wenders gleich zu Beginn des Films habe er vor langer Zeit bei einem Galeristen gekauft, ohne etwas über den Fotografen gewusst zu haben. Mit Sebastião Salgado, dem Fotografen dieser Aufnahmen Freund zu werden, ist nicht ganz so einfach. Er ist ein Beobachter, kein Darsteller; er „malt mit Licht“, wie Wenders es an einer Stelle poetisch formuliert, aber er ist nicht der große Bilderklärer. Man muss ihn entschlüsseln, herauslocken und sein Vertrauen gewinnen, um mehr von Salgado über sich und seine monumentalen Fotografien zu erfahren. Neben seiner empathischen, auf die eigene Erfahrung vertrauenden Beobachtungsgabe verlässt sich Wim Wenders hier auf die Schilderungen von Juliano Ribeiro. Der älteste Sohn Salgados ist Co-Regisseur, Chronist und Erzähler zugleich. Dies ermöglicht dem Film, eine unglaubliche Nähe zu dem Fotografen zu entwickeln und das Schaffen eines Meisters des Lichts besser zu verstehen.


Kay Hoffmann

Tags: DOK...imTV, TV-Tipps

Drucken E-Mail