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DOKfest München: Pitch Award 2020 für Jasmine Alakari

Eine virtuelle Preisverleihung und viel echte Freude – so lässt sich die Bekanntgabe des Pitch Awards 2020 beim DOK.fest München @home umschreiben. Der vom Haus des Dokumentarfilms gestiftete Nachwuchspreis geht in diesem Jahr an Jasmine Alakari.

Man kennt das Phänomen unter dem Schlagwort „Zoombombing“. Unvermittelt und vor allem ungefragt schalten sich fremde Menschen in eine eigentlich geschlossene Videokonferenz ein und sprengen diese. Was sonst mehrheitlich negativ konnotiert ist, hat beim DOKfest München 2020 eine deutlich schönere Ausdeutung erfahren. Denn Jasmine Alakari von der Deutschen Film- und Fernsehakademie Berlin (DFFB) wird inmitten eines eigentlich privaten Videocalls mit ihrer Kamerafrau plötzlich mit einer tollen Nachricht überrascht: Sie ist die diesjährige Preisträgerin des Pitch Awards vom Haus des Dokumentarfilms für ihr Projekt AFTER THE GODS.

Jasmine Alakari bekommt den Pitch Award

„Was? No way. Das ist so cool!“, freut sich die 1991 in Helsinki geborene Wahl-Berlinerin sichtlich verblüfft, als das DOK.fest München plötzlich im Zoom-Meeting zugeschaltet ist. Doch es dauert nicht lange, bis der Gewinn des Pitch Awards tatsächlich in Kopf und Herz angekommen ist. Jasmine Alakari springt von ihrem Stuhl auf und dreht erst einmal jubelnd eine Runde durch ihr Zimmer.

Screenshot Preisverleihung an Jasmine Alakari / Pitch Award

„Das ist einfach großartig – schon, dass wir überhaupt eingeladen wurden und die Chance bekommen haben unser Projekt vorzustellen“, erzählt die Preisträgerin nach ihrer „Ehrenrunde“ noch immer mit einem breiten Lächeln im Gesicht. „In jedem der virtuellen Zoom-Räume, in denen gepitcht wurde, herrschte diese ganz besondere Stimmung. Ich war noch nie so tief drin in unserer Story. Das war, als würde ständig frische Energie durch meinen Körper gepumpt. Obwohl wir uns nur über Bildschirme ausgetauscht haben, haben die Jurymitglieder genau die Fragen gestellt, auf die ich gehofft hatte. Schon da hatte ich das Gefühl: Die haben echt verstanden, um was es mir in diesem Film geht!“

Deshalb hat AFTER THE GODS gewonnen

DFFB-Studentin Jasmine Alakari geht in AFTER THE GODS der Kernfrage nach: Was passiert, wenn junge Menschen anfangen, ihre eigene Gesellschaft aufzubauen und wieder herausfinden müssen, was richtig und was falsch ist? 

Bild After the Gods / Jasmine Alakari

Im Zentrum ihres Projekts steht die elfjährige Taranom, die im besetzten Ort „Exarcheia“ in Griechenland aufwächst. In dem Glauben daran, Probleme anders lösen zu können, als es ihr inmitten von Chaos und Anarchie unter anderem von ihrer Mutter vorgelebt wird, nimmt das Mädchen die Kamera in die Hand. Sie dokumentiert damit, wie eine erfundene Fantasiefigur Konflikte angeht und radikal gewaltlose Alternativen sucht. Eine universelle Geschichte, die Widersprüchlichkeiten genauso zulässt und aushält wie eine leicht schmerzende Prise Humor. 

„AFTER THE GODS verspricht wildes Engagement und einen zärtlichen Blick auf das Chaos. Ein Essay zwischen gesellschaftlichen und ästhetischen Fronten, voller Poesie und dabei politisch hellwach!“, schwärmt die Jury über den „melancholischen, wohl mitunter verzweifelten Abgesang auf falsche Glücksversprechen und die tiefe Sehnsucht junger Leute, die ihre eigene Ausweglosigkeit und Ohnmacht nicht hinnehmen wollen.“

Der Pitch Award vom HDF

Der Preis für den besten studentischen Pitch wird jährlich beim DOK.fest München vergeben. Die vom Haus des Dokumentarfilms gestiftete Projektförderung in Höhe von 2.500 Euro soll neue Entwicklungsmöglichkeiten und Perspektiven eröffnen, zum Beispiel durch den Austausch mit Redakteur*innen, Produzent*innen und Verleihs und/oder durch das Gewinnen neuer Finanzierungspartner. 2019 ging der Pitch Award an Nathalie Berger von der Zürcher Hochschule der Künste (ZHDK) für ihr Filmprojekt CHAGRIN.
Bild Die Finalisten des Pitch Awards 2020

2020 gab es 25 Einreichungen von Studierenden von Filmhochschulen aus Deutschland, Österreich und der Schweiz. Die neun ausgewählten Finalisten und Finalistinnen konnten ihre Projekte im Mai der Jury um Peter Schernhuber, Festivalleitung Diagonale in Wien, und Sven Wälti, Leiter Film der Schweizer Radio und Filmgesellschaft, digital per Zoom-Session vorstellen. „Mich persönlich freut, dass der Wettbewerb um das beste Nachwuchskonzept diese Form gefunden hat, die vielleicht zukunftweisend ist“, erklärt Ulrike Becker, Geschäftsführerin Haus des Dokumentarfilms. „Es ist umwerfend, wie zügig und beherzt das Dokfest München generell die Verlagerung ins Digitale in die Hand genommen hat. Chapeau!“ 

Bild Virtuelle Preisverleihung des Pitch Awards 2020
Screenshot von der virtuellen Preisverleihung des Pitch Awards am 14.5.2020
Astrid Beyer, Haus des Dokumentarilms (l.) - Florina Vilgertshofer & Sina Weber vom DOK.forum München (r.)
Sven Wälti, Leiter Film SRG (l.) - Peter Schernhuber, Festivalleitung Diagonale in Wien (r.)

Da Networking eines der Ziele des Pitch Awards ist, erlässt das Haus des Dokumentarfilms allen neun Teilnehmer*innen der Endrunde für jeweils eine unserer kommenden Veranstaltungen (Meisterklassen, Workshops, Branchentreff Dokville) die Teilnahmegebühr. Wir möchten wissen, wie es mit den Projekten weitergeht!

Die Preisverleihung zum Mitfreuen

(Elisa Reznicek)

Tags: doknews, DOKfest München

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