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Musikgeschichte(n): Sektion DOK.music neu beim DOK.fest München

Einen neuen Fokus wirft das DOK.fest München @home auf Musik-Dokus. Die Spannweite von DOK.music reicht von Klassik über folklorefreie Volksmusik bis hin zu Rock und härteren Klängen. Präsentiert wird die mit vielen Premieren gespickte Sektion von Arte.

Bild: Kubanische Metalband Zeus beim Konzert

Allen Filmen bei DOK.music 2020 gemein ist das besondere Augenmerk, das auf die Darstellung einer wie auch immer gearteten künstlerischen Entwicklung gelegt wird. In »Hilary Hahn – Evolution Of An Artist« über die international gefeierte klassische Geigerin spiegelt sich der Ansatz sogar im Titel. Mehr zu den Hintergründen der Produktion gibt es in der Q&A-Session mit Regisseur Benedict Mirow und Hilary Hahn höchstselbst.

 

Musikgeschichte und -geschichten

Die Dokumentation »Once Were Brothers: Robbie Robertson And The Band« von Daniel Roher dreht sich um eine der einflussreichsten Gruppen in den 1960er und 70er Jahren, die seinerzeit mit Bob Dylan auf Tour war. Entsprechend tauchen auch eine Reihe bekannter Namen wie Bruce Springsteen, Eric Clapton und Van Morrison auf, die der Einordnung dienen und der Produktion zusätzlichen Glanz verleihen. 

Die äußerst sehenswerte Produktion »Los Últimos Frikis« punktet weniger durch diese Art Namedropping und musikhistorische Relevanz, sondern setzt vor allem auf ungeschönte Authentizität. Regisseur Nicholas Brennan hat die kubanische Metal-Band Zeus für seinen ersten Langfilm zehn Jahre begleitet.

Als reines Schlaglicht darf der Konzertfilm »Dreiviertelblut – Live im Cirkus Krone« verstanden werden, der während der Dreharbeiten zum Dokumentarfilm »Dreiviertelblut – Weltraumtouristen« entstanden ist und als Weltpremiere beim DOK.fest München @home gezeigt wird. Das Nebenprojekt von Filmkomponist Gerd Baumann und Bananafishbones-Frontmann Sebastian Horn spielt nach eigener Aussage »folklorefreie Volksmusik«, was ein prima Brückenschlag zur Vergabe des Deutschen Dokumentarfilm-Musikpreis ist.

Deutscher Dokumentarfilm-Musikpreis: »Die letzten Österreicher«

Der Deutsche Dokumentarfilm-Musikpreis würdigt die Musik als starkes erzählerisches Element und Bereicherung eines Dokumentarfilms. Beim DOK.fest München @home geht er in diesem Jahr an Klemens Bittmann (Geige und Mandola), Christian Bakanic (Akkordeon) und Christofer Frank (Filmkomponist, Musikproduzent und Sounddesigner) für ihren Beitrag zu »Der letzte Österreicher«. Von der Jury wird dieser als »gelungene Synthese aus zitathaftem Volkston und kraftvoller kompositorischer Energie« gelobt, die sich perfekt ins Bild integriere. Der mit 5.000 Euro dotierte Deutsche Dokumentarfilm-Musikpreis wird von der Versicherungskammer Kulturstiftung gestiftet und vom Förder- und Hilfsfonds des Deutschen Komponistenverbandes DKV unterstützt.

Film-Tipp: »Los Últimos Frikis« über die Metal-Band Zeus

Eine ganz andere musikalische Baustelle beackern Zeus. Die kubanische Band oder überhaupt Metal aus Kuba dürften auch hartgesottene Musikfans hierzulande kaum auf dem Schirm haben. Während der 1980er Jahre in Havanna gegründet, sehen sich die Musiker jahrelang mit den Restriktionen des Castro-Regimes konfrontiert – Frontmann Diony Arce wird sogar sechs Jahre lang ins Gefängnis gesteckt. Warum, das will oder besser darf er im Film nicht sagen. Sehr wohl zur Sprache kommt aber, wie schwierig es war, Heavy Metal während einer Zeit zu machen, als Rockmusik noch als gefährliche »kapitalistische Bedrohung« aus dem Ausland galt und lange Haare durchaus als Zeichen von Systemkritik verstanden werden durften … das gewaltsame Abschneiden der »Freak-Mähne« als eine der noch softeren Reaktionen inklusive.

Bild: Gitarrist der Metalband Zeus beim Üben

Kuba-Tour zum Bandjubiläum läuft anders, als geplant

Anlässlich ihres 25-jährigen Jubiläums gehen Zeus erstmals (!) mit offizieller Genehmigung auf Tour durch das gesamte Land – eine Konzertreise, die allerdings weit weniger positiv ausfällt, als es sich die Band erhofft hatte. Und auch sonst knirscht es im Gebälk, und das nicht nur, als die einzige Rockkonzert-Location in Havanna wortwörtlich in ihre maroden Einzelteile zusammenfällt.

Neben den fast schon obligatorischen Alkohol- und Drogenproblemen ist es vor allem der gesellschaftliche und kulturelle Wandel, der Zeus zu schaffen macht. Denn nicht nur das politische Klima hat sich über die Jahre verändert – die Jugendlichen hören nun lieber Reggaeton als Rock, machen lieber Party als Revolution. Ob und wie es weitergeht für Zeus, lässt »Los Últimos Frikis« offen.

Links zu den Musik-Dokus beim @DOK.fest München @home

(Elisa Reznicek)

Tags: doknews, DOKfest München

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