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„Loveparade – Die Verhandlung“: Doku über den Prozess zur Katastrophe

Am 24. Juli 2020 jährt sich das Unglück bei der Loveparade zum zehnten Mal. Im Dezember 2017 startete der Prozess zur Katastrophe, die 21 Menschen das Leben kostete und unzählige weitere verletzte. Am 15. Juli zeigt ARTE den Dokumentarfilm zum Prozess als Erstausstrahlung, am 22. Juli ist er in der ARD zu sehen.

Die Gedenkstätte für die Toten und Verletzten der Loveparade 2010 in Duisburg.

 

21 Menschen sterben in den Menschenmassen

Dieses Kunstwerk erinnert an die Loveparade Katastrophe 2010.  Was als großes Techno-Event am 24. Juli 2010 in Duisburg startet, endet in einer Katastrophe. Aufgrund der vielen Besucher kommt es auf dem Veranstaltungsgelände im Bereich eines Tunnels zum Rückstau der Menschenmassen. Viele Besucher versuchen, dem hohen Menschenaufkommen zu entfliehen, indem sie auf eine Treppe klettern. Dadurch wächst der Druck in Richtung des Tunnels, wo Menschen aus beiden Richtungen zusammenkommen. Im Gedränge sterben 21 Menschen, über 600 erleiden Verletzungen.

 

Der Prozess dauert über zwei Jahre

Wer die Verantwortung für die Katastrophe trägt, soll ein Gerichtsverfahren klären. Der Prozess begann nach mehr als sieben Jahren im Dezember 2017. Die Erwartungen sind hoch, denn viele Angehörige und Teilnehmer erhoffen eine juristische Aufarbeitung. Nach fast zweieinhalb Jahren wurde die Verhandlung schließlich am 4. Mai 2020 ohne Urteil beendet. Angeklagt wegen fahrlässiger Tötung und fahrlässiger Körperverletzung waren Mitarbeiter der Stadt Duisburg sowie des Veranstalters Lovapent.

Der Dokumentarfilm folgt der Verhandlung

Der Dokumentarfilm „Loveparade – Die Verhandlung“ von Dominik Wessely stellt die Ereignisse chronologisch dar. Dabei werden auch die Hintergründe zur Katastrophe analysiert und Zeugen sowie Angehörige kommen zu Wort. Das Verfahren gilt als eines der wichtigsten und aufwendigsten der Nachkriegszeit. In keinem Prozess in der Bundesrepublik wurden jemals so viele Zeugenaussagen und Bildmaterial gesichtet.

Während des gesamten Prozesses begleitete das Filmteam die Verhandlungen. Nur einzig allein im Gerichtssaal wird nicht gedreht, doch das Geschehen wird von Prozessteilnehmern berichtet. Drei Jahre lang Entwicklung und Produktion steckt in dem Dokumentarfilm, der neben der Begleitung des Prozesses auch Interviews, Bilder und Filmaufnahmen der Katastrophe zeigt und der viele unterschiedliche Stimmen zu Wort kommen lässt.

Der Gerichtssaal, in dem der Loveparade-Prozess stattfindet. Das Verfahren ist eines der wichtigsten in der Geschichte der Bundesrepublik Deutschland; noch keine Ermittlung stützte sich auf so viele Zeugen, so viel Bildmaterial.  

Für den Film gibt es viele Beweggründe

Es seien vor allem die existentiellen Fragen, die die Katastrophe und der Prozess aufwerfen, die Regisseur Dominik Wessely dazu bewegt haben, den Dokumentarfilm zu drehen. „Es geht um abgrundtiefe Trauer, um Schmerz, auch um Fragen nach Schuld und Verantwortung”, berichtet er gegenüber dem Haus des Dokumentarfilms. „Dazu kam, dass das Strafverfahren insgesamt durch die nahende Verjährungsfrist - sie tritt ein zehn Jahre nach der Katastrophe - von Anfang an unter einem enormen Druck stand."

Doch es gab auch einen persönlichen Bezug, denn die Produzentin Antje Boehmert wuchs in Duisburg auf, wie Wessely erzählt. Die Katastrophe prägt die Stadt.

Erstausstrahlung im Fernsehen

Dominik Wessely erzählt uns gegenüber auch, dass „Loveparade - Die Verhandlung” erst während der Produktion zu einer Kino-Koproduktion wurde. „Mit Arpa Film kam ein spanischer Koproduktionspartner hinzu und damit spanische Filmförderungsmittel.” Auch während der Corona-Krise kann der Dokumentarfilm in den spanischen Kinos gezeigt werden.

In Deutschland dagegen ist eine TV-Erstausstrahlung geplant. Dass der Film hier noch nicht in den Kinos gezeigt werden kann, sieht Dominik Wessely gelassen. „Uns war immer klar, dass der Film den größten Teil seines Publikums im Fernsehen und in den Mediatheken finden wird.”

Die Gedenkstätte für die Toten und Verletzten der Loveparade 2010 in Duisburg.

 

Auch die Musik im Film ist besonders

1989 fand die erste Loveparade in Berlin statt. Die Techno-Veranstaltung wurde über die Jahre bei Fans der Musik sehr beliebt und entwickelte sich zu einer Großveranstaltung. Sie war ein Fest der Musikliebhaber. Auch im Dokumentarfilm wird großen Wert darauf gelegt, dies zu vermitteln. Der Komponist Jesús Díaz baute in seine Musik Klänge aus dem Tunnel in Duisburg, aber auch aus dem Gerichtssaal ein, was die Filmmusik einzigartig macht.


„Loveparade – Die Verhandlung“. Ein Dokumentarfilm von Dominik Wessely, produziert von Antje Boehmert, Deutschland, Spanien 2020, 88 Minuten

Sendetermine:

Mittwoch, den 15.07.2020, 22:00 Uhr – arte (Erstausstrahlung) und bis zum 13.10.2020 in der arte-Mediathek verfügbar 

Mittwoch, den 22.07.2020, 22:45 Uhr – ARD


 (Hannah Hiergeist)

Tags: doknews

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