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Filmfestival online: DOK.fest München @home eröffnet

Die Corona-Krise und die daraus resultierenden Restriktionen verändern auch Festivals fundamental. Nach Festivals für Werbe- und Animationsfilme ist das 35. DOK.fest München das erste der großen und richtungsweisenden Dokfilmfestivals, die sich entschieden haben, komplett online zu gehen.

Programm beim DOK.fest München @home

Da die Kinos im Moment geschlossen sind und größere Veranstaltungen abgesagt werden mussten, sind weit über einhundert Filme aus 42 Ländern nun für deutsche Interessenten des DOK.fest München online zu sehen. Dafür, dass drei Viertel des ursprünglich geplanten Programms digital gezeigt werden kann, mussten vorab viele finanzielle, technische, logistische und vor allem rechtliche Fragen geklärt werden. Die Online-Technik stellt der Kulturserver, der schon jahrzehntelange Erfahrungen mit dem Streamen von Filmen und der Internet-Präsentation von Kulturprojekten hat. Für die Zuschauer*innen gibt es die nächsten zweieinhalb Wochen die Möglichkeit, ein Einzelticket ab 4,50 Euro zu erwerben oder einen Festivalpass für 50 Euro. Ein Teil der daraus erzielten Einnahmen gehen an die geschlossenen Kinos.

Online-Eröffnung aus dem Deutschen Theater München

Gestern Abend wurde die Eröffnung des DOK.fest München @home aus dem Deutschen Theater übertragen, wo auch die eigentliche Eröffnung mit 1500 Gästen geplant war. Dies machte einerseits deutlich, wie sehr das physische Publikum vor Ort fehlt – sicher der größte Einschnitt –, aber gab andererseits auch Raum und konnte als Signal verstanden werden. Man versteckt sich nicht mit der Online-Ausgabe. Es gab elektronische Livemusik vom Duo Joashno und eingespielten Applaus, was für Festival-Atmosphäre sorgte. Moderiert wurde die Veranstaltung mit viel Verve von Christina Wolf aus dem Festivalteam.

Interview mit Festivalleiter Daniel Sponsel

Screenshot: Interview DOK.fest München

Wolf wechselte zwischendurch von der Bühne in den Zuschauerraum und interviewte Festivalleiter Daniel Sponsel. Ein wichtiger Satz von ihm: »Das Wichtigste am Festival sind die Filme – und die haben wir!«. Er dankte seinem engagierten Team und den Filmemachern, die diese digitale Lösung ermöglichten. 

Der Münchener Kulturreferent Anton Biebl wechselte nach einer formellen Begrüßung ebenfalls von der Bühne in den Zuschauerraum, um sich interviewen zu lassen. Die bayerische Digitalministerin Judith Gerlach wurde eingespielt und gratulierte dem Team, dass es ihnen gelungen sei, das Festival in kürzester Zeit auf die Online-Version umzustellen. Insgesamt war die halbstündige Eröffnung kurzweilig, weil nur ausgewählte Angebote des Festivals vorgestellt wurden. 

Fokus auf die Erinnerung: »The Euphoria of Being« als Eröffnungsfilm

Vor dem Eröffnungsfilm »The Euphoria of Being« aus Ungarn wurden die Regisseurin Réka Szabó und ihre Protagonistin Éva Fahiti zusammen interviewt, die als 18-Jährige mit ihrer Familie nach Auschwitz deportiert wurde und als Einzige überlebte. Ganz stark die Szene, wo drei Stolpersteine vor dem Haus ihrer Jugend verlegt werden: Éva strahlte so eine natürliche Lebenskraft aus. 

Zum Tanzprojekt mit ihr, das im Zentrum des Films steht und die bewegende Autobiografie aufgreift, kann man sicherlich unterschiedlicher Meinung sein. Spannend ist die visuelle Vereinigung von Éva und der jungen Tänzerin Emese Cuhorka am Ende. »The Euphoria of Being« war zugleich Auftakt für die diesjährige Filmreihe »DOK.focus lasting memories«, die 75 Jahre nach der Befreiung der Konzentrationslager noch einmal die Erinnerung an den Holocaust in den Mittelpunkt stellt. Insgesamt werden dazu sieben Dokumentarfilme gezeigt.

Bild aus dem Film Euphoria of Being

Dokumentarfilm-Fans sind nun dazu aufgerufen ihre eigenen Entdeckungen im umfangreichen Festivalprogramm zu machen und das erste Doku-Online-Festival in München so zu einem Erfolg zu machen.

(Kay Hoffmann)

Mehr zum DOK.fest München @home


Screenshots der Digital-Eröffnung: Kay Hoffmann / HDF
Filmbilder: PR über das Presseportal DOK.fest München

Tags: doknews, DOKfest München

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